03.05.2020 - 16:32 Uhr
FreihungOberpfalz

Dorferneuerung und Vereine im Mittelpunkt seiner Arbeit

Am 30. April hatte Bürgermeister Norbert Bücherl seinen letzten Arbeitstag und sein Amtszimmer im Rathaus von persönlichen Dingen geräumt. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt er zurück auf 18 teils turbulente Jahre.

Erhobenen Hauptes und zufrieden scheidet Bürgermeister Norbert Bücherl aus dem Amt.
von Siegfried BockProfil

Aus Gesundheitsgründen musste der Rathauschef der Marktgemeinde auf eine vierte Kandidatur verzichten. Nun schaut er zurück auf diese 18 Jahre seines Wirkens als Gemeindeoberhaupt. "Das Wichtigste war mir die Verbesserung der Infrastruktur, vor allem die komplette Erneuerung der Wasserversorgung, die unter den beiden Vorgängern Michael Bücherl (Vater) und Emil Köhler bereits in den 90er Jahren eingeleitet worden war. 12,5 Millionen Euro wurden dafür investiert."

Stolz berichtet Norbert Bücherl, dass durch den Freihunger Einspruch beim Finanzgericht der vom Bundesfinanzministerium für 2000 geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 16 Prozent für den Bau von Wasserversorgungs-Anlagen vom Europäischen Gerichtshof nicht stattgegeben wurde.

"Das war ein schöner Sieg für die Bürger, denn dadurch konnten wir an sie über eine halbe Million Euro an Beiträgen zurückerstatten. Und von dieser höchstrichterlichen Entscheidung hatten dann alle Kommunen in der Bundesrepublik profitiert."

Langgehegter Wunsch

Eine große Gewichtung legte Bücherl auch auf die zahlreichen Dorferneuerungsmaßnahmen, bestens gefördert und begleitet vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz. So konnten die Maßnahmen in Seugast (2004), Freihung, Mühlbergstraße (2005), Schickenhof (2006), Thansüß (2008), Kleinschönbrunn (2010) und letztendlich Freihung, Dr.-Hans-Raß-Straße (2013) unter Beteiligung der Bevölkerung umgesetzt werden.

Mit der in der letzten Woche begonnenen Dorferneuerung in Großschönbrunn ging nach mehr als zehnjähriger Vorarbeit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Beantragt sei diese auch für Tanzfleck, aber abhängig vom Bau der Ortsumgehung der B 299.

Ortsumgehung nicht geschafft

Dass diese bisher nicht umgesetzt werden konnte, "war für mich die größte Enttäuschung in diesen 18 Jahren, nachdem ich von Anfang an bemüht war, dass die von den Anwohnern in der Ortsdurchfahrt sehnlichst erwartete Umgehung realisiert wird", betont Bücherl. Weitere Überprüfungen und umweltschutzrechtliche Vorgaben stünden noch immer im Weg, obwohl der Militärverkehr wegen Erhöhung der Truppenpräsenz 2003 zwischen Grafenwöhr und Hohenfels wesentlich zugenommen habe.

Das scheidende Oberhaupt erwähnt auch die harmonische Zusammenarbeit mit beiden Konfessionen. "2012 haben wir die Sanierung des Kindergartens St.Marien und die Schaffung von zwei Kinderkrippen gut über die Bühne gebracht." Bücherl stellt aber auch fest: "Wegen der geringen Finanzausstattung muss der Marktrat immer Prioritäten für die wichtigsten Projekte der Daseinsvorsorge setzen. Sauer stößt mir dabei die Landespolitik wegen der ungleichen Behandlung der Truppenübungsplatz-Randgemeinden hinsichtlich der Ausgleichszahlungen auf. Hierbei wird ständig die Zuständigkeit vom Bund an das Land und umgekehrt auf dem Rücken der benachteiligten Kommunen ausgetragen."

Die interkommunale Zusammenarbeit der neun nordöstlichen Landkreisgemeinden in der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach (AOVE), die 1955 vom Vater mitbegründet wurde, habe sich für alle beteiligten Gemeinden insbesondere in finanzieller Hinsicht bestens bewährt.

Als ehemaliges Kreistagsmitglied von 2008 bis 2014 findet es Bücherl schade, dass kleine Randgemeinden mit ihren Kandidaten wenig Chancen auf einen Einzug in den Kreistag hätten. Dadurch hätten die betroffenen Kommunen keinerlei Mitspracherecht bei der Verwendung der Kreisumlage, die immerhin über eine Million Euro jährlich für Freihung betrage.

Mehr Zeit für Reisen

In dem Zusammenhang hob der Gemeindechef trotz dieser Benachteiligung die "sehr guten Kontakte" zu Landrat Richard Reisinger und Regierungspräsident Alex Bartelt, auch wegen der gemeinsamen ehrenamtlichen Arbeit zum Wohle der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, hervor. Gerne erinnert sich Bücherl an die kulturellen Highlights "444 und 450 Jahre Markt Freihung".

Sehr am Herzen seien ihm die Vereine, speziell deren Jugendarbeit gelegen, die er stets unterstützt und gefördert habe. „Trotz Meinungsverschiedenheiten im Plenum mit manchmal harten und kontroversen Diskussionen war es immer mein Ziel, das Beste für den Markt und deren Bevölkerung zu erreichen“, fasst Bücherl zusammen.

Ausdrücklich würdigt Bücherl den Geschäftsleiter, Amtsrat Max Heindl, als seinen wertvollsten Mitarbeiter, immer treu, zuverlässig und besonders fleißig. „Das war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“ Ebenso Lob gilt der „rechten Hand im Vorzimmer“, Annimarie Dirschedl, deren 46-jährige Erfahrung ihm zu Gute gekommen sei.

Gerne vollendet hätte er noch die Sanierungen der Josef-Voit-Grundschule und der Gemeindeverbindungsstraße Freihungsand zum größten Arbeitgeber Quarzsand Strobel. Nicht gelungen sei ferner wegen zunehmend erschwertem Grunderwerb und der Belastung der Böden mit Schwermetallen, vor allem mit dem natürlich vorkommenden Blei, die dringend notwendige Ausweisung eines Baugebiets im Hauptort Freihung.

Stets galt der Einsatz des Bürgermeisters auch einer zeitgemäßen Ausrüstung der Feuerwehren. Hier nannte er das neue Gerätehaus mit 1,4 Millionen Euro, das HLF 20 und das Mehrzweckfahrzeug für die Stützpunktwehr. Je ein TSF erhielten Großschönbrunn und Seugast. Wunschgemäß haben die Thansüßer Brandschützer ein gebrauchtes LF 8 bekommen. Ein offenes Ohr hatte Bücherl auch für die Vereine und Seniorengruppen, denen er sich besonders verbunden fühlte. Bücherl, der im Oktober 60 wird, freut sich, dass er jetzt mehr Zeit für Reisen hat. Als beorderter Reservist und Vorsitzender der Reservistenkameradschaft will er weiterhin an Wehrübungen teilnehmen und sich als aktives Mitglied beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an Arbeitseinsätzen auf Soldatenfriedhöfen beteiligen. Seinem Nachfolger Uwe König wünscht er viel Glück und Kraft in einer schwierigen Zeit.

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