14.10.2019 - 08:38 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

„Auf Wiedersehen“ Herbert Sörgel

Nach mehr als 15 Jahren heißt es Abschied nehmen. Pfarrer Herbert Sörgel geht in den Ruhestand. Die evangelische Gemeinde, Amtskollegen und Vertreter des öffentlichen Lebens sagen „Auf Wiedersehen“.

Die Familie von Herbert Sörgel (Mitte) ist beim Gottesdienst am Sonntagnachmittag dabei. Beeindruckt sind alle vom Abschiedsgeschenk des Kirchenvorstandes, einem Granitblock mit einem christlichen Symbol.
von Bernhard NeumannProfil

„Diesen Abschiedsgruß haben wir anstelle von Servus oder Adieu bewusst gewählt“, erläuterte die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes Waltraud Riedel in der evangelischen Pankratiuskirche. Der scheidende Pfarrer ziehe zwar aus Flossenbürg weg, aber nicht allzu weit: „Seine neue Wohnung ist in George-Mountain zu finden. Da können wir schon davon ausgehen, ihn zumindest ab und zu wiederzusehen.“ Gemeint war im Übrigen der Nachbarort Georgenberg.

Die weiteren Redner beschrieben an dem Nachmittag den Charakter und das Engagement Sörgels. Das gelang ihnen, in der Summe betrachtet, durchaus gut und zutreffend. Den Auftakt machte Pfarrer Wilfried Römischer für die Flosser Nachbarpfarrei und die Kirchengemeinden im Flosser Amt. Es folgten der katholische Amtskollege Pfarrer Georg Gierl, Dr. André Fischer für das Pfarrkapitel, Bürgermeister Thomas Meiler, Dr. Christa Schikorra von der KZ-Gedenkstätte, die stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerks Oberpfalz Christina Ponader und Michaela Jung vom Jugendheimverein.

Übereinstimmend schilderten alle Redner den scheidenden Pfarrer als Mann mit Ecken und Kanten, als Kämpfer für die Mitmenschen, für Respekt und für Gerechtigkeit, als Mann mit streitbarem Geist, viel Humor und erfrischendem Esprit. Nun Abschied zu nehmen, auch wenn der Ruhestand offiziell erst am 1. November beginnt, falle schwer. Sörgel imponierte ihm kirchlichen Bereich ebenso, wie beim menschlichen Miteinander oder beim Eintreten für kulturelle Ereignisse und für die Musik.

Offiziell gewürdigt wurde all das auch vom Weidener Dekan Wenrich Slenczka. Einen wichtigen Aspekt ergänzte der noch: „In der Personalakte ist die Eigenschaft als überdurchschnittlicher Prediger festgehalten. Solche Inhalte wären zwar geheim, aber vom Gespür für die passenden Worte weiß sowieso jeder. Seine Predigten fallen kraftvoll, bunt und wenn es sein muss auch einmal laut aus.“ Am Herzen sei ihm das geistige Vermächtnis des in Flossenbürg von den Nazis ermordeten Pfarrers Dietrich Bonhoeffer gelegen.

Der Dekan nahm in seiner Laudatio auf die Worte von Jesus „Ihr seid das Salz der Erde“ Bezug. Das treffe auf Sörgel ausgezeichnet zu. Die Eigenschaft lasse sich nicht an einzelnen Taten festmachen, sondern verlange die passende persönliche Einstellung: „Er wird sie mit dem Ruhestand nicht einfach so ablegen, sondern, und davon bin ich überzeugt, dauerhaft behalten.“

Unter Beweis stellte die Einschätzung Sörgel in seiner letzten Predigt. Die Aufforderung „Prüft alles und das Gute behaltet“ rückte bei den Worten von der Kanzel in den Mittelpunkt. Das gelte beispielsweise auch für eine von Bettina Scharnagl besetzte Anlaufstelle: „Ohne Hilfe wird das schwer. Aber wir haben alle einen Auftrag. Es geht darum, als Kirchengemeinde Zuversicht auszustrahlen und nicht um das Festhalten an Traditionen aus dem vorigen Jahrhundert.“ Ein wenig Wehmut ließ sich nicht überhören. „Ich war gerne in Flossenbürg“, bekannte Sörgel und winkte zum Abschied von der Kanzel.

Wie es mit der Pfarrstelle weitergeht, darüber wurde am Sonntag das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auch Dekan Slenczka hielt sich zurück. Eine inständige Bitte galt der gesamten Gemeinde: „Für die Zeit der Vakanz seid ihr gefordert. Stellt eure Kraft unter Beweis.“ Den Flossenbürger Gläubigen war allerdings bei dem von Pfarrer Wilfried Römischer geführten Gottesdienst nicht nach der Aussage des Eingangsliedes „Du meine Seele singe“ zumute. In gemütlichem Rahmen, bei Kaffee und Kuchen, ging es beim Empfang im Bonhoefferhaus weiter.

Dekan Wenrich Slenczka (links) vergisst in der Pankratiuskirche nicht auf die Verdienste von Pfarrer Herbert Sörgel (Mitte) neben der seelsorgerischen Arbeit. Dazu zählt das Engagement für die KZ-Gedenkstätte und für die Erwachsenenbildung.

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