06.09.2020 - 12:47 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Hirsch Max übernimmt das Kommando im Steinwald

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Seit Freitag hat das Rotwildgehege beim Waldhaus wieder einen jungen, männlichen Mitbewohner. Die Umsiedelung von Hirsch Max von Waldsassen in den Steinwald erforderte jedoch auch beim zweiten Anlauf viel Kraft und Anstrengung.

Hirsch Max (rechts) ist in seinem neuen Zuhause im Rotwildgehege beim Waldhaus angekommen. Hirschkuh Sissi (links) nahm als erste weibliche Mitbewohnerin Kontakt zu dem Neuling auf.
von Bernhard SchultesProfil

Die Verantwortlichen des Naturparks Steinwald staunten nicht schlecht. Mit einem kühnen und gewaltigen Sprung vom Transportanhänger in das Vorgehege der Rotwildanlage zeigte Hirsch Max bei seiner Ankunft, wer künftig der Chef des Geheges sein wird. Temperamentvoll, vermutlich aber noch leicht narkotisiert und etwas irritiert, drehte das kräftige Jungtier mächtig auf. Schnelle Runden um den Transportanhänger und mit dem Geweih schon mal gegen die Pfähle und den Zaun, beeindruckten im angrenzenden großen Gehege die weiblichen Artgenossen.

Unter den zutraulichen Blicken von Hirschkuh Sissi sowie der Mithilfe vom einstigen Besitzer Herbert Böhm, Naturpark-Ranger Jonas Ständer und Tierarzt Dr. Sönke Bruhns gelang es schließlich, das dynamische Jungtier durch die Gattertür ins große Rotwildgehege zu lotsen. Hier warteten fünf Hirschkühe und ein Kalb auf den neuen Platzhirsch. Sein Vorgänger Xaver, der seit 2011 im Rotwildgehege als unangefochtener Chef herrschte, hatte eine Speiseröhren-Verletzung und musste deshalb von seinem Leid erlöst werden.

Zweiter Versuch

Dies war auch der Anlass für das vor Wochen eingeleitete Übersiedlungsprojekt. Am Freitag wurde diese Aktion bereits zum zweiten Mal durchgeführt, nachdem eine Woche vorher das Vorhaben abgebrochen werden musste. Für einen sicheren Betäubungsschuss im Gehege bei Waldsassen war Hirsch Max damals zu weit entfernt. Tierarzt Dr. Sönke Bruhns entschied sich nach Rücksprache mit dem Besitzer und den Verantwortlichen des Naturparks Steinwald für einen neuen Versuch.

Dass dies richtig war, bestätigte sich schon bei der Ankunft am frühen Morgen des zweiten Aktionstages. Nur Tierarzt Dr. Sönke Bruhns, Gehegebesitzer Herbert Böhm und Naturpark-Ranger Jonas Ständer legten sich auf die Lauer. Das Rudel mit mehreren Hirschen, darunter der auserwählte Hirsch Max, kam immer näher und stapfte beharrlich von der gegenüberliegenden Waldrandgrenze zum Futterhaus des Geheges. Für Tierarzt Dr. Sönke Bruhns ein absolutes Muss, denn um einen Schuss aus seinem Narkosegewehr gezielt abfeuern zu können, war es auch dieses Mal notwendig, dass sich die Tiere auf eine bestimmte Distanz näherten.

Der erste Umsiedlungsversuch scheiterte noch

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Doch damit war es noch immer nicht getan, wie Tierarzt Bruhns, der sich mit Narkosemitteln bestens auskennt, nach der erfolgreichen Aktion im Gespräch mit Oberpfalz-Medien betonte: "Wie bei Personen sollte ein Tier im Vorfeld nicht gestresst, sondern möglichst ruhig sein. Dann entfacht der Narkosepfeil seine Wirkung. Außerdem muss der Schuss genau sitzen und der sollte am Hintern, weil es dort viel Muskelmasse gibt, landen. Trifft man hier nicht oder daneben, sind die Folgen unberechenbar. Der Hirsch könnte dann sogar auf eine qualvolle Weise verenden."

Sein abgefeuerter Pfeil brachte bei der jüngsten Aktion auch gleich den gewünschten Erfolg. Schon bald setzte die Betäubung ein und der Hirsch begann zu torkeln. Um die 40-minütige Fahrt in der Nähe der Klosterstadt bis hoch in den Steinwald jedoch sicher zu überstehen, entschied sich Bruhns für einen zweiten leichten Narkoseschuss. Dieser war dann genau richtig, um mit vereinten Kräften Hirsch Max auf den mit viel Stroh ausgestatteten Transportanhänger zu hieven. Die stattlichen rund 100 Kilogramm erforderten jedoch vier Personen für eine verletzungsfreie und gefahrlose Verladung.

Der anschließende Transport und die Fahrt in den Steinwald verliefen problemlos. Am Rotwildgehege beim Waldhaus warteten mittlerweile schon zahlreiche Unterstützer, Zaungäste und Wanderer auf das Eintreffen des neuen Gehegebewohners. Ein besonders Freude hatte Gehegebetreuer und Futtermeister Volker Pöhlmann nach dem Öffnen des Anhängers. Hirsch Max erwachte genau zu diesem Zeitpunkt und blickte in die Augen zahlreicher Naturparkmitglieder.

Zweiter Narkoseschuss

"Ich hoffe, dass Max nach seiner Eingewöhnung etwas ruhiger ist als sein Vorgänger, Hirsch Xaver. Der hat schon mal eine Absperrung und eine Zaunanlage zerlegt", wusste Pöhlmann. Max zog es aber erstmals vor, im großen Gehege das Weite zu suchen und erkundete mit großen Sätzen sein neues Zuhause mit seinen Lichtungen und gewaltigen Baumbeständen. Ob der junge Hirsch noch für Nachwuchs im nächsten Jahr sorgen wird, wie es Verantwortliche des Naturparks Steinwald insgeheim hoffen, bleibt abzuwarten, meint Naturpark-Ranger Jonas Ständer. Die Brunftzeit beginnt Ende September. Einen abschließenden großen Dank spendete der anwesende Geschäftsführer des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann, den zahlreichen Helfern der Aktion. Dabei würdigte er besonders den einstigen Besitzer von Hirsch Max, Herbert Böhm, und Mitglied Michael Kraus, der den Kauf vermittelt hatte.

Hoffen auf Nachwuchs

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