28.03.2021 - 10:56 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Friedenfelser Stubnmusi vermisst Geselligkeit und die beliebten Auftritte

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Ihr letzter öffentlicher Auftritt war am 26. Dezember 2019. Seitdem ist es still geworden um die Friedenfelser Stubnmusi. Die vierköpfige Gruppe hat Musikgeschichte geschrieben und sehnt sich nach einem baldigen Ende der Corona-Pandemie.

Zu den Säulen des musikalischen und kulturellen Lebens in der Region gehört die Friedenfelser Stubnmusi. Petra Bannert, Reinhard Schwarz, Karl Käß und Bernhard Schaumberger (von links) freuen sich, wenn es endlich wieder heißt: „Die Musikanten spielen auf.“
von Bernhard SchultesProfil

Unverfälschte, handgemachte Volksmusik – dafür steht seit mehr als 30 Jahren die Friedenfelser Stubnmusi. Elektronische Unterstützung war für die eifrigen Musikanten stets tabu. Das von Reinhard Schwarz 1989 gegründete Ensemble bestand in all den Jahren immer aus drei bis sechs Mitgliedern und begeisterte bei vielen Anlässen. Ob bei Volksmusikabenden oder einer bodenständigen Sitzweil, aber auch bei kirchlichen Anlässen, wie Maiandachten, Passionssingen, Mariensingen und im Advent, hörte man die Künstler gerne.

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie waren sie zudem gefragte musikalische Unterhalter bei Geburtstagsfeiern; sie spielten bei Konzerten und Weihnachtsfeiern. Neben ihrem Können auf Akkordeon, Zither, Hackbrett, Gitarre und Kontrabass begeisterten die Musiker bei entsprechenden Anlässen auch immer wieder mit viel Witz und Charme. Kein Auge blieb trocken, wenn Mitglieder der Gruppe mit reichlich Humor und ihrem schier endlos scheinenden Repertoire an Witzen für Heiterkeit in Gaststuben und bei diversen Feierlichkeiten sorgten.

Teils hintersinnig

Bei den Besuchern kamen die „kreuzbrave Volksmusik“, die Lieder für Herz und Gemüt sowie die teils hintersinnig und oft auch in Mundart vorgebrachten Stücke an. „Unsere verschiedenen Charaktere, aber auch das Alter der Musiker - von der Jugend bis zum Senior - trugen zu diesem Erfolg bei", sagt der Leiter und Akkordeonist der Stubnmusi, Reinhard Schwarz, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Dabei merkt man deutlich, dass der Hobbymusiker auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie hofft. Er sehnt sich danach, dass er sich mit seiner Gruppe wieder zur allwöchentlichen Probe in seinem Wohnzimmer treffen darf.

„Auf meine Anregung hin probten wir am 16. März 1989 zum ersten Mal im Leseraum der Friedenfelser Bücherei." Mit dabei waren damals die erst 19-jährige Petra Bannert (Hackbrett) sowie die damals 21-jährige Hildegard Harms (Zither). Beide waren schon im Trachtenverein Friedenfels aktiv und begleiteten zusammen mit Wolfgang Stummreiter auf ihren Instrumenten die Vereinsfeierlichkeiten der Trachtler. Reinhard Schwarz: „Nach mehreren Proben und wöchentlichem Zusammenspiel und der Namensfindung musizierten wir schon in der anschließenden Adventszeit bei Weihnachtsfeiern von Vereinen und wurden die offizielle Musikantengruppe des Trachtenvereins Friedenfels.“

Reinhard Schwarz berichtet weiter: „Im März 1991 schloss sich unserer Stubnmusi der damals 62-jährige Otto Kraus an, der ebenfalls ein exzellenter Zitherspieler war. Er spielte in früheren Jahren im Friedenfelser Zitherclub und fand bei uns ein weiteres Standbein für seine musikalische Leidenschaft.“ Der langjährige Leiter der Stubnmusi erinnert sich noch gut an das 20-jährige Mitwirken von Otto Kraus. „Leider musste er aus gesundheitlichen Gründen 2011 unsere Vereinigung verlassen und konnte nicht mehr mitspielen. Im Februar 2017 verstarb er.“

Ein Glücksfall

Weiter erzählt Schwarz: „Eine musikalische Erweiterung erfuhr die Stubnmusi, als am 15. Juli 1992 Bernhard Schaumberger mit seiner Gitarre neues Leben in unsere Truppe brachte. Als vorläufig letztes Mitglied schloss sich am 13. Februar 1993 Karl Käß mit einem großen Streichinstrument der Friedenfelser Stubnmusi an. Das weite Einsatzgebiet des Kontrabasses war wie geschaffen für unsere musikalischen Darbietungen.“ Reinhard Schwarz bezeichnet den Beitritt von Karl Käß als einen Glücksfall. „Da Charly, wie er von seinen Freunden genannt wird, auch das Klavierspielen beherrschte und in früheren Jahren zudem Schlagzeug gespielt hatte, brachte er unsere rührige Musikgruppe auf Trab."

