23.10.2020 - 11:39 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Grenzbach im Steinwald eine Perle für Bayern

Im Zuge der Kampagne „Life living Natura 2000 - Ganz meine Natur“ bot der Naturpark Steinwald eine äußerst informative Wanderung entlang des Grenzbachs. Der Flussperlmuschel galt dabei die besondere Aufmerksamkeit.

Überfahrten und Furten entlang des Grenzbachs wurden auch für Fische durch den Naturpark Steinwald passierbar gemacht. Zur Verhinderung von Feinschlammeinträgen wurden querende Waldwege befestigt.
von Bernhard SchultesProfil

Am Waldrand von Siegritz begrüßten Naturpark-Ranger Thomas Ständer und Erbendorfs Dritter Bürgermeister Reinhold Kastner nicht nur interessierte Muschelliebhaber und Grundstückseigentümer. Von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz waren Christine Rapp aus Regensburg und der Muschelexperte Dr. Robert Vandré aus Goldkronach angereist.

Seit vielen Jahren bemühen sich der Naturpark Steinwald und der Verein "Kulturlandschaft Südlicher Steinwald", die Flussperlmuschel wieder dauerhaft in Bächen im Steinwald anzusiedeln. Um die verbliebenen Muschelvorkommen im Grenzbach zu erhalten, wurde ein Artenhilfsprojekt für die Flussperlmuschel geschaffen. Das Projekt zielt auf die Aufwertung des Lebensraumes Bach ab. Es soll erreicht werden, dass neben dem Grenzbach weitere Bäche nährstoffarm, sauerstoffreich, sommerkalt und schwebstoffarm sind. Zusätzlich finden Aufzuchtversuche von Jungmuscheln statt. Die künftige Naturpark-Infostelle Grenzmühle soll nach der Fertigstellung zudem das Bewusstsein für diese gefährdete Art weiter stärken.

Gute Wasserqualität

Als Hauptursachen für den Rückgang der Flussperlmuschel schilderte Dr. Robert Vandré einen oft zu niedrigen pH-Wert des Wassers sowie eine vermehrte Einschwemmung von Feinschlamm und Nährstoffen aus der Land- und Teichwirtschaft sowie aus den angrenzenden Waldbereichen. Dem Grenzbach jedoch bescheinigte er nach bereits mehreren durchgeführten Untersuchungen und Studien eine mittlerweile gute Wasserqualität. „Sie haben hier eine Perle im Steinwald, das gibt es nicht oft in Bayern“, meinte der Muschelexperte zum Grenzbach.

Wie faszinierend der Steinwald ist, zeigt ein Bildband von Siegfried Steinkohl

Die für den Steinwald typische Wollsackverwitterung ist wunderschön an der Felsformation „Zipfeltanne“ zu sehen.

Den angrenzenden Landwirten im Einzugsbereich des Grenzbachs attestierte Dr. Robert Vandré zudem eine Gewässer schonende Bewirtschaftung ihrer Felder mit gut abgeschirmten Ackerflächen. Zudem ermutigte der Fachmann die Verantwortlichen des Naturparks, unbedingt weiterzumachen, obwohl Aufzuchtversuche von Jungmuscheln in eingelassenen Lochplatten nicht immer den gewünschten Erfolg brachten, wie Ranger Jonas Ständer den Teilnehmern der Wanderung aufzeigte. Vieles jedoch habe sich am Grenzbach in den zurückliegenden Jahren zum Positiven entwickelt.

Die Naturpark-Ranger Jonas Ständer und Marie Wittmann konnten dies sichtbar unter Beweis stellen. Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union, des Freistaates Bayern, des Bunds für Naturschutz in Bayern und der Allianz-Umweltstiftung konnte der Naturpark Steinwald in den Kernbereichen der Muschelvorkommen die vorhandenen Fichtenwälder entlang der Bachläute in naturnahe Schwarzerlenbestände umbauen. Zur Verhinderung von Feinschlammeinträgen wurden Waldwege befestigt. Und damit Bachforellen künftig wieder ungehindert ihre Laichplätze erreichen können, wurden zahlreiche Überfahrten und Furten für Fische passierbar gemacht.

Dass jedoch all diese Maßnahmen möglich waren, bedurfte der Zustimmung der Grundstückbesitzer. Robert Mertl, der das Artenhilfsprojekt für die Flussperlmuschel viele Jahre begleitete, würdigte hier Dr. Bertold Freiherr von Lindenfels. Sein besonderer Dank galt dem Freiherrn für die stete Zustimmung zu allen Umbaumaßnahmen entlang des Grenzbachs, der sich idyllisch durch seinen Waldbesitz schlängelt. Auch die Regierungsvertreter und Teilnehmer der Wanderung würdigten das besondere Engagement von Dr. Bertold Freiherr von Lindenfels.

Wertschätzung für intakte Natur

„Es ist nämlich nicht immer so, dass die Grundstücksbesitzer hinter den Maßnahmen und Projekten stehen“, wusste Christine Rapp von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz. „Sie haben Angst vor Einschränkungen und der möglichen Ausweisung von FFH-Gebieten. Deshalb ist es besonders wichtig, mit Informationen und derartigen Erkundungen über das von der EU geförderte Kommunikationsprojekt Natura 2000 Aufklärung zu leisten“, betonte die Regierungsvertreterin. Für Christine Rapp gehört dazu auch, die Akzeptanz zu fördern und die Wertschätzung für eine intakte Natur und artenreiche Landschaften in Bayern zu erhöhen.

Einig waren sich alle Verantwortlichen des Naturparks Steinwald sowie die Teilnehmer der Wanderung aber auch, dass es zur Erhaltung und Wiederherstellung naturnaher Bäche und zur erfolgreichen Aufzucht der Flussperlmuschel weiterer gemeinsamer Anstrengungen bedarf. Robert Mertl hatte hierzu auch Zahlen, die dies eindrucksvoll unter Beweis stellten. „Im Jahr 1990 waren im Grenzbach noch über 2000 Flussperlmuscheln vorhanden, jetzt sind es noch knapp 100.“ Dieser Rückgang sei aber nicht nur im Steinwald feststellbar, wie die Verantwortlichen betonten. „Europaweit ist sie vom Aussterben bedroht. Ebenso wie im Steinwald nahmen auch in Skandinavien und Portugal die Bestände in den letzten Jahren kontinuierlich ab."

Hier ein Bericht zum Jubiläum des Naturparks Steinwald

Erbendorf
Naturpark-Ranger Jonas Ständer (rechts) erklärte den Teilnehmern der Wanderung die Bemühungen um die Aufzucht von Jungmuscheln in Lochplatten.
In den Kernbereichen der Muschelvorkommen des Grenzbachs wurden die vorhandenen Fichtenwälder in naturnahe Schwarzerlenbestände umgebaut.
Großen Dank bekam Dr. Bertold Freiherr von Lindenfels (Bild) während der Wanderung. Seit vielen Jahren unterstützt er die Umbaumaßnahmen entlang des Grenzbachs.
Muschelexperte Dr. Robert Vandré (links) bescheinigte dem Grenzbach eine gute Wasserqualität.
Auf viele Flussperlmuscheln hofft nicht nur Rangerin Marie Wittmann in den nächsten Jahren.
Rund 60 Jahre alt ist die Flussperlmuschel, die Ranger Jonas Ständer dem Grenzbach zur Besichtigung entnommen hat und in der Hand hält. Wenn alles optimal läuft, kann sie bis zu 130 Jahre erreichen. Ihre Nahrung besteht aus abgestorbenen Pflanzenteilen und Bakterien.

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