08.09.2020 - 08:43 Uhr
FreihungOberpfalz

Insektenfreundlich Gärtnern: Familie Dotzler zeigt, wie das funktioniert

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3000 Quadratmeter groß ist das Gartenreich der Familie Dotzler aus Großschönbrunn. Hier darf gesummt und gebrummt werden, wie es beliebt. Denn Daniela und Christian Dotzler bieten ein großes Büfett für Insekten aller Art.

Daniela Dotzler erklärt den Aufbau ihres Insektenhäuschen, damit es zum begehrten Nistplatz für Bienen und Co wird.
von Adele SchützProfil

Die Rede ist von den Hobbygärtnern Daniela und Christian Dotzler, in deren Biogarten Hortus Bios eine faszinierende Vielfalt in einer kontrollierten Wildnis wächst und den Garten zum Insektenparadies macht. „Wir legen großen Wert auf unkontrolliertes, biologisches und natürliches, insektenfreundliches Gärtnern“, betont Daniela Dotzler. Ihr Mann Christian ergänzt: „Die ständige Erweiterung der Artenvielfalt in unserem Garten ist uns extrem wichtig.“

Eine große Leidenschaft der Hobbygärtner ist die Gewinnung von eigenen Samen aus ihren Pflanzen, wobei sie mittlerweile sogar das Aussäen und Vermehren der Pflanzen der Natur überlassen. Nach ihrer Aussage sind sie inzwischen zu Selbstversorgern mit eigenem Obst, Gemüse und Küchen- sowie Wildkräutern geworden. Sie versorgen auch ernährungsbewusste Menschen mit dem Ernteüberschuss aus biologischem Anbau.

Daniela Dotzler und ihr Mann Christian als ausgebildete Berater für einen insektenfreundlichen Garten sind derzeit in ihrem Hortus Bios am Bauen eines wahren Insektenparadieses mit Steinturm, überdachtem Stapel aus Holzpaletten gefüllt mit hohlen Stengeln, Lehmbecken und Sandarium, das Insekten optimale Wohn- und Nistplätze sowie Unterschlupf bietet..

Insektensterben: Wie ein Puzzleteil, das fehlt

„Insekten spielen eine entscheidende Rolle für uns, denn sie Bestäuben einen Großteil unserer Pflanzen, die uns als Lebensmittel dienen. Sie sind Nahrungsgrundlage für diverse Tiere wie Vögel und Igel und sorgen zudem für eine lebendige Artenvielfalt in unseren Gärten“, sagt Daniela Dotzler. Insekten zählten zu den artenreichsten Lebewesen mit weit mehr als einer Million unterschiedlicher Arten, davon 30 000 in Deutschland, sagt sie.

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Amberg

Die häufigsten Insekten seien die Honigbienen, aber auch 400 Arten von Wildbienen, Hummeln und Wespen. „So vielfältig wie die Welt der Insekten ist, so wenig können wir auf sie verzichten, denn das Funktionieren fast aller Ökosysteme hängt von ihnen ab, so dass sie für Mensch und Tier unersetzlich sind. Mit ihrer Bestäubungsarbeit sichern sie bis zu 90 Prozent den Fortbestand aller Pflanzenarten – die Basis für menschliche und tierische Ernährung“, betont Daniela Dotzler. Weiter seien sie wichtige Regulatoren in Forst- und Landwirtschaft sowie als unersetzliche Verwerter bei der Remineralisierung organischer Stoffe. Das Insektensterben bedeute den Verlust eines Teils des Ökosystems, was Dotzler mit einem Puzzle vergleicht. „Fehlt ein Teil, ist es untauglich. Man kann es wegwerfen.“

Dotzler will bewusst machen, dass das große Insektensterben besorgniserregende Auswirkungen auf das Funktionieren des Ökosystems durch den Artenverlust in Fauna und Flora sowie die Ernährung des Menschen und dessen Wohlergehen hat. Als Paradebeispiel nennt sie die Hummel, die alleine durch ihren Rütteltanz Tomaten und Erdbeeren bestäuben kann: „Ohne Hummel gehört der Genuss von Tomaten und Erdbeeren der Vergangenheit an.“

Kürbisgewächse, wie hier die Zucchini-Blüte, sind begehrte Futterquellen für Insekten.