„Neben mir schreibt Karl Käß die meisten Notenstücke passend für unsere Stubnmusi um."

Reinhard Schwarz, Leiter der Friedenfelser Stubnmusi

Zusammen mit Bernhard Schaumberger gehörte er der früheren Friedenfelser Musikband „Red Barons“ an und zeigte sich auch in der Volksmusik für alles offen, lobt Reinhard Schwarz das Talent seines Musikfreundes. Neben den musikalischen Fähigkeiten schätzt der Leiter der Friedenfelser Stubnmusi noch einige weitere "Steckenpferde" von Karl Käß. „Neben mir schreibt Karl Käß die meisten Notenstücke passend für unsere Stubnmusi um. Zudem verwaltet er seit seinem Beitritt unsere Noten und Musikstücke.“ Er entpuppte sich als akribischer Archivar der Friedenfelser Stubnmusi. Leiter Reinhard Schwarz: „Kein Zeitungsausschnitt, kein Bericht, keine Meldung über die Friedenfelser Stubnmusi entgehen dem agilen Hobbymusiker. Alle Artikel über die Auftritte unseres Ensembles hat er feinsäuberlich in mittlerweile 28 dicken DIN-A4-Heften für die Nachwelt und die Friedenfelser Orts-Chronik gesammelt.“

Details und Hintergründiges

Schmunzelnd lobt Schwarz die handschriftlichen Einträge in den Heften zu den verschiedenen Artikeln. „Wenn ein Ständchen zum Geburtstag mal wieder besonders lang gedauert, ein Auftritt mit viel Applaus geendet oder eine Festlichkeit besondere Überraschungen parat hatte, vermerkt unser Chronist stets zahlreiche Details und Hintergründiges für die Nachwelt.“

Besonders schmerzt die Stubnmusi das auferlegte Verbot von Treffen seit Beginn der Corona-Krise, so Reinhard Schwarz. „Bei unseren wöchentlichen musikalischen Proben hatten wir nämlich viel Spaß und es gab immer auch etwas zu erzählen. Nachdem unsere Musikinstrumente eine Zeit lang coronabedingt in der Ecke standen, proben wir nun wieder in unregelmäßigen Abständen – jeder allein zu Hause. Neue Lieder oder interessante Stücke, die wir unbedingt nach dem Ende von Corona wieder gemeinsam spielen wollen, tauschen wir mit Abstand oder gescannt über den Computer aus. Der restliche Informationsaustausch erfolgt per Telefon.“

Weiter berichtet der Chef der Friedenfelser Stubnmusi: „Wir sind zum Stillstand verurteilt, ob wir wollen oder nicht. Es wird aber Zeit, dass wir wieder zusammen musizieren dürfen. Die Musik und die Geselligkeit bereiten nicht nur uns viel Freude.“ Große Hoffnungen setzt die Stubnmusi darauf, dass in den nächsten Monaten das bislang ausgefallene 30. Gründungsjubiläum der Friedenfelser Stubnmusi nachgeholt werden kann. „Wenn es irgendwie geht, versuchen wir es neu anzusetzen“, meint dazu Petra Bannert. Leiter Reinhard Schwarz hofft ganz besonders, dass seine Freunde und Musikliebhaber die Pandemie weiterhin gesund überstehen und sich bald ein Stück Normalität einstellt.

Trotz Corona hat das ehrenamtliche Engagement beim TSV Waldershof nicht nachgelassen

Waldershof
Die Coronazeit genutzt hat Karl Käß von der Friedenfelser Stubnmusi. In den zurückliegenden Monaten überarbeitete er das mittlerweile umfangreiche Musik- und Vereinsarchiv.
Corona erfordert von den Musikanten besondere Maßnahmen. Reinhard Schwarz (rechts) übergibt auf Abstand den Teehäusl-Landler vom Nürnberger Knopfseiten-Trio an Petra Bannert (links) zur Probe. Der Leiter hat das Stück kürzlich geschrieben, weil es dafür keine Noten gab.
Ein Bild aus vergangener Zeit: Vor Corona begeisterte die Friedenfelser Stubnmusi (vorne) zusammen mit anderen Volksmusikgruppen unzählige Besucher. Ihre Auftritte füllten Turnhallen und Säle.

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