05.07.2018 - 17:56 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Festtafel für Bienen und Schmetterlinge

Damit es wieder summt und brummt, "blüht der Wald auf". Die ansonsten auf Rendite getrimmten Bayerischen Staatsforsten schaffen neuen Lebensraum für Biene, Hummel, Schmetterling und Libelle: Und nehmen dafür richtig Geld in die Hand.

3000 Euro kostet ein Sack dieser zertifizierten, den Lebensräumen angepassten Wildkräuter-Samenmischung. Ingo Greim und Thomas Parton (von links) brachten den wertvollen Samen bisher auf 19 Einzelflächen zwischen der Silberhütte und Oberviechtach aus.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Flossenbürg/Eslarn.Etwa jeder neunte Quadratmeter in Bayern gehört den Bayerischen Staatsforsten. Viele Naturfreunde verbinden mit ihnen eher überbreite Schotter-Trassen und beherzte Harvester-Einsätze als ökologische Vorsorge und Nachhaltigkeit. Ein Klischee? Den "Ausgleich von Ökonomie und Ökologie" beteuert der Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg, Stefan Bösl. In seinem Zuständigkeitsbereich, der sich entlang des Grenzkamms vom Landkreis Tirschenreuth bis zum Landkreis Schwandorf erstreckt, finden sich auch 35 Hektar Offen-Land-Biotope - im waldfreien Gelände: Trockenrasen wie Feuchtgebiete.

Zwei Hektar neue Biotope

Angesichts des dramatischen Insekten-Schwunds startete der Bayerische Landtag jüngst das mit 1,3 Millionen Euro hinterlegte Programm "Der Wald blüht auf". Von diesem Fonds schneiden sich die regionalen Forstbetriebe ein beachtliches Stück ab: Über drei Landkreise - TIR-NEW-SAD - hinweg entstehen auf Randstreifen, Holzlagerplätzen oder Wildäsungsflächen 19 Wildkräuter-Biotope mit einer Gesamtfläche von zwei Hektar, erläutert Thomas Parton, neuer Chef der Service-Stelle des Forstbetriebs Flossenbürg.

Die sündteuren, prozentual genauestens abgestimmten, autochthonen Samen für "Blüh-Mischungen" sollen zu einer reich gedeckten Tafel für die Insekten werden. Szenenwechsel zum Stückberg bei Eslarn: Wo einst Skifahrer ihre Bögen zogen, breitet sich heute ein Magerrasen mit einzigartiger Vielfalt aus. Bei jedem Schritt springen Heuhupfer auf, der Boden lebt. Unzählige Schmetterlinge - vom seltenen Schwalbenschwanz bis zum Bläuling - flattern von Blüte zu Blüte, die ein wahres Festmahl für die Wildbienen und Hummeln darstellen.

Die unglaubliche Flut an Insekten lässt Erinnerungen an die Kindheit aufkommen: So muss es einst in der Kindheit gewesen sein, barfuß über eine "echte", naturnahe Wiese zu laufen, wo heute Baywa-Einheitsgrün eine Ödnis schafft.

Forstbetriebschef Stefan Bösl lächelt zufrieden. Die Staatsforsten rodeten vor mehr als zehn Jahren den inzwischen mit bis zu drei Meter hohen Bäumen und Büschen zugewachsenen Ex-Abfahrtshang am Stückberg. Durch die jährlich Mahd im Spätherbst entwickelte sich eine Wildwiese wie aus dem Bilderbuch - mit dem wohl größten Vorkommen der symbolträchtigen Arnika in der Region und prächtigen Orchideen. Wildkräuter wie der Keulen-Bärlapp, Flockenblume, Echtes Labkraut, Schafgarbe, Wiesen-Glockenblume oder Johanniskraut bereiten quasi eine rezeptfreie Natur-Apotheke für Reh und Hase. Wie Vize-Forstbetriebschef Ingo Greim beobachtet, bedient sich das Wild eifrig.

Imker willkommen

Weil auch die Bienen in der sogenannten "Kulturlandschaft" unter Stress stehen, öffnen die Staatsforsten ihren Wald - kostenlos - für die Imker. Das war nicht immer so. Stefan Bösl: "Uns sind möglichst viele Imker herzlich willkommen. Sie brauchen sich nur an den nächsten Revierleiter zu wenden." Wie hier die Zusammenarbeit perfekt funktioniert, zeigt die "Win-Win-Situation" (Bösl) mit dem Eslarner Imkerverein. Ihm überließen die Staatsforsten günstig die ehemalige Holzfällerhütte als Vereinsheim, das direkt am Radweg zur Tillyschanz liegt.

Vorsitzender Johann Seibert und Vize Johann Bruckner freuen sich über eine aktive, lebendige Vereinsarbeit. An Mitgliedern herrscht kein Mangel, selbst eine 70-Jährige erlernte jüngst als "Jung-Imkerin" das Handwerk. "Das Verhältnis zu den Staatsforsten könnte nicht besser sein." Etwa 25 Bienenvölker finden im nahen Wald und auf der 2010 angelegten Streuobstwiese mit alten Sorten ausreichend Nahrung. Derzeit blühen die mehr als 100 Jahre alten Linden. Insekten summen und brummen. Dies soll in der Oberpfalz wieder öfter der Normalfall sein.

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Kommentare

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Heidi Schrader

Freut mich sehr. Das ist der richtige Respekt der dringend unserer Umwelt entgegengebracht werden muss.

06.07.2018