Einmal Paradies und zurück

Sterne beobachten, das salzige Meer riechen - so stellt man sich eine Nacht auf einem Boot vor. Und genau so ist es auch, erzählen Lisa und Horst Mösbauer. Die Freihölser sind mit ihrer Hideout einmal über den Atlantik und zurück gesegelt.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Elf Monate waren Lisa und Horst Mösbauer unterwegs auf ihrer Hideout, einer Segelyacht. "Wir haben sie von einem älteren Herrn gekauft, ohne sie vorher einmal zu fahren und ohne Segelerfahrung. Wir haben ihm praktisch blind vertraut", erinnert sich Horst Mösbauer. Bereut haben die beiden ihre Entscheidung nie. Lange Zeit hat sich bei ihnen der Wunsch manifestiert, den Atlantik zu übersegeln. Auf Reisen gingen die beiden schon immer gerne. Mit ihrem von Horst selbst umgebauten Geländewagen haben sie viele Teile Afrikas erkundet - aus ihrem Hobby entstand die ehemalige Firma. Ein Jahr nachdem sie die Hideout ihr Eigen nennen konnten, verkauften die Mösbauers ihr Unternehmen. Es war ein Befreiungsschlag. Raus aus der Bürokratie und dem stressigen Alltag. Horst, der für sein Leben gerne tüftelt, hatte genau dafür keine Zeit mehr. Die Arbeit war bestimmt von Schreibkram - nichts für den Abenteurer. "Mit einer Firma zu wachsen ist relativ einfach, sie aber auf diesem Niveau zu halten, ist anstrengend", erzählt er. Auch Lisa wollte raus. "Ich hab' nur noch Ordner gesehen."

Probefahrt vor dem großen Turn

So segelten sie los. Ihr Ziel für die nächsten drei Sommer war Griechenland. Eine Art Probeturn für die große, bevorstehende Karibik-Reise. "Um das Segeln wird immer ein so großes Geheimnis gemacht. Dabei braucht man einfach das richtige Gespür", erzählt der 54-Jährige. Und eine DVD mit "Segeln leicht gemacht", fügt er lachend hinzu. Klar, ganz so einfach sei es nicht, eine Segelreise zu starten. Aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. "Viele haben uns nicht geglaubt, dass wir die Reise wirklich durchziehen", erinnert sich Lisa Mösbauer. Doch sie haben es durchgezogen. "Tausend Leute sprechen davon, Hundert planen es, Zehn starten und nur Einer vollendet die Reise", beschreibt es Horst.

Die ersten zwei bis drei Tage auf See war die Aufregung bei beiden groß. Dann legte sich die Anspannung und das Glücksgefühl der unendlichen Freiheit setzte ein. Nachts schliefen sie abwechselnd im Drei-Stunden-Takt. Einer hielt Wache, achtete darauf, dass das Boot nicht vom Kurs abdriftet, kein anderes Schiff ihnen in die Quere kommt. Meistens angeleint am Boot, denn trotz besten Wetters war der Wellengang nicht zu unterschätzen. "Das war toll" sind sich beide einig. Von Schlafmangel keine Spur. Auf dem Atlantik ticken die Uhren eben anders. Lisa hat es besonders fasziniert, diese Reise nur mit der Kraft des Windes zu bestreiten. "Wir wollten völlig autark reisen. Ein Motorboot kam für uns nicht infrage, das hätte viel zu viel Sprit verbraucht", betont die 53-Jährige. Für teils spektakuläre Einpark- oder Wendemanöver in engen Buchten hat die Hideout natürlich einen Motor. Doch bis auf kleine Ausnahmen, bleibt dieser still. Generell lebte das Ehepaar auf hoher See sehr minimalistisch und nachhaltig. Das Mehl haben sie aus Körnern selber gemahlen. Das Salzwasser aus dem Meer hat der "Watermaker" in Trinkwasser verwandelt. Ab und zu gab es frisch geangelten Fisch, der dann mehrere Tage als Mahlzeit diente. Manchmal "flogen" die Kalamari von selbst aufs Boot. Das war dann leicht verdientes Essen. Einiges an Atlantik-Thunfisch hat Lisa sogar eingeweckt, und noch heute was davon. Auf den einheimischen Märkten kauften sich die Mösbauers frische Früchte und Gemüse dazu. "Das beste Essen gab es in der südlichen Karibik", schwärmen die beiden noch Monate später.

Das riesige Weihnachts-Gockerl

Paradiesische Buchten, Natur pur, traumhafte Inseln, weißer Strand türkises Wasser - so viele tolle Eindrücke über die sie stundenlang erzählen könnten. Lisa hat daher alles in einem Reisebericht festgehalten. Das schönste Erlebnis war für die beiden der Landfall in Tobago und die Geschichte vom Gockerl an Weihnachten. Das hätten sie nämlich zu gerne am Heiligen Abend gegessen - Fisch gab's zuvor genug. In Charlottesville suchten sie nach einem Hühnchen zum Zubereiten, was sich aber doch schwieriger gestaltet hat, als gedacht. Der einzige Bankautomat, um Euro in Tobago Dollar zu wechseln, war außer Betrieb. Lisa erzählte einer Einheimischen von ihrer Suche nach dem Gockerl und dem leeren Geldbeutel. Die machte einen kurzen Anruf und zwei Minuten später stand ein Mann mit einem frischen Riesen-Hähnchen vor Lisa. Das fehlende Geld war kein Problem für den Mann. Lisa solle bezahlen, wann sie konnte. Die Freihölserin war überwältigt und gleichzeitig beschämt von so viel Vertrauen, haben die Mösbauers doch kurz zuvor ihr Schlauchboot diebstahlsicher angekettet. Sie nahm an und an Heilig Abend wurde das Zwei-Kilo-Gockerl serviert. Den ersten Weihnachtsfeiertag feierten Einheimische und mehrere "Yachtis" zusammen mit einem großen Barbecue, zu dem jeder etwas mitbrachte. Und so kam es, dass am Strand von Charlottesville von Lisa gebackene, frische, bayerische Brezen von Menschen aus aller Welt verspeist wurden. Das Miteinander, sei ein ganz besonderes auf Tobago.

"Es ist tatsächlich wie wir es in den Büchern gelesen haben. Deshalb wählten wir Tobago als ersten Anlaufpunkt nach dem großen Sprung über den Teich", ist Lisa begeistert. Ein paar Dinge gibt es übrigens, die den beiden nach elf Monaten auf See im Alltag komisch vorkommen: Behördengänge, Termine und die Klospülung.

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