19.01.2020 - 08:24 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Redet das Rathaus im Revier zuviel mit?

Das Verhältnis zwischen Forstamt und Gemeinde ist angespannt. Revierleiter Sebastian Höllerer bittet bei der Vorstellung des Jahresbetriebsplans im Gemeinderat ziemlich deutlich darum, sich nicht so stark in seine Arbeit einzumischen.

von Gabi EichlProfil

Der Forstmann sucht dem Gemeinderat deutlich zu machen, warum die Bewirtschaftung der gemeindeeigenen Waldabteilungen besonders schwierig sei. Und warum es angesichts dieser schwierigen Bewirtschaftung die Arbeit doppelt erschwere, wenn das Rathaus bei jeder noch so kleinen Entscheidung mitreden wolle. Bürgermeister Thomas Meiler rechtfertigt dieses Einmischen damit, dass er der Gemeinde so schon einiges an Kosten erspart habe.

Gemeindewald stark zersplittert

Die Gemeinde besitzt Wald auf einer Fläche von etwa 44 Hektar - extrem zersplittert und ohne räumliche Zusammenhänge. Die reine Forstbetriebsfläche beträgt laut Höllerer gerade einmal 34 Hektar, und davon seien noch einmal die zehn Hektar Sondergebiet am Schloßberg abzuziehen. Für eine reguläre Bewirtschaftung blieben nur zwei Flächen, die Waldabteilungen Vogelherd mit 11,45 Hektar und das Hammerholz mit 6,2 Hektar. Diese zwei Flächen müssten den Rest finanziell mittragen, eine „riesige Herausforderung“, wie Höllerer sagt. Der durchschnittliche Erlös pro Jahr beträgt laut Höllerer um die 5000 Euro bei jährlichen Fixkosten von etwa 2300 Euro.

Nachwuchs braucht Pflege

Wegen Versäumnissen in den vergangenen Jahren braucht Höllerer eigenen Worten zufolge heuer etwas mehr Geld, um vor allem in der Abteilung Vogelherd die Naturverjüngung zu pflegen. 2020 seien etwa zwei Hektar Jugendpflege und 0,5 Hektar Kulturpflege einzuplanen, dies bei einem Pflegeaufwand von rund 40 Stunden je Hektar. Die Vergabe der Pflegearbeiten an einen externen Dienstleister werde etwa 4000 Euro kosten. Zusammen mit weiteren kleineren Maßnahmen brauche er etwas mehr als 9000 Euro in diesem Jahr, sagt Höllerer. Gleichzeitig verbiete sich aber ein Holzeinschlag angesichts des aktuellen Holzpreises. Daher sei mit einem Minus von rund 6000 Euro zu rechnen.

Meiler gibt zu, sich häufig in die Arbeit des Forstamtes einzumischen. Damit habe er der Gemeinde in den vergangenen Jahren aber etwa zehn Prozent an Kosten erspart, sei es durch Nachverhandlungen oder durch das Einholen weiterer Angebote. Mit ihren wenigen wirtschaftlichen Flächen müsse die Gemeinde sich deutlich mehr anstrengen als andere.

Gemeinde holt Angebote ein

Höllerer erwidert, durch dieses Einmischen der Gemeinde werde die Arbeit seines Amtes enorm erschwert; dadurch sei das Verhältnis auch so angespannt. Es gebe keine andere Gemeinde im Amtsbezirk, die den Forstleuten derart auf die Finger sehe; er wisse nicht, wie lange das Amt diesen Mehraufwand noch leisten könne. Meiler beharrt darauf, dass die Gemeinde verlangen könne, dass zum Beispiel für die Vergabe von Arbeiten mehrere Angebote eingeholt würden, zumal das sogar die Gemeinde übernehme. An den Gemeinderat gewandt sagt er, er könne diese Einmischung jederzeit auch unterlassen, „das erspart mir eine Menge Arbeit“.

Jahresbetriebsplan genehmigt

Der Gemeinderat billigt den von Höllerer vorgelegten Jahresbetriebsplan mit dem vorhergesagten Minus von etwa 6000 Euro einstimmig. Eine Entscheidung darüber, ob das Rathaus sich wie gehabt einmischen oder das Forstamt ohne Einmischung arbeiten lassen soll, fällt nicht.

Die Weidener Firma WOC (World of Computers e.K.) bekommt für 4.105,02 Euro brutto den Auftrag für einen neuen Server für das Rathaus. Ein solcher ist notwendig geworden, da der bisherige noch mit dem Betriebssystem Windows 7 läuft, für das es seit kurzem keine Updates und keinen technischen Support mehr gibt.

Birkenstraße 9: Reservierungen

Sein Einvernehmen erteilt der Gemeinderat dem Bauantrag der Gemeinde auf Errichtung eines Mehrfamilienwohnhauses mit sechs Wohneinheiten in der Birkenstraße 9 (die Oberpfalzmedien berichteten mehrfach). Die zwischen 48 und 90 Quadratmeter großen Wohnungen sind alle barrierefrei, drei davon sind laut Meiler schon reserviert.

Kein Problem hat der Gemeinderat mit den Befreiungen vom Bebauungsplan für das Bauvorhaben „Am Kochbühl 3“, die notwendig werden, weil das Carport ein flach geneigtes Pultdach bekommen und an der östlichen Grundstücksgrenze errichtet werden soll. Im Bebauungsplan ist der Bau eines Nebengebäudes an der westlichen Grundstücksgrenze vorgegeben, die im Plan festgelegten östlichen Baugrenzen werden durch das Bauvorhaben überschritten.

Bauzwang wird aufgehoben

Zum dritten Mal sagt der Gemeinderat Ja zu dem Wunsch von Bauherren, zwei Grundstücke im Baugebiet Kapellenberg zu kaufen und nur eines davon zu bebauen; der Bauzwang für das nicht bebaute Grundstück wird aufgehoben.

Zurückgestellt hat der Gemeinderat die Beratung über den Verkauf von Grundstücken am Kapellenberg an die Raiffeisenbank Floß.

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