29.01.2021 - 16:19 Uhr
Frankenreuth bei WaidhausOberpfalz

Ab sofort Coronatests für Grenzpendler in Waidhaus – aber die Falschen?

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Seit Montag ist für alle Einreisenden aus Tschechien ein negativer Coronatest Pflicht. Am Freitag ging deshalb auch eine Teststrecke am Grenzübergang Waidhaus in Betrieb. Riesenandrang gab's nicht. Aber mitunter verärgerte Gesichter.

Coronatest im mobilen Zentrum an der Grenze Waidhaus: Carlo Bilic nimmt den Abstrich aus dem Nasen- und Rachenraum der ankommenden Testpersonen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Der strömende Regen an der Grenze zu Waidhaus am Freitagmorgen macht die Arbeit unter den weißen Pavillons der gerade brandneu eröffneten Corona-Teststation nicht einfacher. Dick eingepackt in warme Kleidung sitzen 6 Mitarbeiter der Administration und 2 bis 3 Mediziner bei frischen 0 Grad Celsius unter dem Zeltdach. Sie warten pünktlich seit 5 Uhr auf Grenzpendler, die sich ab sofort hier kostenlos testen lassen können.

Felix Pfeffermann ist vor Ort verantwortlich. Er überwacht die Abläufe der mobilen Teststrecke und ist von der 21Dx GmbH, laut eigenen Angaben einem der größten Betreiber von Corona-Teststationen in Deutschland. Bis etwa 9 Uhr gibt es nur etwa 30 Registrierungen. Pfeffermann appelliert an die Testpflichtigen, sich vorab unter corona.centogene.com zu registrieren, damit dann alles zügig vorangeht. Wer ohne Anmeldung kommt, steht zunächst an einem der Stehtische und muss nach der Desinfektion die relativ aufwändige Handyerfassung vor Ort vornehmen. Dies kann zu erheblichen Zeitverzögerungen führen, warnt Pfeffermann. Der Test selbst laufe schnell und unkompliziert: Im Nasen-Rachen-Raum wird ein Abstrich genommen und anhand eines Labortests das Erbgut des Coronavirus nachgewiesen. Das Ergebnis wird den Getesteten einen Tag später per E-Mail mitgeteilt. Zu spät, meint ein Unternehmer.

Unternehmer aus Waidhaus enttäuscht: Keine Schnelltests

Stefan Voit ist Stahlfertiger aus Waidhaus. Er kommt mit seiner Ehefrau Margit, um sich für seine Mitarbeiter an Ort und Stelle zu informieren. Immerhin rund 30 Leute fahren täglich über die Grenze, um in seiner Stahlbaufirma zu arbeiten. "Unter den Pendlern herrscht große Unsicherheit", sagt Margit Voit. Beim Ehemann und Chef nun auch. Stefan Voit ging davon aus, dass es sich bei der Teststrecke um Antigen-Schnelltests handelt. Damit würden seine Mitarbeiter am Morgen zur Teststrecke kommen und bis zum Eintreffen an der Arbeitsstelle ihr Ergebnis vorliegen haben. Doch: Fehlanzeige. „Jetzt muss ich wieder umdisponieren“, sagt der Unternehmer enttäuscht.

Schnelltests: Landratsamt Neustadt kümmert sich

Es ist richtig, dass am Freitag zunächst ausschließlich PCR-Tests durchgeführt werden konnten, bestätigt das Landratsamt Neustadt/WN auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Die Problematik der fehlenden Schnelltests sei aber zwischenzeitlich behoben. Aller Voraussicht nach bestehe bereits ab Samstag, 30. Januar, die Möglichkeit zur Durchführung von Schnelltests vor Ort. Bis auf weiteres sei die mobile Teststrecke, welche in der Regel für Reihentestungen bei Ausbruchsgeschehen diene, aber weiter im Einsatz – als kurzfristige Überbrückung, bis die Beauftragung eines Dienstleisters als dauerhafte Lösung vor Ort abgeschlossen ist. Und das gestaltet sich gar nicht so einfach, erklärt Marcel Weidner, Sprecher des Landratsamts. Aufgrund der Auftragssumme dürfe keine „freihändige“ Vergabe an einen beliebigen Dienstleister erfolgen. Es musste eine Ausschreibung erfolgen. Geplant sei aber, bis nächste Woche eine Lösung zu finden.

