09.03.2020 - 16:36 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Freude über spendable Rehkitz-Retter

Bei der zweiten Mitgliederversammlung des neuen Vereins "Kitzrettung TIR" ging es vornehmlich ums Geld. Für den Ankauf von Drohnen und Wärmebildkameras ist viel Geld nötig.

Die Vorsitzenden, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (links) und Annette Gleißner (rechts) sowie Schriftführerin Sabrina Bittner (Dritte von links) bedankten sich bei Michael Klingsohr (Zweiter von links) sowie Stefan König, Hubert Dostler und Patrick König (Vierter, Fünfter und Sechster von links) für ihre Mitarbeit bei der Drohnenschulung.
von Ulla Britta BaumerProfil

Mit guten Nachrichten zum erfolgreichen Abschluss vieler weiterer gesetzlich vorgeschriebener Statuten zur Gründung des Vereins "Kitzrettung TIR" begrüßte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg in der "Schlossschänke" zahlreiche Teilnehmer. Der Ende des vergangenen Jahres an den Start gegangene Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, mittels Drohnen über den Wiesen der Landwirte im Landkreis Tirschenreuth zu wachen. Vor dem Mähen sollen die kleinen Rehe aufgespürt und von einem geschulten Team in gesicherten Tragekörben aus der Fläche getragen werden.

Damit will man die grausamen Verletzungen und Todesfälle bei den Kitzen in den kritischen Monaten Mai und Juni weitgehend ausmerzen. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, der Vorsitzende des neuen Vereins, stellte bei der zweiten Mitgliederversammlung die Finanzen in den Vordergrund. Damit man effektiv arbeiten könne mit technisch hochwertigen Drohnen und Wärmebildkameras, seien hohe Investitionen notwendig. "Was wir jetzt am dringendsten brauchen, sind Spenden und Sponsoring", bat der Baron herzlich zum Ausfüllen der endlich eingetroffenen Mitgliederanträge.

Zweite Vorsitzende Annette Gleißner informierte über den ersten Lehrgang zur Erlangung des sogenannten Kenntnisnachweises für Drohnen am Tag nach der Versammlung. Der Kurs zum "Drohnenführerschein" sei bereits ausgebucht, ein zweiter sei in Planung. "Und wir brauchen viele Drohnenpiloten und Copiloten", betonten die beiden Vorsitzenden. Nur so könne man die großen Wiesenflächen im Landkreis gleichzeitig bedienen, denn die Mähsaison beginne für alle Landwirte nahezu zum selben Zeitpunkt. "Leider werden wir im ersten Jahr einige Interessierte auch enttäuschen müssen. Wir haben noch nicht das Potenzial, um alle Flächen abdecken zu können", sagte von Gemmingen-Hornberg.

Zum Ablauf erklärten die Fachleute, dass die aufgefundenen Kitze in den sicheren Aufbewahrungskörben bleiben, bis die Wiesen abgemäht sind. Danach könnten sie wieder zu den Ricken zurück. Das Freilassen der Tiere obliege den Jagdpächtern, dafür müsse das Kitzrettungsteam nicht noch einmal vor Ort. Zur Frage nach den Kosten einer Drohnenbetreuung für die Bauern meinte der Baron, dies werde sich nach der Flächengröße oder nach dem Stundenaufwand des Rettungsteams richten.

Warum das etwas koste, es sei doch ein Ehrenamt, wollte eine Teilnehmerin wissen. Von Gemmingen-Hornberg betonte, eine Aufwandsentschädigung sei von Anfang an mit den Landwirten vereinbart worden. Diese hätten sich auch damit einverstanden erklärt: "Die Landwirte haben ja auch einen Nutzen." Annette Gleißner erklärte dazu, dass ein in der Wiese verletztes oder getötetes Rehkitz abgesehen von der emotionalen Tragik auch großen Schaden anrichten könne, weil das Mähgut danach vergiftet sei und der gesamte Rinderbestand in Gefahr geraten könne. "Jeder kleine Beitrag hilft, damit wir so viele Kitze wie möglich retten können", sagte der Vorsitzende. Die Spendenaktion startete er gleich bei sich selbst und in den Reihen der Anwesenden. Jeder könne das spenden, was er dafür übrig habe. Auch Firmen und Unternehmer, die sich finanziell einbringen wollen, seien herzlich willkommen.

Annette Gleißner, die mit sieben weiteren Anwärtern den Theorieteil des Drohnenführerscheins in Angriff nahm, fragte um einen Copiloten an. "Der Copilot ist notwendig, muss aber den Kenntnisnachweis nicht haben", betonte sie. Zur Technik erklärte das Schulungsteam, darunter die Familie König aus Kemnath, dass der Copilot den Bildschirm auf eventuelle Sichtung eines Tieres kontrolliere, während der Pilot seine Drohne über den Köpfen des Kitzrettungsteams oder über der Wiese nicht aus den Augen lassen dürfe. Aufgrund gesetzlicher Regelungen sei es notwendig, die Abstände zu Ortsansiedlungen in der Nähe der Wiese exakt einzuhalten. Der Drohnenführerschein sei zwar für Drohnen unter zwei Kilogramm Gewicht nicht zwingend gesetzlich vorgeschrieben. "Aber er macht Sinn, weil der Pilot dann auch einen Nachweis vorzeigen kann, dass er sich mit dem Gerät auskennt", sagte Michael Klingsohr aus München. Der Vertreter der Firma Copting GmbH hatte unterschiedliche Drohnen zur Ansicht dabei.

Der Mitgliederbeitrag im Verein "Kitzrettung TIR" kostet im Jahr 36 Euro, für Studenten und Schüler die Hälfte. Wer eine Drohne für den Kitzrettungsverein fliegen lernen will, kann sich bei Schriftführerin Sabrina Bittner (Telefon 09683/910) anmelden. Schulung und Prüfung sind nicht kostenlos. Vorsitzender von Gemmingen- Hornberg regte aber einen Zuschuss an. Außerdem möchte er für die freiwilligen Helfer bei der Kitzrettung eine Aufwandsentschädigung über Beiträge und Spenden einführen.

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (vorne) begrüßte zur zweiten Mitgliederversammlung wieder zahlreiche Vertreter der Landwirte und Jäger, aber auch Privatleute und Vertreter von Organisationen, die sich für den neuen Verein engagieren möchten.
Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg bat die Anwesenden, sich in ihrem privaten Umfeld um Sponsoren zu bemühen.
Wieder gut besucht war auch die zweite Mitgliedervesammlung, bei der man jjetzt auch offiziell den Mitgliederantrag ausfüllen konnte.
Michael Klingsohr von der Firma Copting GmbH hat Beispiele für Drohnen mitgebracht. Während das große Geräte als Industriedrohne zum Einsatz kommt, wäre das kleiner Modell vorne gut geeignet für die Zwecke der Kitzretter.
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