12.09.2019 - 17:31 Uhr
FreihungOberpfalz

In Freihung: Wanderung durch 592 Jahre Bergbau-Geschichte

Elisabeth Kummer und Wolfgang Schaepe mussten ihre "Expedition Erdgeschichte" wegen strömenden Regens abkürzen. Trotzdem erhielten 15 Besucher ihrer Wanderführung einen fundierten Einblick in die Geschichte des Freihunger Bleierzabbaus.

Trotz des Regens führte Elisabeth Kummer (Mitte) fundiert in die Geschichte des Bleierzabbaus in der Region Freihung ein und arbeitete mit historischen Plänen, Zeichnungen und Fotografien um ihre Erklärungen anschaulich zu machen.
von Martin LindnerProfil

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals hatte die Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach (AOVE) zu einer rund fünf Kilometer langen Wanderung auf dem geologisch-geschichtlichen Lehrpfad bei Freihung eingeladen. Die Wanderführer Elisabeth Kummer und Wolfgang Schaepe informierten 15 Teilnehmer über die Geschichte des Bleierzabbaus in der Region und über den Wanderweg. Trotz des Regens und einer abgekürzten Route dauerte die Tour rund zwei Stunden.

Während der Wanderung entlang der ersten vier Informationstafeln des Lehrpfads beschrieb Elisabeth Kummer die drei wichtigen geschichtlichen Phasen des Bleiabbaus in der Gegend um Freihung. Dieser lasse sich erstmals ab 1427 mit einer urkundlichen Erwähnung dokumentieren. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind die frühesten Abbaugebiete in der Region belegt, ab 1529 zunächst bei Flügelsburg und Rothaar, während in den nächsten zwei Jahrzehnten der Abbau in Tanzfleck, Schwaderweiher, Schwarzberg und die Ödenrieth nachgewiesen werden kann. Schließlich siedelten die Bergleute vermutlich um 1554 auf dem Mühlberg und gründeten dort die "Freystat", wie Freihung damals genannt wurde.

Vor der Wanderung ehrte Freihungs erster Bürgermeister Norbert Bücherl (links) Wanderführer Wolfgang Schaepe für sein Engagement bei der Erschließung der Wanderwege in der Region und überreichte ihm eine Gedenkmünze zum 450. Jubiläum der Freihunger Markterhebung.
Info:

Ausgezeichnet

Vor Beginn der Wanderung ehrte Freihungs Bürgermeister Norbert Bücherl den Tourleiter Wolfgang Schaepe für sein Engagement bei der Erschließung der Wanderwege in der Region. Er überreichte dem "Wanderpionier Freihungs", wie Bücherl ihn nannte, eine der 100 silbernen Sondergedenkmünzen zum 450. Jubiläum der Markterhebung Freihungs.

Besondere Privilegien

Der Abbau von Blei unter besonderen Privilegien für die Bergleute führte in dieser Phase zu einem Aufschwung des Bergbaus in der Region und zu großem Zuzug nach Freihung. An diese besondere Rolle des Bergbaus für die Anfänge der "Freystat" erinnert bis heute auch das 1569 verliehene Marktwappen von Freihung. "Es ist tatsächlich die älteste Darstellung von Schlägel und Eisen in einem bayerischen Wappen", erklärte Kummer. Diese erste Phase des Bleiabbaus dauerte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Als Kontrast zu dieser frühen Geschichte des Bergbaus in der Region sprach Kummer die letzte Phase des versuchten Bleiabbaus während der NS-Zeit an. Wenn auch in der Zeit vom Bau eines Versuchsschachtes 1940 bis zu Kriegsende Bleierz nur in Proben entnommen wurde, hatten die neuen Anlagen doch eine wichtige persönliche Funktion für Betriebsleiter Heinrich Heißbauer, wie Kummer erläuterte. Als Heißbauer als Volkssturm-Kommandant in Freihung die Anweisungen der SS gegen Kriegsende nur zögerlich befolgte und die Panzersperren gegen die vorrückende US-Armee nicht schließen ließ, wurde ihm die Erschießung angedroht. "Nur die Bekanntschaft mit dem Divisionskommandeur Siegling in Schnaittenbach, der wegen der modernen Duschen öfter auf das Betriebsgelände der Bleiabbauanlage kam, rettete Heißbauer wohl das Leben", berichtete Kummer.

Die Grube Vesuv

1877 habe die zweite Phase des Bleiabbaus in der Gegend um Freihung begonnen, erklärte Kummer bereits in strömendem Regen an der vierten Informationstafel des Lehrpfads. Der Amberger Bergingenieur Leroux meldete in diesem Jahr den Betrieb des Grubenfeldes Vesuv an, verkaufte dieses aber wegen hoher Kosten an die britische "Bavarian Lead Mining Co. Limited". Bis 1889 errichtete diese drei Förderschächte, zwölf Häuser und ein Waschhaus einer Bergarbeiterkolonie in Elbart sowie eine Schmelzhütte am Freihunger Bahnhof - gegen den Willen der Freihunger Bürger, die die Dämpfe des inzwischen als giftig bekannten Bleis fürchteten.

Auch wenn alle Betriebsgebäude der Grube Vesuv am 29. August 1891 abbrannten, konnte Kummer während der Wanderung auf Überreste der Anlage hinter dem Walddickicht zeigen. Auch geologische Informationen gaben Wolfgang Schaepe und Elisabeth Kummer. So beträgt das Bleierzvorkommen in der Region Freihung entlang der sogenannten Freihunger Störung insgesamt etwa 200 000 Tonnen und ist somit das größte bekannte Vorkommen in Süddeutschland. Dies mache immerhin 0,1 Prozent des weltweiten Bleierzvorkommens aus, sagte Kummer.

Wegen des starken Regens suchte die Wandergruppe Schutz in einem Pavillon am Waldrand bei Elbart. Immerhin hat dieser auch Bezug zur Geschichte des Blei-Abbaus in der Region: Seine Dachkonstruktion soll laut einiger lokaler Teilnehmer der Wanderung jener des nicht erhaltenen Waschhauses in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung in Elbart entsprechen.

Wegen des strömenden Regens entschlossen sich Kummer und Schaepe, die Führung abzukürzen und in einem Pavillon am Waldrand bei Elbart Schutz zu suchen. Hier gab Kummer noch Informationen zu den weiteren neun Stationen des Lehrpfades, wie zur intakten Permatitgrube im Schützenholz, zum Mühlsteinabbau und zu den ehemaligen Mühlen in der Region, die oft ursprünglich als Schmelz- und Puchhütten für die Erzverarbeitung gebaut worden waren, sowie zur Bergarbeiterkolonie in Elbart. Auf dem Rückweg konnten die Teilnehmer noch die letzten erhaltenen Gebäude der Kolonie Vesuv besichtigen.

Abkürzung wegen Regens

Ein Haus in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung Kolonie Vesuv, das laut Wanderführerin Elisabeth Kummer am ehesten der Gestalt der Häuser entspricht, wie sie im späten 19. Jahrhundert in Elbart erbaut wurden.
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