06.04.2020 - 13:32 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Erdbeermarmelade für die Schlafmaus

Zahlreiche Artenhilfsprojekte pflegt und fördert der Naturpark Steinwald. Die Schutzmaßnahmen für den Gartenschläfer sind neu und werden künftig mit Hilfe modernster Technik durchgeführt. Ihr Vorkommen soll dabei ausgiebig erforscht werden.

Mit Wildkameras versuchen die beiden Ranger des Naturparks Steinwald, Amelie Nöth (links) und Jonas Ständer (rechts), den Gartenschläfern im Steinwald auf die Spur zu kommen.
von Bernhard SchultesProfil

Mit großem Engagement sind derzeit die beiden Ranger Amelie Nöth und Jonas Ständer im Naturpark Steinwald unterwegs. Ihr Auftrag: Sie sollen dem selten gewordenen Gartenschläfer auf die Schliche kommen. Dazu kommt moderne Technik zum Einsatz.

"Ab Mitte April stehen uns Wildkameras zur Verfügung, mit denen wir Aktivitäten und Lebensräume der Tiere genau dokumentieren können", informiert Jonas Ständer. Das überwiegend nachtaktive Nagetier sei nur schwer im natürlichen Verhalten zu beobachten. Außerdem macht der Gartenschläfer seinem Namen alle Ehre und hält besonders lange Winterschlaf - von Ende Oktober/Anfang November bis in den April hinein.

Weniger Unruhe

"Die Kameras helfen uns, nach seinem Aufwachen auch einen Überblick über das Vorkommen im Naturpark Steinwald zu bekommen", informiert Ständer. Durch die Dokumentation auf diesem Wege könnten sich die Ranger Kontroll- und Beobachtungsgänge sparen. Dadurch werde auch weniger Unruhe in das Umfeld der Schlafmäuse gebracht, wie die Gartenschläfer auch genannt werden. Die Bilder und Videos werden über das Smartphone in die Geschäftsstelle des Naturparks übermittelt. Mit den bei Tag und Nacht gewonnen Informationen könnten Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.

Zusammen mit Verantwortlichen und Bediensteten der Bayerischen Staatsforsten wurden geeignete Plätze gesucht, wo die Wildkameras installiert werden können. Förster Wolfgang Schödel und Carsten Klöble zeigten den Rangern in ihren Revieren geeignete Standorte: Gartenschläfer schätzen felsige Mischwälder mit Felsspalten und Blockhalden. Doch auch in Streuobstgebieten und Gärten kommen sie vor. Wohnungen zur Aufzucht der Jungen seien dabei auch Baumhöhlen oder Nistkästen. "Spezielle Nistkästen werden an den verschiedenen Nachweisstandorten angebracht", verkünden die Projektverantwortlichen.

Kulleraugen und weißer Bauch

Weniger bekannt als sein Verwandter, der Siebenschläfer, ist der Gartenschläfer. Dieser aber ist optisch auffälliger. Typisch sind die schwarze Gesichtsmaske, die dunklen Kulleraugen, ein rotbraun-grau gefärbtes Fell und ein weißer Bauch. Der Gartenschläfer wird zwischen 10 und 17 Zentimetern, hinzu kommt noch einmal fast das gleiche Maß für den Schwanz. Damit ist der Gartenschläfer größer als die Haselmaus und deutlich kleiner als sein "großer Bruder", der Siebenschläfer.

Selbst in der aktiven Phase im Sommer sind die Tiere selten zu sehen. Eher schon zu hören sind sie: In der Paarungszeit signalisieren die Weibchen durch ein lautes Pfeifen ihre Bereitschaft, die Männchen streiten sich lautstark und aggressiv um potenzielle Partnerinnen.

Lockmittel bei den Fotofallen

Bereits kurz nach dem Winterschlaf geht es Ende April los mit der Paarung, etwa drei Wochen später werden vier bis sechs Junge geboren. Der Nachwuchs ist nach etwa 40 Tagen selbstständig. Gartenschläfer ernähren sich neben Früchten, Obst, Samen und Knospen auch von Würmern, Insekten und Spinnen.

Anlocken an die Fotofallen wollen die Ranger anfänglich die scheuen Tiere auch mit Walnussöl und Erdbeermarmelade. "Das wirkt Wunder", sagt schmunzelnd Jonas Ständer. Tipps und Anregungen erhalten die beiden Projektverantwortlichen zudem von Kollegen aus dem Naturpark Fichtelgebirge, die ebenfalls ein derartiges Artenhilfsprojekt begleiten.

Für jeden Hinweis dankbar

Warum der Gartenschläfer trotz seiner Anpassungsfähigkeit vielerorts bereits verschwunden ist und teils schon fast ausgestorben zu sein scheint, ist bislang völlig unklar, sagen Amelie Nöth und Jonas Ständer. "Für jeden noch so kleinen Hinweis aus der Bevölkerung auf die possierliche Schlafmaus und ihre Spuren sind wir in den nächsten Monaten sehr dankbar", erklärt Ständer. Er hofft, dass das gesteigerte Bewusstsein für den Naturschutz zum Erfolg beiträgt.

Parallel dazu können Interessierte und Gartenbesitzer jedoch immer etwas für den Gartenschläfer tun: Der Erhalt oder der Bau von Möglichkeiten zum Verstecken mit Höhlenbäumen, Wildsträuchern, kleinen Höhlen und Steinhaufen sei wichtig. Auch der Verzicht auf Gift und Spritzmittel zur Schädlingsbekämpfung in Gärten helfe die Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Förster Wolfgang Schödel (links) kennt sein Revier genau. Bei einem Streifzug zeigte er Amelie Nöth (rechts) mögliche Standorte mit Vorkommen von Gartenschläfern. Diese Plätze werden in den nächsten Wochen von zahlreichen Wildkameras ausgiebig durchleuchtet.
Infobox:

Sichtungen bei den Rangern melden

Alle Beobachtungen und Sichtungen von Gartenschläfern sowie bei den derzeit auch laufenden Artenhilfsprojekten zu Kreuzottern und Feuersalamandern sollen bei den Rangern Amelie Nöth und Jonas Ständer oder in der Geschäftsstelle des Naturparks Steinwald in der Marienstraße 41 in 95689 Fuchsmühl gemeldet werden, telefonisch unter 09634/7 078 929 oder per E-Mail (amelie.noeth[at]naturpark-steinwald[dot]de oder jonas.staender[at]naturpark-steinwald[dot]de).

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