05.02.2020 - 13:11 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Eine Frage der Füllung

Bei kariösen Zähnen können Patienten aus unterschiedlichen Materialien wählen

Verschiedene Zahnfüllungen
von Externer BeitragProfil

Der Zahn hat ein Loch. Karies. Deutschlandweit versorgen die Zahnärzte pro Jahr knapp 50 Millionen Zähne mit einer neuen Füllung. Bei der Wahl des Materials können die Patienten verschiedene Varianten wählen – abhängig von der Haltbarkeit, den Kosten oder von der Lage des defekten Zahns. Zahnmediziner unterscheiden zwischen plastischen Füllungen und Einlagefüllungen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung erklärt den Unterschied: „Die plastischen Füllungsmaterialien werden in formbarem Zustand in den Zahn eingebracht und härten dort aus. Einlagefüllungen werden immer außerhalb des Mundes angefertigt, in den Zahn eingepasst und anschließend befestigt.“ Beim Material wird zwischen metallischen und nichtmetallischen Stoffen unterschieden.

Präparieren

Zur Versorgung eines defekten Zahns entfernt der Zahnarzt zunächst die kariöse Substanz. In der Fachsprache heißt das: präparieren. Für den Patienten heißt das: bohren. Laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung wird bei kleineren Kariesdefekten auch mit Lasertechnik oder chemischen Verfahren gearbeitet. Ziel der Präparation ist es, so viel wie möglich von der Zahnsubstanz zu erhalten und so wenig wie nötig zu entfernen. Ist der Zahn präpariert, wird er mit Füllungsmaterial versorgt und dauerhaft dicht verschlossen.

Amalgan

Eine Mischung aus Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber ergibt die silberfarbene Amalgam-Füllung. Der Klassiker unter den Füllungen. Amalgam ist der älteste, besterforschte zahnärztliche Wirkstoff und „wird in der Regel problemlos vertragen“, argumentiert die Bundesvereinigung der Kassenzahnärzte. Der Inhaltsstoff „Quecksilber“ allerdings hat das Füllmaterial in Verruf gebracht. Die Kassenzahnärzte allerdings halten dagegen, „dass die Quecksilberaufnahme durch Zahnfüllungen durchschnittlich in der gleichen Größenordnung wie die Quecksilberbelastung durch die Nahrung“ ist. Zum 1. Juli 2018 ist die EU-Verordnung über Quecksilber in Kraft getreten. Jetzt gilt ein Verbot für die Verwendung von Dentalamalgam bei Milchzähnen, Kindern unter 15 Jahren sowie schwangeren und stillenden Patientinnen. Dieses wird nur aufgehoben, wenn der Zahnarzt eine Amalgam-Füllung wegen spezifischer medizinischer Erfordernisse als zwingend notwendig erachtet. Gesetzlich versicherte Patienten, die wegen der EU-Verordnung keine Amalgam-Füllung erhalten dürfen, haben Anspruch auf eine alternative Füllung – ohne Zuzahlung. Die Europäische Union will die Verwendung von Amalgam noch weiter einschränken. Im Jahr 2020 wird geprüft, ob ab 2030 vollständig auf Amalgam-Füllungen verzichtet werden kann.

Happy patient

Glasiomerzement

Der Glasiomerzement ist speziell für die zahnärztliche Anwendung entwickelt worden. Der mineralische Zement ist weich und zeigt nach der Härtung eine helle, matte Oberfläche. Weil das Material als Füllwerkstoff aber nur eine begrenzte Haltbarkeit aufweist, wird es vor allem bei provisorischen Füllungen und bei der Versorgung kariöser Milchzähne verwendet. Ebenfalls möglich ist die Verwendung bei kleineren Kariesdefekten am Zahnhals. Glasiomerzement enthält Fluorid, das langsam freigesetzt wird. Damit soll die Entwicklung von Karies an den Füllungsrändern verhindert werden. Bei diesem Füllungsmaterial gilt: immer wieder auf die Haltbarkeit kontrollieren lassen.

Close-up of open mouth during oral checkup at the dentist’s

Komposit

20 Prozent Kunststoff und 80 Prozent aus einem Salz der Kieselsäure oder feinsten Glasteilchen: Das ist die Zusammensetzung des zahnfarbenen Füllungswerkstoffs Komposit. Damit zählt das Material zu den Kunststofffüllungen, obwohl es eher der Keramik ähnelt. Die Eigenschaften des Materials und die Methoden zur Befestigung hat die Industrie konstant verbessert, so dass Komposit inzwischen als formstabil und vergleichsweise langlebig eingestuft wird. Aus diesen Gründen ist das Material auch sehr gut für die Füllung von Front- und Seitenzähnen geeignet. Für die Füllung mit Komposit kann der Zahnarzt aus mehreren Verfahren wählen, die unterschiedlich aufwendig sind. Bei kleinen Kariesschäden reicht es laut KZBV oft, den Zahnschmelz in der vorbereiteten Kavität (dem kariesfreien Loch) aufzurauen und mit einem speziellen Kleber zu versehen. In einem Arbeitsschritt wird im sogenannten Einschichtverfahren das weiche Komposit in den Zahn eingefüllt und mit einem speziellen Licht gehärtet. Bei größeren Kariesschäden ist eine aufwendigere Versorgung mit einer geschichteten Kompositfüllung notwendig. Das Komposit wird in mehreren Schichten aufgetragen, die nacheinander aushärten müssen, weil das Material beim Härten schrumpft. Dabei können winzige Rand- spalten zwischen Zahn und Füllung entstehen, in denen sich dann erneut Karies bilden kann. Dieses Risiko ist bei der Mehrschichttechnik sehr gering. Je weniger Material pro Schicht verwendet wird, desto geringer ist die Schrumpfung – die Füllung wird aufwendiger.

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