Gift, Überdüngung, Konsum versiegelte Böden

Es gibt nach Aussage von Daniela Dotzler mehrere Gründe für das Insektensterben: Verarmung der Landschaft, Agrargifte, Überdüngung, intensive Forstwirtschaft, versiegelte Böden, naturfeindliche Gärten, insbesondere Steingärten, und letztendlich auch das Konsumverhalten. „Der Einzelne kann viel gegen das Insektensterben tun, indem er regional, saisonal und biologisch einkauft und in seinem Garten oder auf dem Balkon den Insekten ein Pflanzen- und Blumenbüfett anrichtet.“

Gartenbesitzer haben laut Dotzler zudem die Möglichkeit, mit wenig Aufwand für Insekten paradiesische Lebensräume mit Nist- und Wohnplätzen sowie Unterschlupf für den Winter zu schaffen. „Mut zur Wildnis und zur unkontrollierten Natur sollte die Devise für Gartenbesitzer sein“, sagt Daniela Dotzler. Sie betont, dass dazu eine kleine Ecke im Garten reicht, wo man die Natur gewähren lässt, was auch in einem Gärtlein von bescheidener Größe oder auf Balkon und Terrasse möglich ist.

Bei der Auswahl der Pflanzen sollte man laut Dotzler die Ansprüche der Insekten kennen: Die Honigbiene liebt alles, was blüht, die Wildbiene ist der Spezialist in Sachen Nahrung. „Grundsätzlich ist auf Pflanzen mit gefüllten Blüten und verändertem Genmaterial zu verzichten, weil sie für alle Bienenarten nutzlos sind“, sagt die Hobbygärtnerin.

Das ganze Jahr ein gedeckter Tisch

Weiter ist auf die Blühzeit der Pflanzen zu achten, so dass im Garten und auf dem Balkon das ganze Jahr über für Insekten ein Nahrungsangebot herrscht. So dienen beispielsweise im Frühjahr Krokus, Tulpen, Schneeglöckchen und Narzissen als erste Nahrungsquelle für Bienen und Co. Grundsätzlich sind an Blumen Akelei, Dahlien, Lavendel, Zinnien, Ringelblumen, Sonnenblumen, Kornblumen, Mohn, Tagetes, Lupinen und Astern ausgezeichnete Nahrungsquellen.

Auch mit Wegwarten ist ein Insektenbüffet bestens angerichtet, das auch Wildbienen anlockt.

Besonders empfehlenswert sind laut Dotzler auch alle blühenden Kräuter wie beispielsweise Frauenmantel, Oregano, Thymian, Rosmarin, Basilikum, Borretsch, Kapuzinerkresse, Salbei, Ysop, Minzen, Schafgarbe, Schnittlauch, Gamander, Hornklee, Färberkamille, Braunelle und Fenchel. Im Gemüsebeet bestückt man das Insektenbüfett mit Kürbispflanzen, Zwiebeln, Bohnen und Zuckererbsen. Gut geeignet für Insektenfutter sind auch sämtliche Beerensträucher, Weißdorn, Wilder Efeu und Schlehe.

„Der Großteil der Pflanzen ist nicht nur eine Nahrungsquelle für Insekten, sondern macht sich auch auf unseren Tellern gut“, weiß Daniela Dotzler. Selbstverständlich sind die Ansprüche der Pflanzen was Boden, Sonne und Feuchtigkeit betreffen, zu berücksichtigen.

Sonnenblumen sind ebenfalls begehrte Landeplätze für Insekten.

Wer neben Nahrungsquellen für Insekten auch Nistmöglichkeiten, Überwinterungsquartiere und Lebensräume schaffen möchte, sollte verblühte Stauden und Pflanzen im Herbst nicht schneiden, „denn die Stängel bieten den Insekten ausgezeichneten Unterschlupf zum Überwintern“. Ein selbst gebautes Insektenhäuschen als Nistplatz leistet ebenfalls gute Dienste, damit die Tiere sich im Garten wohlfühlen und vor allem vermehren.

Die Grundlage ist ein kleines Holzregal, das mit den hohlen Stengeln des Bambus, der Brombeere, Himbeere oder der Karde gefüllt wird. Mit Bodenvertiefungen oder Schalen, die mit feuchtem Lehm gefüllt sind, oder kleinen Sandgruben sorgt man besonders für Wildbienen für ausgezeichnete Nistplätze. Totholz aus Baumabschnitten bietet eine kuschelige Wohn- und Überwinterungsmöglichkeit. „Totholz ist entgegen des Namens einer der lebendigsten Lebensräume für Insekten“, sagt Daniela Dotzler.

Blüten sind nicht nur für den Menschen eine Augenweide, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, die sich bei ausreichend Auswahl als richtige Feinschmecker entpuppen.
Zum Insektenfreund werden:

Die Freiwilligenagentur in Amberg hat den dringenden Handlungsbedarf in Sachen Insektensterben erkannt und bietet deshalb Schulungen zum Berater für einen insektenfreundlichen Garten an. Eine erste Schulung ist mit großem Zuspruch vor der Corona-Pandemie erfolgt, Fortsetzungen sind angedacht. Wer Interesse an dieser Schulung hat, kann sich bei der Freiwilligenagentur in Amberg melden.

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