Flossenbürg
01.10.2019 - 17:10 Uhr

Oberpfalz unterstützt Kulturhauptstadt Nürnberg 2025

Nürnberg will Kulturhauptstadt Europas 2025 werden, Flossenbürg und Weiden sollen dabei mitmachen. Auch andere Oberpfälzer Kommunen sind mit von der Partie.

Die Stadt Nürnberg würde gerne die Gedenkstätte Flossenbürg, wo früher KZ-Häftlinge Steine für das Reichsparteitagsgelände abbauten, für ihr Konzept der Kulturhauptstadt Europas 2025 gewinnen. Archivbild: Popp
Die Stadt Nürnberg würde gerne die Gedenkstätte Flossenbürg, wo früher KZ-Häftlinge Steine für das Reichsparteitagsgelände abbauten, für ihr Konzept der Kulturhauptstadt Europas 2025 gewinnen.

Die Stadt Nürnberg geht als eine von acht deutschen Städten ins Rennen um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025". Seit dieser Woche liegt die von der EU-Jury verlangte Bewerbungsmappe auf Englisch vor. Überschrieben ist sie mit dem Slogan "Past Forward", ein Wortspiel, das soviel heißt wie "Vorwärts aus der Vergangenheit".

Zwar will sich Nürnberg keineswegs über die Historie definieren, aber an Reichsparteitagen und Kriegsverbrecherprozessen kommt die Stadt nicht vorbei. Zugleich hat sich die Frankenmetropole in der Nachkriegszeit als "Stadt der Menschenrechte" einen Namen gemacht.

In diesem Spannungsfeld kommt die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ins Spiel. Sie spielt im Kulturhaupstadt-Arbeitskreis "Totalitarismus und Menschenrechte" eine Rolle. "Flossenbürg ist die Antithese zu Reichsparteitagen und zur Inszenierung der Volksgemeinschaft", schlägt Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit den Bogen. In Nürnberg hängte sich das Hitler-Regime einst eine glänzende Robe um einen Volkskörper, der über und über blutbesudelt war. Für diese versteckte Seite steht Flossenbürg, wo Häftlinge bis zum Tod Granit, der im Reichsparteitagsgelände verbaut ist, aus den Steinbrüchen kratzten.

"Ich war kürzlich auf einer Konferenz in Nürnberg zum Thema Umgang mit baulichem Erbe. Sollte Nürnberg auf die Short List (engere Auswahl, die Red.) kommen, wird es in diese Richtung gehen", erklärt Skriebeleit.

Die Nürnberger Bewerbung bezieht 40 Kommunen und Landkreise aus der Metropolregion mit ein. Sie wollen das Kulturhauptstadt-Programm mitgestalten und mitfinanzieren. Dazu zahlen sie pro Kommune einen Euro pro Einwohner, der später als Projektmittel zurückfließt.

Alle Unterstützer sammeln Ideen aus sechs Themenfeldern. Die Arbeitskreise dazu heißen: Handwerk; Industriekultur und Zukunft der Arbeit; Digitalisierung und Kulturerbe; Teilhabe und Diversität, Spielen; Kulturtourismus und eben Totalitarismus. Neben den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth sowie den Städten Amberg und Waldsassen ist auch Weiden dabei. Die Fäden dazu laufen bei Petra Vorsatz im Kulturamt zusammen. Sie wird sich im Arbeitskreis Kulturtourismus einbringen. Mit allem, was Weiden dazu in die Waagschale zu werfen hat: die Max-Reger-Tage, das Keramikmuseum, Porzellan. Stadtentwicklerin Roswitha Ruidisch mischt bei "Teilhabe und Diversität" mit. Auch Wirtschaftsförderer Nicolas Lahovnik und Bildungskoordinator Kevin Fischer sind dabei.

Bevor das alles konkret wird, muss es Nürnberg erst einmal in die zweite Runde schaffen. Das entscheidet sich am 12. Dezember.

Kulturhauptstadt Europas:

Acht deutsche Städte bewerben sich als „Kulturhauptstadt Europas“ für das Jahr 2025. Neben Nürnberg sind Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Zittau dabei.

Im Herbst 2020 empfiehlt eine Jury des europäischen Rates eine der Kandidatinnen. Die letzte Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen 2010. Am Montagabend lief die Frist zur Einreichung der Bewerbungsbücher ab. Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird seit 1985 jeweils für ein Jahr von der EU verliehen. Zwei Städte aus ausgewählten Ländern tragen ihn pro Jahr. 2025 sind Deutschland und Slowenien dran. Der Titel wird nach einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren vergeben. (phs)

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