02.02.2020 - 14:41 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Die Kinderstube der Kitze sicherer machen

Bald ist die Zeit wieder da, in der Wiesen gemäht werden und Wildtiere durch Maschinen in Gefahr geraten. Der Verein „Rehkitzrettung TIR“ versucht, Verletzungen künftig mit Hilfe modernster Technik zu verhindern.

Drohnenexperte Johannes Dötterl (links) unterstützte in den zurückliegenden Wochen die Aufbauarbeit des Vereins „Rehkitzrettung TIR". Zusammen mit Michael Dötterl (rechts) hat er über Jahre hinweg schon viele Kitze gerettet. Die Erfahrungen helfen dem noch jungen Verein bei der Tierrettung.
von Bernhard SchultesProfil

Bei der jüngsten Vorstandssitzung des Vereins "Rehkitzrettung TIR" zeigten sich die Vorsitzenden Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Annette Gleißner und Heidemarie Schünzel zuversichtlich, dass ihr Vorhaben gelingen kann. Seit der Gründung des Vereins im November wurde viel Aufklärungsarbeit geleistet.

Und auch das Interesse an dem Verein ist weiter gewachsen, wie Schriftführerin Sabrina Bittner berichtet. "Belegt ist mittlerweile der erste Kurs zum Erlangen der Flugberechtigung für die Drohnen, die zum Retten von Rehkitzen eingesetzt werden. Diesen Kenntnisnachweis oder Drohnenführerschein, wie er auch genannt wird, braucht man für die Fluggeräte ab einem Startgewicht von zwei Kilogramm." Die leistungsfähigen Drohnen, die der Verein in den nächsten Wochen anschaffen wird und die mit hochauflösenden Wärmebildkameras ausgestattet sind, haben dieses Startgewicht. "Aufgrund des Interesses ist deshalb ein zweiter Kurs bereits eingeplant", so Sabrina Bittner. Bewerber können sich unter Telefon 09683/91-0 oder unter 0151/26 85 26 59 informieren und erhalten hier weitere Auskünfte.

Brauchen wird der Verein die künftigen Drohnenpiloten allemal, wie Drohnenexperte Johannes Dötterl weiß. "Denn wenn die Mähsaison beginnt, dann fangen viele Landwirte zur gleichen Zeit an zu mähen und die Drohnenpiloten können ja nicht überall gleichzeitig sein."

Folgende Voraussetzungen müssen deshalb erfüllt und eingehalten werden, informieren die Verantwortlichen des Vereins: "Landwirte müssen uns mindestens einen Tag vorher beauftragen, um ein Team zusammenstellen zu können. Das Absuchen der Wiesen und Flächen erfolgt nur in den Morgen-, Abend- und Nachtstunden, da die Wärmebildtechnik von Temperaturdifferenzen abhängig ist. Bei starker Bewölkung kann man zwar tagsüber die Kitze erkennen, das geht aber meist nur bis zur Mittagszeit. Sobald das Absuchen und eventuelle Bergen der Kitze abgeschlossen ist, muss gemäht werden, damit die Kitze nicht zu lange von der Geiß getrennt sind."

Strafen drohen

Nutzen vom Engagement des Vereins "Rehkitzrettung TIR" haben natürlich die Landwirte. Geraten beim Mähen Teile getöteter Tiere ins Gras oder Heu, können Kühe sterben. Das sogenannte Leichengift lähme die Tiere und könne sie qualvoll ersticken lassen. Außerdem riskieren Landwirte Strafen, wenn sie ihre Wiesen vor dem Mähen nicht sorgfältig prüfen. Für die mutwillige Tötung von Tieren drohen laut Tierschutzgesetz Bußgelder und Freiheitsstrafen.

"Mit den Drohnen geht die Suche auf den Wiesen auf jeden Fall schneller und vor allem genauer", wissen die Verantwortlichen des Vereins zur Kitzrettung. "Landwirte und Mähpersonal können die jungen Kitze unmöglich vom Traktor aus erkennen, wenn sie die Ricken vorher im hohen Gras abgelegt haben. Auch können die Kitze kurz nach ihrer Geburt noch nicht fliehen und drücken sich stattdessen ängstlich an den Boden. Hintergrund ist der natürliche Reflex, der das Kitz vor hungrigen Feinden schützen soll."

Auch Suche nach Nutztieren

Ausweiten will der Verein sein Betätigungsfeld, wenn genügend Interessierte und engagierte Helfer zur Verfügung stehen. Man bietet dann Landwirten im Landkreis Tirschenreuth nicht nur die Rettung von Rehkitzen von Mitte April bis Ende Juni an, sondern auch beispielsweise eine Suche nach entkommenen Nutztieren. Weiterhin könne mit dem Drohnensystem auch Schwarzwild in Maisflächen und Zwischenfrüchten entdeckt werden, informiert der Vorstand und verweist darauf, dass der Verein "Rehkitzrettung TIR" ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt.

Das Absuchen der Wiesen mit den Vereinsdrohnen und Wärmebildkameras wird grundsätzlich ehrenamtlich und kostenlos angeboten. Um die zahlreich geplanten Projekte jedoch dauerhaft etablieren und finanziell stemmen zu können, ist der Verein auf finanzielle Unterstützung in Form von Spenden oder Sponsoring angewiesen. Hierzu zählt auch die aktive Mitarbeit von Ehrenamtlichen zu unterschiedlichsten Tageszeiten. Auch werden immer wieder freiwillige und zuverlässige Helfer beim Retten der Rehkitze gesucht. "Jeder kleine Beitrag hilft, um Leben zu retten", unterrichten die Mitglieder des Vorstands. Die nächste Mitgliederversammlung des Vereins "Rehkitzrettung TIR" steht schon fest, so Schriftführerin Sabrina Bittner. Sie findet am Freitag, 28. Februar, um 19 Uhr in der "Schlossschänke" statt. Eingeladen sind dazu auch interessierte Nichtmitglieder.

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Vorsitzender des Vereins „Rehkitzrettung TIR“, will zusammen mit den Mitgliedern des Vorstands und weiteren Helfern das Betätigungsfeld ausweiten.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.