08.07.2019 - 11:55 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Farbenprächtiger Bio-Mohn lockt auch bei Regen

Eine alte Kulturpflanze erlebt eine Renaissance. Beim ersten Mohnblütenfest der Öko-Modellregion Steinwald und der Friedenfelser Betriebe lockt sie viele Besucher - und das trotz kühler Witterung und Regen.

Unzählige pinkfarbene Mohnblüten leuchteten den Besuchern des ersten Mohnblütenfestes entgegen.
von Bernhard SchultesProfil

Der Wetterumschwung von Samstag auf Sonntag konnte dem lange vorbereiteten farbenprächtigen Schauspiel nichts anhaben. Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg und Bürgermeister Gottfried Härtl freuten sich bei der Begrüßung über das große Interesse auch von auswärtigen Besuchern sowie zahlreicher Ehrengäste. Neben der Landtagsabgeordneten Anna Toman waren die Geschäftsführerin der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern, Cordula Rutz, sowie Brunhard Kehl von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller aus Bad Brückenau angereist.

Anfahrt mit Kutsche

In ihren Grußworten dankten die Redner den "Pionieren des Bio-Mohnanbaus", wie sie mehrmals betonten, für ihren Einsatz beim ökologischen Anbau von Speisemohn sowie der Entwicklung regionaler Anbau- und Vermarktungskonzepte. Am Projekt "Sonderkulturen - Steigerung der ackerbaulichen Wertschöpfung" der Öko-Modellregion Steinwald beteiligt ist auch die Universität Bonn. Sie hatte ebenfalls Vertreter zum ersten Mohnblütenfest entsandt. Nach einem verhältnismäßig ruhigen Start folgte ab Mittag ein regelrechter Boom. Die Besucher kamen überaus zahlreich, und das trotz Regens. Teils mit Schirmen oder wetterfester Kleidung ausgestattet, machten sie sich vom Festplatz aus auf zu dem derzeitigen Vorzeigeobjekt der Friedenfelser Betriebe. Wer wollte, konnte die Strecke auch mit einer Bimmelbahn oder Pferdekutsche zurücklegen. Die vielen Fahrten der beiden "Transportunternehmen" waren stets restlos ausgebucht. An der Haltestelle vor dem Rondell standen die Besucher Schlange.

Die Fahrt oder den sechsminütigen Fußmarsch bereute am Ende keiner. Die Millionen pinkfarbener Mohnblüten südöstlich vom Sägewerk leuchteten und fielen sofort ins Auge. Leicht im Wind wiegend zogen die Blüten sowie die schweren Mohnkapseln die Blicke magisch an. Nicht nur am Mohnanbau Interessierte staunten, Fotofreunde und Neugierige drückten ununterbrochen auf die Auslöser ihrer Kameras und Handys. "Ein Schauspiel. So ein Motiv bekommt man nicht alle Tage", meinte ein begeisterter Besucher, dem es sichtlich schwer fiel, auf den extra zum Mohnfest erstellten Wegen durch die Felder zu bleiben.

Niedriger Morphin-Gehalt

Doch die farbenprächtigen Fotomotive waren nicht die einzigen Attraktionen. Der Mohn-Pionier und Bio-Bauer Josef Schmidt sowie Betina Goldbach von den Friedenfelser Betrieben gaben den Besuchern umfangreiche Auskunft beim Durchstreifen der riesigen Fläche. "Auf insgesamt 16 Hektar wächst dieses Jahr der Mohn in der Region", informierten die Fachleute. Ein großes Qualitätsmerkmal des Bio-Mohns sei vor allem sein extrem niedriger Morphingehalt von unter 4 Milligramm pro Kilo. Hierdurch entstehe eine Abgrenzung zur Importware, die oft höhere Morphin-Werte aufwiesen.

