Deutschland und die Welt
31.07.2019 - 17:57 Uhr

Die Förderung bringt nicht viel: Das Problem ist das E-Auto selbst

Die Subventionen der Bundesregierung für Elektroautos klingen gut, bringen bisher aber wenig. Das Problem liegt bei der Automobilindustrie: Die E-Autos sind noch zu teuer und kommen nicht weit genug. Ein Kommentar von Julian Trager.

Kommentar von Julian Trager
Ein Elektroauto an einer Ladestation. Noch kommt die Verkehrswende nicht in Schwung. Bild: Sven Hoppe/dpa
Ein Elektroauto an einer Ladestation. Noch kommt die Verkehrswende nicht in Schwung.

Die am Mittwoch beschlossenen Subventionen für Elektroautos sind gut, werden die Verkehrswende aber auch nicht bringen. Es gibt ja schon seit einigen Jahren Förderungen der Bundesregierung - der Anteil von E-Autos auf den deutschen Straßen ist aber weiterhin marginal, wenngleich er auch langsam steigt. Das Problem ist das E-Auto selbst. Anders ausgedrückt: die Automobilindustrie, die es bisher noch nicht geschafft hat, ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zu bauen, das den hohen Ansprüchen der Menschen an ein modernes Auto entspricht.

Die Leute brauchen einen spürbaren Vorteil, warum sie sich ein E-Auto kaufen sollten. Das Gefühl, einen eigenen kleinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, reicht nicht. Die Elektroautos der Gegenwart haben etliche Nachteile, die Verbraucher im Alltag spüren: Man kommt nicht wirklich weit, viele haben nur eine Akku-Reichweite von rund 300 Kilometern. Für einen City-Flitzer ist das vielleicht in Ordung, auf dem Land, wo lange Strecken normal sind, ist das aber nicht praktikabel.

Dazu kommen die teils sehr langen Ladezeiten. Apropos Laden: Es fehlt auch an passenden Rahmenbedingungen. Es gibt in Deutschland rund 16 000 öffentliche Ladestationen. Klingt nach viel, reicht aber nicht. Hier sind die Energieversorger am Zug. Und: Trotz dieser Nachteile sind die E-Autos sehr teuer.

Solange diese Schwächen bleiben, kann die Bundesregierung die E-Mobilität fördern, wie sie will - am Ende bringt's wenig. Denn vor allem die Industrie muss liefern. Für die meisten auf dem Land lebenden Menschen bleibt das E-Auto sonst eine Utopie. Aus Mangel an Alltagstauglichkeit.

 
Kommentare

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Peter Steinbock

Herr P. - das Beispiel Norwegen für Elektromobilität zieht hier kaum, denn in Norwegen ist bedarfsgerechte Elektroenergiebereitstellung zu nahezu 100% dem hinreichenden Reichtum an Speicherwasserkraft zuzuschreiben. Norwegens Stromerzeugung ist traditionell brennstoffkostenfrei, rauchgasfrei und flatterstromfrei. Norwegen braucht eigentlich keine staatlichen Anreize, es hat satt natürliche Anreize. Alles Eigenschaften, die Deutschland noch sehr sehr lange fehlen.

01.08.2019
Tobias Punzmann

Alles richtig - bis aufs Fazit! Solche Nachteile und mangelnde Praktikabilität begleiten die meisten neuen Technologien in ihrer Anfangsphase. Staatliche Anreize helfen hier, die Schwelle der Akzeptanz für Early Adopter zu senken und beschleunigen die Evolution hin zu brauchbaren Technologien durch Steigerung der Nachfrage. Wenn man an der Wirkung staatlicher Anreize interessiert ist, kann man gerne den EV-Anteil bei den Neuzulassungen in Norwegen betrachten.

01.08.2019
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