15.07.2019 - 16:22 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Freudenberger Bauernbühne und die Kohlhiesels von Wutschdorf

Für Liselotte Pulver waren Kohlhiesels Töchter einst eine Parade-Doppelrolle. Die Freudenberger Bauernbühne feierte mit der Oberpfälzer Adaption des bekannten Stücks Premiere am Stechweberhof in Wutschdorf.

von Christian LinglProfil

"Jedes Töpfchen find sein Deckelchen": Mit dem bekannten Lied tröstet die schöne Liesl ihre derbe Schwester Susi in Kohlhiesels Töchter. Die Freudenberger Bauernbühne feierte mit der Oberpfälzer Adaption des bekannten Stücks Premiere am Stechweberhof in Wutschdorf. Dorthin haben die Freudenberger diesmal ihre Bühne verlegt. Dabei funktionieren sie die alte Hofstelle im Dorf in eine Multifunktionsbühne um, die die Pension Kohlhiesels, den Bahnhof Freudenberg, das Rathaus aber auch die Kammer der Knechte darstellt - auf engsten Raum. Man könnte fast hineinlangen, wenn sie im Dorfwirtshaus Bier und Brezn auftragen, so nah ist man als Zuschauer dabei.

Doppelrolle aufgeteilt

Der Inhalt des Stückes ist dem Großteil des Publikums wohlbekannt, hauptsächlich aus der Verfilmung von 1962 mit Liselotte Pulver in den Hauptrollen. Im Film spielt die Schweizerin beide Schwestern, die Susi und die Liesl. Nicht nur weil eine Doppelrolle auf der Bühne kaum realisierbar ist, besetzten die Freudenberger - oder wie sie im Stück selbstironisch anmerken - "Wutschdorf, nicht Freudenberg", die Rolle doppelt. Der Hauptgrund dafür dürfte aber ein ganz anderer sein. Mit Monika Altmann, die heuer ihr 25. Bühnenjubiläum feiert, haben sie schlicht und einfach die Top-Besetzung für diese Rolle.

Die Zwiderne zuerst

Der Plot der Geschichte ist schnell erzählt. Die junge und schöne Kohlhiesel-Schwester Liesl, gespielt von Ramona Miesbeck, kommt nach ihrer Ausbildung aus der Stadt zurück und kann sich vor Heiratskandidaten kaum retten. Aufgrund des letzten Willens ihrer verstorbenen Mutter darf sie aber erst heiraten, nachdem die ältere und überaus zwiderne Schwester unter der Haube ist. Zwei aufgegebene Zeitungsannoncen verwirren die Lage zusätzlich. Die auf Freiersfüßen wandelnden Peter (Norbert Altmann), der der Liesl aus der Stadt gefolgt ist, und Jugendliebe Toni (Andreas Schönberger) entsinnen einen Plan, wie sie die Schöne doch noch bekommen können.

Es ist nicht zu viel verraten, dass es am Kohlhiesel-Hof eine Hochzeit zu feriern gibt. Selbstverständlich darf sich auch in Freudenberg das Entlein am Ende in einen Schwan verwandeln. Darin folgt die "erste und einzige Oberpfälzer Inszenierung", wie Spielleiter Benno Schißlbauer anmerkt, dem Original. Wie gut die Darsteller ihr Metier beherrschen, zeigt ein origineller Einfall, bei dem Regisseur Schißlbauer seine Akteure in Zeitlupe agieren lässt. Bei einem Wettkampf zwischen dem Toni und der Susi verlangsamen in bester Hollywood-Manier schlagartig Musik und Bewegungen. Das Ensemble beweist auch sängerische Fähigkeiten. Ob im Chor, Duett oder alleine lockern die Freudenberger das Stück immer wieder mit Gesang auf.

Guten Draht nach oben

Ob es an ihrem Paradestück, dem Brandner Kaspar, liegt? Auf jeden Fall scheint die Freudenberger Bauernbühne einen besonderen Draht nach oben zu haben. Mit Beginn des zweiten Aktes setzte ein kurzer Regenschauer ein. Mit "A echt's Kirwa-Wetter heute" eröffnete Norbert Altmann diesen und zeigte dabei auch seine schauspielerische Routine. Petrus wartete aber mit dem Öffnen seiner Schleusen bis zum Ende der Premiere. Noch bis Freitag, 9. August, besteht Gelegenheit, sich das Spektakel anzusehen. Für einige Vorstellungen gibt es noch Restkarten (im Internet). Bildergalerie im Internet: www.onetz.de/2789782

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