17.04.2019 - 11:00 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Amüsantes wechselt mit Nachdenklichem

Beim Treffen der Literaturfreunde bleibt im Gasthof "Grüner Kranz" erneut kein Platz frei. Nach spannenden und zeitkritischen Geschichten und Gedichten sind weitere Autoren bei den „Grenzlandschreibern“ aufgenommen worden.

Die Mitwirkenden beim achten Treffen der "Grenzlandschreiber": Im Bild von links Martina Koller, Karlheinz Konrad, Julia Birkner, Gudrun Müller, Anna Elisabeth Gleißner , Gastgeber Dieter Schraml, Moderator Hans Günther Lauth, Walter Pilsak.
von Autor ROHProfil

Da drei Autoren diesmal weiblich waren, stellte Moderator Hans Günther Lauth zufrieden fest: "Wir haben die Frauenquote erfüllt." Neu war die musikalische Begleitung. Das Duo "Wiesawie" (Martina Koller und Karlheinz Konrad) sorgte für einen herrlichen Auftakt des Abends mit "Wenn's an schöina Fröiling gibt".

Dieter Schraml, Mitbegründer der "Grenzlandschreiber" und Gastgeber, begrüßte alle Freunde der Dichtkunst. Glückliche Umstände hätten zu neuen Autoren geführt. Er habe sie bei der Arbeit am Modernen Theater in Tirschenreuth kennengelernt. Initiator Hans Günther Lauth brachte in seinem Willkommensgruß seine Freude über den erweiterten Kreis, aber auch über den guten Besuch zum Ausdruck.

Gudrun Müller, Schriftstellerin und Physiotherapeutin aus Tirschenreuth, war eine von drei Frauen, die die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer mit ihren Werken auf sich zogen. Moderator Lauth stellte Müller vor; zwei Bücher mit Bezug zum Goldsteig habe sie veröffentlicht.

Schluss per SMS

In einigen ausgewählten Abschnitten erfuhren die Zuhörer nun von Protagonistin Martha und ihren Strapazen: Die erste große Enttäuschung gab's am Bahnhof in Bayerisch Eisenstein. Sie stieg aus, kein Freund Manfred da, der sie abholte. Spannend die Schilderung, wie sie am nächsten Tag aufwachte: Das Bett neben ihr war leer. Nach langem Warten endlich eine SMS. "Ich bebte am ganzen Körper. Grund genug hatte ich, er verabschiedete sich von mir per SMS. Ich war wütend. Das Handy flog in den Mülleimer."

Martha erinnert sich später an ihre gescheiterte Ehe mit Rolf. "Er ließ mich stundenlang warten, bis er mit der Nachricht schockierte: Ich kann nicht mehr mit dir leben." So abrupt kann eine Ehe enden. Es folgte die Schilderung, wie sie wanderte, zur Beruhigung im Steinwald. Am Wanderparkplatz in Pfaben schwelgte sie in Kindheitserinnerungen.

Zeitkritisch

Mit der traurig-schönen gesungenen Huldigung "Druam in da Leitn" entspannte das Duo "Wiesawie" die Lesung. Als Multitalent kündigte Moderator Lauth Walter Pilsak aus Waldsassen an. Neben poetischen Schöpfungen glänzt er als Musiker und künstlerischer Fotograf. Fesselnd sein "Wintermond", den er in einer stürmischen Winternacht als himmlisches Schauspiel erlebte. Zeitkritisch äußerte er sich in Reimen zur Situation seiner Heimatstadt Waldsassen: "Geschäfte werden immer weniger. Jetzt wollen sie uns auch noch Kondrauer nehmen. Von der Basilika allein können wir nicht leben." Dem Vater widmete er einige Reime, der zwei Sprachen beherrschte. Seinen ungewöhnlichen Wunsch, sich einmal in einen Däumling zu verwandeln, kostete er poetisch aus.

Not macht erfinderisch

Sehr amüsant fanden die Zuhörer eine facettenreiche Schilderung: mit dem Goggomobil unterwegs zum Fernsehabend. Doch das Fahrzeug streikte, dann verloren sie ein Rad, standen im Straßengraben. Weil sie die Schrauben nicht mehr fanden, montierten sie bei den übrigen drei Rädern je eine Schraube ab. Das ermöglichte doch noch eine Ankunft zum Sendungsbeginn.

Gelesen hat auch die Tirschenreuther Nachwuchsautorin Julia Birkner. "Meine Geschichten tragen keine Überschrift", schickte sie voraus, "weil Titel schon vorher den Geist beeinflussen".

Nachdenkliche Überlegungen, "Dichter wird der Nebel der Erinnerung", "Gefühle, tief in mir verborgen", "Du bist immer bei mir, im Herzen" und drängende aktuelle Fragen, wie "Wieso hast du die Welt verschandelt?", "Was bringen uns die Menschen?", "Wieso hast du den Menschen erschaffen?", hatte sie lyrisch verpackt. Die volle Aufmerksamkeit wurde ihr zuteil, als sie die Trauer um einen Schauspielerkollegen in Worte fasste.

Die gebürtige Wondreberin Anna Elisabeth Gleißner tischte eine große Auswahl ihres Schaffens auf. Sie wälzte große Probleme der Gegenwart: "Ganz ohne Bie (Bienen) wird's doch nicht gehen, Schmetterling wo bist bliem", "Insekten hot's gebn", "Die kalte Sofie hat's erfroren", "Lebenskünstler, in Tag nei lebn".

"Mei Sprach"

Natürlich betrat auch Hans Günther Lauth die "Bühne". "Meine Gedichte sind mal fröhlich, mal nachdenklich." Seine Beiträge waren ausdrucksstark und wie folgt überschrieben: "Mei Sprach, des bin i", "Der betretene Weg wird a steiniger sein", "Fangst an zu schwimma, sonst sinkst ab wie a Stoa". Nette Poesie zu Ostern mit Tieren fügte er zur Erheiterung der Besucher an: "Die verirrten Hühner von Schloppach".

Hintergrund:

Traurige Nachricht

Moderator Hans Günther Lauth hatte bei der Eröffnung der achten Autorenlesung in Friedenfels eine traurig stimmende Nachricht zu verbreiten. „Wir bedauern sehr“, betonte Lauth, „Herbert Enders, ,Grenzlandschreiber’, noch bei der siebten Autorenlesung im Herbst 2018 in Friedenfels an gleicher Stelle aktiv, ist verstorben.“ Er stammte aus Kohlbühl, einem Ortsteil von Thumsenreuth nördlich des Grenzbaches. (roh)

Dicht gedrängt saß das Publikum im Gasthof "Grüner Kranz".
Das Duo "Wiesawie" sorgte für hervorragende musikalische Begleitung.
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