23.04.2020 - 11:17 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Hilfe für Frosch, Molch und Co.

Von den Corona-Ausgangsbeschränkungen dürften die Amphibien nichts gewusst haben. Dennoch sind heuer weniger unterwegs. Helfer unterstützen wieder die Wanderungen zu den Laichgewässern.

Hinter den Leitplanken überwachen die Mitglieder des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald derzeit täglich zweimal die Wanderwege der Amphibien. Beim Versuch, den Amphibienschutzzaun zu umwandern, fallen die Tiere in eingegrabene Fangeimer. Rita Steinkohl (Bild) prüft deshalb bei ihrem Kontrollgang jeden Eimer und befreit die Tiere aus ihrem unfreiwilligen Zwischenstopp.
von Bernhard SchultesProfil

Erdkröten, Grasfrösche und auch Teichmolche konnten sich trotz der Coronakrise in den zurückliegenden Tagen darauf verlassen, dass ihnen die Friedenfelser Naturschützer vom Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald (KusS) bei ihren Wanderungen zur Seite stehen. Jedes Jahr kehren im Frühjahr Tausende Amphibien im Landkreis Tirschenreuth zu ihren Laichgewässern zurück. Tierfreunde und Naturschützer helfen den Tieren, mittels Schutzzäunen und Eimern so sicher wie möglich über die Straßen zu gelangen.

Wenngleich in Straßen und Wegen mittlerweile zahlreiche Froschtunnel und Unterführungen eingebaut sind, so gibt es noch Landstraßen, auf denen alljährlich zahlreiche Tiere unterwegs sind und ohne menschliche Hilfe in den sicheren Tod hüpfen würden. So auch auf der Staatsstraße 2121 zwischen Friedenfels und Poppenreuth. Auf der legendären Bergrennstrecke machte bereits im Frühjahr 2013 eine Naturfreundin aus Marktredwitz die Verantwortlichen im Naturpark Steinwald auf viele überfahrene Erdkröten beim Griesweiher aufmerksam.

Zweimal täglich

Nach einem Ortstermin mit dem zuständigen Vertreter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach wurde von ihm die Aufstellung eines Amphibienschutzzaunes für das Jahr 2014 in Aussicht gestellt, nachdem der Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald die Betreuung des Zaunes und die Übersetzung der Amphibien zugesagt hatte. Am 18. März 2014 stellte die Straßenmeisterei Tirschenreuth erstmals einen über 150 Meter langen Amphibienzaun entlang des Griesweihers auf. Der Schutzzaun wird seitdem jährlich vom Verein KusS mehrere Wochen lang zweimal täglich kontrolliert. Die Tiere werden sicher über die Straße zu ihrem großen Laichgewässer gebracht.

Robert Mertl, Initiator und treibende Kraft des Vereins, konnte alljährlich am Ende der Laichsaison beeindruckende Zahlen melden. Doch in diesem Jahr sei die Zahl der Amphibien alarmierend gering. Robert Mertl wusste beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien, dass dies ein Trend in ganz Bayern sei. "Die Auswertung der diesjährigen Amphibienzählung gibt deshalb schon Anlass zur Sorge", meinte der Naturschützer. "Die Trockenheit des vergangenen Sommers ist aber nur einer von mehreren Faktoren, die sich negativ auf die Amphibienpopulation auswirken. Heuer war es zu Beginn der Krötenwanderung oft sehr kalt und bereits sehr trocken. Nachts ein paar Plusgrade und öfters mal Regen, das wäre ideal für die Amphibienwanderung." Auch das Insektensterben wirke sich negativ aus. Wenn die Nahrung für die Amphibien fehle, gebe es einfach weniger, informierten die Unterstützer des Vereins KusS.

Fleißige Helfer

Die Friedenfelser Tier- und Naturschützer hoffen jedoch in den letzten Tagen der Wanderung auf eine kleine Verbesserung und helfen den Amphibien weiter zum Seitenwechsel. Während Robert Mertl sich meistens am Abend zum Kontrollgang auf den Weg macht, entleeren am Morgen Siegfried Steinkohl und seine Frau Rita die Froscheimer. Unterstützt werden sie dabei auch vom Naturpark-Ranger Jonas Ständer und seinem Sohn Lukas sowie von Oskar und Zita Schuster mit ihren Enkelkindern.

Ausgerüstet mit Warnwesten, Gummihandschuhen und Eimern werden die eingegrabenen Fangeimer hinter den Leitplanken und Amphibienschutzzäunen entleert und die Tiere besonders von den Kindern mit großer Begeisterung übergesetzt. Zusammen mit einem Erwachsenen erfolgt die Zählung der Tiere. In diesem Jahr wurden bislang 1011 Erdkröten, 38 Grasfrösche, 1 Grünfrosch, 8 Bergmolche und 45 Teichmolche registriert. Auch wenn zum Ende der Laichsaison in den nächsten Tagen noch einige Amphibien dazukommen, die derzeitige Gesamtsumme von 1103 Tieren wird im Vergleich zu den Vorjahren als besonders negativ vermerkt. 2019 waren es insgesamt 2002 Tiere, in den Jahren davor 2289, 1935, 3097, 2082 und 2120. Ob sich die Amphibienpopulation in den nächsten Jahren wieder erholen wird, wagen die Mitglieder des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald nicht vorherzusagen. "Vieles hängt nämlich vom künftigen Klima ab und was die Gesetze zum Erhalt der Artenvielfalt bringen werden."

Hintergrund:

Amphibienwanderung

Wenn im Lauf des Frühjahrs die Temperaturen steigen, verlassen Amphibien ihre Winterquartiere, um zur Fortpflanzung ein Gewässer aufzusuchen. Um dorthin zurückzukehren, wo sie selbst das Licht der Welt erblickten, nehmen sie sogar kilometerlange Wege auf sich. Die Tiere sind wegen der höheren Luftfeuchtigkeit hauptsächlich nachts unterwegs und können bis zu 600 Meter an einem Tag zurücklegen. Die kräftigeren Weibchen nehmen dabei die Männchen huckepack, wobei manchmal ein Weibchen mehrere Männchen tragen muss. Da durch die zunehmende Straßenvernetzung Wanderwege durchschnitten sind, werden jedes Jahr viele Amphibien von Kraftfahrzeugen überfahren. Aus diesem Grund wurden an kritischen Stellen von Natur- und Tierschützern mit Unterstützung der Straßenbauämter Schutzzäune und Tunnel angelegt, um den Amphibien ein gefahrloses Queren der Straße zu ermöglichen. (bsc)

Akribisch führen die Verantwortlichen Buch über die Anzahl und Art der Tiere. Nach der Registrierung entlassen Siegfried Steinkohl (links) und Robert Mertl (rechts) die Amphibien in die Freiheit.
Auch Naturpark-Ranger Jonas Ständer unterstützt mit seinem Sohn die Arbeit des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.