14.01.2022 - 10:58 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Ameisen für Ökosystem Wald wichtig

Die Landschaft des südlichen Steinwaldes mit seiner Tier- und Pflanzenwelt pflegen, erhalten und schützen, verfolgen die Mitglieder des Vereins „KulturLandschaft südlicher Steinwald“. Dazu gehören auch sechsbeinige Krabbler: Ameisen.

Sechs Beine, zwei Fühler und enormer Arbeitseifer: Die kleinen Insekten erfüllen eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald.
von Bernhard SchultesProfil

In ihrer zehnjährigen Vereinsgeschichte haben engagierte Mitglieder des Vereins „KulturLandschaft südlicher Steinwald“ schon vieles bewegt. In enger Zusammenarbeit mit Verantwortlichen des Naturparks Steinwald und der Gesellschaft Steinwaldia Pullenreuth wurden große Projekte wie die Infostelle „Grenzmühle“ vorbereitet, aufgebaut und demnächst fertiggestellt.

Von der Öffentlichkeit jedoch fast unbemerkt engagiert sich der Verein seit seiner Gründung auch um den Erhalt von besonders bedrohten Pflanzen und Tieren. Auf einer To-do-Liste stehen dabei auch die Waldameisen. Die Mitglieder Robert und Monika Mertl werfen seit vielen Jahren bei ihren Spaziergängen und Wanderungen im Verbreitungsgebiet des Steinwalds stets ein Auge auf die nützliche „Waldpolizei“. „Wir haben in dieser Zeit einen Rückgang der Ameisen festgestellt“, betonen beide im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Vor allem die früher an Weg- und Waldrändern sowie Lichtungen anzutreffenden großen Ameisenhaufen verschwänden langsam immer mehr, wissen die engagierten Naturschützer.

Belüftung des Bodens

„Waldameisen spielen eine große Rolle im ökologischen Gefüge des Waldes. Zum einen bauen sie unter ihren Hügeln auch entsprechende Gänge im Boden. Damit belüften die Ameisen den Boden“, erklärt Robert Mertl. Zum anderen ernähren sich Ameisen vom Honigtau der Blattläuse, weiß er. Sie pflegen die Blattläuse, von denen sich wiederum viele andere Insekten ernähren. Ameisen verbreiten viele heimische Pflanzenarten und tragen damit zur biologischen Vielfalt des Waldes bei.

Außerdem sind Ameisenhügel Rückzugsgebiete für viele andere Arten: So sind etwa rund 70 heimische Käferarten auf die Waldameisen angewiesen, berichten die beiden Naturschützer. Sie verweisen darauf, dass von den Ameisennestern nur der oberirdische Nesthügel hervorsticht. Der dient der Wärmeisolation und dem Wärmeaustausch und umfasst etwa ein Drittel des Nestes, die übrigen zwei Drittel - das eigentliche Nest - liegen unterirdisch.

Die Waldameisen ernähren sich hauptsächlich vom kohlenhydratreichen Honigtau der Blattläuse. Sie schützen dazu die Blattlauskolonien vor Feinden wie Marienkäfer. Für die Aufzucht der Brut benötigen die Ameisen eiweißreiche Nahrung, meist in Form von Insekten. Außerdem nutzen die Insekten die fettreichen Anhängsel von Pflanzen. Deren Samen wiederum vertragen die Ameisen im Wald.

Robert Mertl berichtet von Beobachtungen, dass sich manchmal Vögel auf die Ameisenhaufen setzen, dort ihr Gefieder ausbreiten und sich mehr oder weniger im Ameisenhaufen wälzen. „Sie lassen sich dabei von den Ameisen mit Ameisensäure besprühen.“ Vermutlich dient das der Bekämpfung von Parasiten im Gefieder, berichtet Mertl weiter.

