08.02.2019 - 10:46 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Mit 170 PS durch den tief verschneiten Steinwald

Skilangläufer genießen derzeit das Wintermärchen im Steinwald. Über 50 Kilometer Loipen stehen jeden Tag im Naturpark top präpariert zur Verfügung. Möglich machen das Heiner und Emil Denz.

von Bernhard SchultesProfil

Mit dem „Pisten-Bully 100“ der Zweckgemeinschaft Steinwaldloipe legen sie nach jedem Schneefall oder wenn es der Zustand der Loipe erfordert, die so wichtigen Spuren für die klassische Technik in den Schnee. Heiner Denz kennt sein Arbeitsgerät mittlerweile aus dem Effeff. Um damit perfekte Loipen herstellen zu können, gehört einiges an Erfahrung und auch Gespür für die verschiedenen Schneebedingungen dazu. Als er 1994 diese Aufgabe übernahm, steuerte er einen Pisten-Bully von Kässbohrer Typ PB 070 durch den Steinwald. „Der war von der Leistung her nur halb so stark wie mein jetziges Gefährt.“ Seine jetzige „Schneeraupe“ dirigiert er seit 2005, laufruhig und mit 176 PS ausgestattet, höchstens 25 km/h schnell, haarscharf an riesigen Bäumen vorbei, über die oft engen Wege und Schneisen des Steinwalds. „Der ,Pisten-Bully 100‘ ist ein echtes Arbeitspferd und benötigt in der Stunde rund acht Liter“, schmunzelt Heiner Denz.

Kontrolle über Monitor im Führerhaus

Die Anforderungen beim Langlaufloipen-Präparieren durch den Steinwald sind sehr vielfältig. Je nach Gelände kann er einzelne Streckenabschnitte mit einer Spur links oder rechts, bis hin zu zwei parallelen Spuren gleichzeitig präparieren. Die vor der Spurplatte liegende Schneefräse lockert den Schnee, zerkleinert das Eis und verfestigt mit dem Finisher die Schneedecke neu, bevor die Spuren wieder neu eingebracht werden. An einem Monitor im Führerhaus sieht Heiner Denz das perfekte Ergebnis, live übertragen von einer Kamera an seinem "Pisten-Bully 100".

In den Anfangsjahren seines „Traumjobs“ hat er sich auch der Anregungen der Skifahrer sowie seines Vaters Emil Denz, eines Langlaufspezialisten, bedient. „Bei sehr steilen Abfahrten lege ich keine oder beim Übergang in nicht so steiles Gelände nur eine Spur in den Schnee. Die Langläufer haben dann die Möglichkeit, außerhalb der Spur die Abfahrt im Schneepflug zu bewältigen. Mit den Jahren bekommt man hierfür ein Gespür. Und man hat Kenntnis zu verschiedenen Streckenabschnitten und Schneebedingungen.“

Arbeit macht einfach Spaß

Auf die Frage des Reporters von Oberpfalz-Medien, der ihn diesmal bei seiner Tour durch den Steinwald begleitetet, wie viele Kilometer er seit 1994 abgespult und wie viele Stunden er im Führerhaus verbracht hat, lacht Heiner Denz und meint: „Das weiß ich gar nicht. Es macht einfach Spaß, diese Arbeit zu erledigen und meistens als Ester die frisch verschneite Winterlandschaft des Steinwalds zu genießen.“ Oft, und das vor allem an Wochenenden, wenn die Breitensportler den Steinwald bevölkern, starten Heiner und seiner Vater Emil Denz schon um 5 Uhr am Morgen. „Je nach Schneelage haben wir für das gesamte Netz dabei schon öfter neun bis zehn Stunden benötigt.“ Von ein paar Einsätzen in schlechten Wintern bis hin zu 50 Spurtagen in schneereichen Wintern reichen die Loipenbefahrungen.