Bayerisches Bio-Siegel

"Der Bedarf an Mohn in Bayern und ganz Deutschland wird nach wie vor fast komplett aus Importware gedeckt. Die Nachfrage nach dem regionalen Bio-Mohn steigt deshalb ständig. Die Friedenfelser Betriebe suchen noch weitere Bio-Landwirte für den Anbau", erfuhren die interessierten Besucher. Der Steinwald sei gegenwärtig die Hochburg im bayerischen Bio-Mohn-Anbau. Die historische Kulturpflanze war lange aus dem Landschaftsbild verschwunden, bis vor wenigen Jahren pionierhaft in der Öko-Modellregion mit dem Anbau begonnen wurde. Derzeit sind die Friedenfelser Betriebe der einzige Anbieter von Mohnprodukten mit dem bayerischen Bio-Siegel.

Schmankerl aus Mohn

Neben den Feldführungen durch den blühenden Mohn konnten interessierte Besucher die Produkte auch erwerben, Mohnschmankerln probieren und an Informationsständen Näheres über die Ackerfrucht informieren. Alle Hände voll zu tun gab es im geöffneten Dorfladen. Die Mitarbeiter servierten auf der Terrasse und dem Festgelände Kaffee und den heiß begehrten Mohnkuchen. Zum kulinarischen Verwöhnprogramm trugen auch die Stiftland-Griller bei. Den ganzen Tag zauberten die Freunde der heißen Flamme einzigartige Gerichte für die Besucher. Ihnen und den zahlreichen Helfern des ersten Mohnblütenfestes galt der Dank der Initiatoren.

Glückliche Terminwahl

Projektleiterin Elisabeth Waldeck und Projektmanager Günther Erhardt von der Öko-Modellregion Steinwald sowie der Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, freuten sich am Ende über eine großartige Unterstützung und brachten es auf den Punkt, was viele Besucher während des Tages bereits oft bestätigt hatten: "Wir haben genau das richtige Wochenende erwischt, an dem der Mohn in Vollblüte stand - und das, obwohl der Festtermin schon vor Monaten geplant werden musste."

Dass am Sonntag nach der Hitzewelle auf den ersten Blick kein ideales Festwetter herrschte, tat der guten Stimmung und dem großen Erfolg der Veranstaltung keinen Abbruch.

Umfangreiche Erläuterungen durch Fachleute erhielten die Besucher beim Durchstreifen der Felder.
Umfangreiche Erläuterungen durch Fachleute erhielten die Besucher beim Durchstreifen der Felder.
Bio-Bauer Josef Schmidt (vorne, Mitte) führte gleich nach der Festeröffnung die erste Besuchergruppe zum pinkfarbenen Mohnblütenmeer.
Jung und Alt bestaunten die Mohnblüten.
Viele Besucher nutzen für die Fahrt vom Festplatz zum 800 Meter entfernten Mohnfeld den „Mohnblütenexpress“.
Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg und Ehefrau Adelheid (von rechts) freuten sich zusammen mit Bürgermeister Gottfried Härtl, dem Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, Betina Goldbach sowie dem Geschäftsführer der Steinwald-Allianz, Martin Schmid, Projektleiterin Elisabeth Waldeck von der Öko-Modellregion Steinwald und Bio-Bauer Josef Schmidt (von links) über den Besuch der Landtagsabgeordneten Anna Toman (Vierte von rechts), der Geschäftsführerin der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern, Cordula Rutz (Sechste von rechts) sowie von Brunhard Kehl von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (Dritter von rechts).
Die Stiftland-Griller verwöhnten die Besucher des Mohnfestes.
Beliebtes Transportmittel war auch die Pferdekutsche. Zwei prachtvolle Kaltblütler brachten die Besucher zum Mohnfeld.
Das Angebot zum Ausprobieren verschiedener Mohnspezialitäten im Dorfladen wurde gerne angenommen.
Als Regen einsetzte, nutzten die Gäste Regenschirme und die großen Sonnenschirme als vorübergehenden Unterschlupf.
Aufklärung über die noch vor Jahren mit einem schlechten Ruf behaftete älteste Kulturpflanze Europas gab es an Infoständen auf dem Festplatz.

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