Hilfe vom Ameisenschutzverein

Unterstützung erhalten die beiden Mitglieder des Vereins „KulturLandschaft südlicher Steinwald“ aber auch von Fachleuten. „Wann immer wir einen Rat oder Hilfe benötigen, wenden wir uns an den Ameisenschutzverein Tirschenreuth. Hier haben wir stets kompetente Beratung erhalten“, erzählt Monika Mertl. So auch beim jüngsten Fall: Es ging um einen kleinen beschädigten Ameisenhaufen am Wegesrand von Frauenreuth nach Bärnhöhe. Hier haben Erntemaschinen bei der Maisernte - vermutlich ohne es zu merken - beim Wenden einen Teil eines Ameisenhügels eingedrückt, berichtet Monika Mertl. Sie erkundigte sich deshalb beim Ameisenschutzverein, ob eine wie früher übliche Umzäunung des Ameisenhaufens sinnvoll wäre.

Diese Handhabung wird jedoch heute nicht mehr angewandt, weiß sie mittlerweile. Vielmehr sollen Hinweisschilder auf Ameisenhügel aufmerksam machen und Spaziergänger sowie Landwirte und Fahrzeuglenker auf das Schutzobjekt hinweisen. Diesen Tipp haben sie deshalb sofort umgesetzt und am Ameisennest eine entsprechende Tafel angebracht.

Beistand erhielten sie auch von der Gemeinde Friedenfels. Bürgermeister Oskar Schuster, der mit dem Arbeitskreis Tourismus und der Tourist-Info den Erholungsort künftig unter die Marke „Naturerlebnisdorf“ stellen möchte, versprach zusätzliche Hinweisschilder. Diese sollen in Wort und Bild, ähnlich wie die Informationstafeln am Landschaftskundlichen Wanderweg oder dem Klima-Terrainweg, über die fleißigen sechsbeinigen Krabbler informieren.

Das Gemeindeoberhaupt bat deshalb die engagierten Naturschützer um eine entsprechende Druckvorlage, auf der in Wort und Bild auf die Ameisen an Ameisenhaufen hingewiesen wird. Sowohl Monika und Robert Mertl als auch Bürgermeister Oskar Schuster waren sich bei der Vorortbesichtigung sicher, dass sich Arbeiten für den Erhalt der Artenvielfalt auch für die Menschheit lohnen. „Der Mensch ist ein Teil der Natur und befindet sich im selben Ökosystem wie die Ameisen“, betont Robert Mertl.

Robert Mertl kennt sich auch mit der Flussperlmuschel aus

Friedenfels
Hügel bauende Waldameisen künftig besser schützen wollen die Mitglieder des Vereins „KulturLandschaft südlicher Steinwald“, Monika und Robert Mertl (von links). Bürgermeister Oskar Schuster (rechts) freut der Einsatz für die Erhaltung der Artenvielfalt
Info:

Verein zum Schutz der Ameisen

Der Ameisenschutzverein Tirschenreuth gehört zur Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern

  • Die Mitglieder verurteilen den Import und den Handel mit Ameisen in Deutschland. Von eingeschleppten beziehungsweise importierten Ameisen gehen erhebliche Gefahren für die heimischen Ameisenarten aus.
  • Die Haltung von heimischen Arten zum Zwecke der zur Schaustellung lehnen sie ebenso ab wie die private Haltung dieser Ameisen.
  • Ziele: Schutz und Erhalt der heimischen Ameisen und ihrer Lebensräume durch Aufklärung, Information und Kartierung sowie durch fachgerechte Umsiedelung und Nachbetreuung von bedrohten Völkern aus Baustellen und anderen gefährdeten Bereichen.
  • Seit 1985 wurden 3077 Waldameisenvölker und eine große Anzahl weiterer heimischer Ameisenarten gerettet.

„Waldameisen spielen eine große Rolle im ökologischen Gefüge des Waldes. Zum einen bauen sie unter ihren Hügeln auch entsprechende Gänge im Boden. Damit belüften die Ameisen den Boden.“

Robert Mertl

„Der Mensch ist ein Teil der Natur und befindet sich im selben Ökosystem wie die Ameisen.“

Robert Mertl

„Wann immer wir einen Rat oder Hilfe benötigen, wenden wir uns an den Ameisenschutzverein Tirschenreuth. Hier haben wir stets kompetente Beratung erhalten.“

Monika Mertl

 

 

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