Gelassener Grenzpendler

Darüber würde sich sicher auch Josef Kuzak freuen. Er arbeitet in Kühried bei Teunz bei einem Forstdienstleistungsbetrieb und hat sich bereits am Mittwoch anderswo testen lassen. Bislang plant er, weil es bislang keine Schnelltests in Waidhaus gibt, am Samstag oder gar Sonntag extra erneut vorbeikommen. Schließlich will er am Montagfrüh wieder zur Arbeit einreisen. Kuzak, der im etwa 16 Kilometer von der Grenze entfernten Pfraumberg/Přimda lebt, nimmt den Mehraufwand aber recht gelassen und ist gut gelaunt. „Hauptsache gesund“, sagt er – und fährt weiter ins Landesinnere.

Transportunternehmer aus Eslarn nutzt auch neues Testzentrum

Geschäftlich in die andere Richtung muss Johannes Kleber vom gleichnamigen Transportunternehmen in Eslarn. Auch er braucht einen Test. Kurze Zeit später kommt auch einer seiner Fahrer mit dem Lastwagen mit Ziel Tschechien vorbei: David Růžička wohnt fünf Kilometer von der Grenze entfernt. Er sagt, er finde es gut, dass nun in nächster Nähe zu seinem Heimatort eine Teststrecke aufgebaut wurde. Er arbeitet in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Fuchsmühl.

Kritik an Registrierung

Gut, aber umständlich findet's Robert Bapapajla. Er arbeitet in einer Waidhauser Bäckerei und macht deshalb am Freitag Station an der neuen Teststrecke. Die Registrierung findet er umständlich. Dabei dachte er, alles vorab erledigt zu haben. Sei doch auf der Internetseite des Landkreises Neustadt/WN angekündigt worden, dass sich die Grenzpendler über www.ecocare.center/neustadt-weiden anmelden sollen. Vor der Teststrecke aber weisen Informationstafeln darauf hin, dass die Registrierung unter corona.centogene.com erfolgen muss. Das kostet Zeit.

Bundespolizei macht Stichpunktkontrollen

Präsenz zeigen auch die Polizei aus Vohenstrauß und die Grenzpolizei aus Waidhaus im Ortsteil Frankenreuth. Allerdings halten sie sich mit Kontrollen zurück. Sie überwachen vor allem das Verkehrsgeschehen, das aber am Freitagvormittag recht ruhig verläuft. Auch die Bundespolizei ist im Rahmen der Binnengrenzfahndung verstärkt in der Region unterwegs und achtet auf die Mitführung der Corona-Befunde. Eigens feste Kontrollstellen seien aber weder auf der Autobahn A 6 noch auf den Landstraßen eingerichtet, informierte Pressesprecher Franz Völkl am Freitagmittag. Laut Erstem Polizeihauptkommissar Martin Zehent von der Polizeiinspektion Vohenstrauß „tröpfelten“ die Grenzpendler den ganzen Vormittag an der Teststrecke ein. Bis 11 Uhr wurden 50 PCR-Tests vollzogen. 500 pro Tag sind möglich.

Hintergrund:

Coronatests für Grenzpendler

  • Tschechien gilt seit Freitag, 22. Januar, als Hochrisikogebiet. Einreisende müssen nun einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.
  • Am Freitag, 29. Januar, ließ das Landratsamt Neustadt im Waidhauser Ortsteil Frankenreuth beim ehemaligen High-Tech-Center Hösl ein mobiles Testzentrum errichten.
  • Testkapazität nach Behördenangaben 500 Personen pro Tag.
  • Registrierung für Testwillige unter https://corona.centogene.com.
  • Vor Ort Prüfung von Ausweisdokumenten und Arbeitgeberbescheinigung.
  • Eventuell neuer Vergabemodus mit Entscheidung für dauerhafte Beauftragung eines Dienstleisters.
  • Unter http://www.ecocare.center/neustadt-weiden keine Registrierung in Waidhaus, sondern im Testzentrum Weiden-Neustadt, Conrad-Röntgen-Straße 19, in Weiden.

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