28 Kilometer Hauptloipe

Die Ski-Hauptloipe erstreckt sich von Pfaben über Waldhaus, Marktredwitzer Haus und Fuchsmühl bis nach Pechbrunn über eine Länge von 28 Kilometern. Dazu kommen die Zubringerloipen von und nach Harlachberg/Pullenreuth sowie in den Ortsteil Bärnhöhe der Gemeinde Friedenfels. Rundkurse sind zudem angegliedert in Pfaben mit der „Saubadloipe“, in Fuchsmühl mit der „Hackelsteinloipe“ sowie bei Pechbrunn mit der „Teichelbergloipe“. Seit der Wintersaison 2006/07 gibt es in Pfaben zudem eine Flutlichtloipe. Dieser 1,5 Kilometer lange Rundkurs wird für die klassische und freie Technik (Skating) präpariert.

Doch nicht nur das Spuren der Loipen allein erfordert Zeit von Heiner und Emil Denz. Nach einem Wetterwechsel mit Sturm, Regen oder Nassschnee kommt es vor, dass man viel länger braucht. „Oft liegen dann Bäume oder abgebrochene Baumspitzen in der Spur. Und dann heißt es anhalten, aussteigen, Motorsäge anlassen und die Spur der Loipe freisägen. Wir sind dabei schon oft weit über die Knie im Schnee gestanden.“ Zu den rund 50 Kilometer gespurten Loipen kommt für die Pisten-Bully-Fahrer eine jeweils fast 20 Kilometer lange Doppelfahrt dazu. Diese ist erforderlich für die Anbindung der Zubringerloipen zu den einzelnen Orten der Zweckgemeinschaft.

Bergwachtbereitschaft Fuchsmühl macht den Anfang

Was Heiner Denz an seinem Umfeld freut, ist das gute Verhältnis zu seinen beiden „Chefs“. Hauptberuflich beschäftigt ist er bei den Stadtwerken Erbendorf, im Sommer ist er im Freibad im Einsatz. Bürgermeister Hans Donko, der auch Vorsitzender der Steinwald-Allianz ist, sei stets offen für Anregungen, Planungen und Verbesserungen rund ums Loipennetz. Zum anderen hat Denz die stete Unterstützung von Fuchsmühls Bürgermeister Wolfgang Braun, der als Vorsitzender der Zweckgemeinschaft Steinwaldloipe im Winter „oberster Boss“ sei. Wolfgang Braun selbst hat viel für den Langlaufsport übrig. Er kann sich noch genau an die Zeit vor 1983 erinnern, als es noch keine Zweckgemeinschaft Steinwaldloipe gab. Hier erledigte die Bergwachtbereitschaft Fuchsmühl in Eigenregie das Spuren mit einem Motorschlitten. „Es waren oft heiße Einsätze, teilweise mussten wir unseren Schlitten und die Spurplatte mit der Hand ausschaufeln, wenn wir unser Gefährt in großen Schneewehen oder Gräben versenkt hatten", so Braun im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Winter mit Unmengen von Schnee

Dieses Problem hatten Heiner und Emil Denz noch nie: „Wir haben auch schon Winter mit Unmengen von Schnee im Steinwald gehabt, aber mit unseren Pisten-Bullys und dem Räumschild konnten wir uns immer wieder selbst befreien.“ Der Rettungsdienst im Bereich der „Steinwaldloipe“ wird noch heute von der BRK-Bergwacht-Bereitschaft durchgeführt. Stützpunkthütten der Bergwacht finden die Skilangläufer in Pfaben und in Hohenhard in der Nähe des Marktredwitzer Hauses. Außerdem sind entlang der Loipe Rettungsboxen verteilt.

„Eine Bestätigung unserer Arbeit ist oft ein freundliches Winken der Langläufer, die uns bei der Arbeit im Pisten-Bully entgegenkommen. Da kommt es auch schon mal vor, dass Urlaubsgäste uns kurz stoppen und fragen, wie viele Kilometer es noch zu ihrem Ausgangspunkt sind.“ Loipenpläne haben die beiden Pisten-Bully-Fahrer deshalb immer in ihrer Kabine. Die Freunde der schmalen Bretter wissen das gepflegte Loipennetz zu schätzen und lobten schon öfter die Arbeit von Heiner und Emil Denz von der Zweckgemeinschaft Steinwaldloipe.

Rodelhänge, Pisten und Loipen in der Region - Übersichtskarte

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