29.11.2018 - 11:07 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Klärung jetzt geklärt

Das Thema gärt seit geraumer Zeit. Nun hat der Gemeinderat mit 10:3 Stimmen entschieden: Friedenfels baut eine Schilfkläranlage.

Die endgültige Entscheidung, welche Kläranlage in Friedenfels gebaut wird, interessiert die Bürger. Die sonst in Gemeinderatssitzungen meist leeren Stühle hinter dem Gremium (rechts) reichen am Mittwochabend nicht aus.
von Bernhard SchultesProfil

Der Bau einer Kläranlage erhitzte über lange Zeit die Gemüter. Nach vielen Debatten nicht nur an Stammtischen interessierte nun der Standpunkt der Gemeinderäte Jung und Alt. Die vorhandenen Stühle reichten am Mittwochabend nicht für alle Besucher der Gemeinderatssitzung aus, so groß war das Interesse. Bürgermeister Gottfried Härtl selbst kümmerte sich zu Beginn der Sitzung um ausreichend Sitzmöglichkeiten.

Das Gemeindeoberhaupt verwies nach der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer auf die beiden letzten Besprechungen des Gemeinderates zum Thema Bau einer neuen Kläranlage. Er informierte über die Aussprachen mit den Fachstellen vom Landesamt für Umwelt sowie dem Hersteller biologischer Kläranlagen. „Mittlerweile ist die Obergrenze von 1000 Einwohnern für eine Pflanzenkläranlage auch in Deutschland aufgehoben. In Frankreich laufen diese Anlagen bereits seit Jahren zuverlässig." Der Bürgermeister fuhr fort: "Wegen der geringeren Kosten ist dieser Anlagentyp als Lösung auch bei uns durchaus akzeptabel. Guten Gewissens trauen wir uns deshalb zu, diesen Anlagentyp zu bauen.“ Wie zu erfahren war, würde eine herkömmliche Kläranlage rund 2,46 Millionen kosten, eine Pflanzenkläranlage 2,01 Millionen Euro. Gottfried Härtl beantragte daraufhin den Bau einer biologischen Kläranlage und gab vor der finalen Entscheidung des Gremiums die letzte Diskussion zu diesem Thema frei.

Lisa Rauh (Die Grünen/Neue Wege) eröffnete die Aussprache und meinte: „Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Die Pflanzenkläranlage würde zwar unserem grünen Herzen entsprechen. Wir sehen aber wegen der erforderlichen großen Grundstücksfläche Probleme. Da die Gemeinde den benötigten Grund nicht hat, sind wir unweigerlich an einen Privatbetreiber gebunden.“ Die Abgabe und Kontrolle der Abwässer durch die Gemeinde sowie die erforderliche lange Bindung an einen Privatbetreiber bezeichnete Rauh als problematisch.

Für Edeltraud Kaßeckert (Freie Wähler) war die Lebensdauer einer klassischen Kläranlage ausschlaggebend. „Bei einer Pflanzenkläranlage liegen diese Erfahrungswerte nicht vor. Wir entscheiden ferner über etwas, was die Generation nach uns mitzutragen hat. Sollte sie nämlich nicht funktionieren, wäre ein Ersatzbau einer konventionellen Anlage erforderlich“, mutmaßte Kaßeckert. Otmar Zeitler (Freie Wähler) meinte: "Wir stimmen ja nicht für uns ab, sondern für unsere Bürgerinnen und Bürger. Hierbei ist es entscheidend, was sie bezahlen müssen. Auch sollten wir unseren Bürgern sagen, warum wir uns für welchen Anlagentyp entschieden haben." Nach der vorliegenden Berechnung käme das angedachte Modell Biokläranlage, ohne Belastung für den Bürger hinsichtlich Grundstücks- und Geschossflächen, beim Abwasser-Kubikmeterpreis rund 60 Cent billiger als eine herkömmliche Anlage, so Zeitler. "Diese Einsparung für den Bürger sollte einen veranlassen, die finanziell günstigere Anlage zu wählen.“

Oskar Schuster (Freie Wähler) ging auf die lange Vorgeschichte der Kläranlage ein und zeigte sich zufrieden, dass die einstigen Bestrebungen zum Anschluss an die Kläranlagen in Reuth oder Wiesau nicht weiterverfolgt wurden. „Da nun die gesetzliche Möglichkeit besteht, eine Pflanzenanlage in der Größe wie sie Friedenfels braucht zu bauen und sie nach meiner Überzeugung und heutigen Kenntnislage auch funktionieren wird, stimme ich für eine biologische Kläranlage.“ Manfred Wiese (CSU) erinnerte in seiner Stellungsnahme an die Besichtigungsfahrten im Vorfeld. „Auch in Niedersachsen laufen die Pflanzenkläranlagen ohne Probleme", argumentierte der Fraktionssprecher und verwies ebenfalls auf den günstigeren Preis für die Friedenfelser Bürger. Als weiteren Punkt führte Manfred Wiese ins Feld: „Sollte Friedenfels eines Tages wieder wachsen, sei es durch Einwohner oder Firmenzuzug, sind die erforderlichen baulichen Veränderungen bei einer Pflanzenkläranlage geringer als bei einer herkömmlichen Anlage.“

Die Kläranlage war dann nochmals Thema beim abschließenden Tagesordnungspunkt „Bürger fragen, der Gemeinderat antwortet“. Zu den Bedenken eines Bürgers zur Funktionsfähigkeit bei extremen Witterungsbedingungen meinte das Gemeindeoberhaupt: „In China funktionieren diese Anlagen auch bei 40 Grad minus.“ Des Weiteren bestätigte Bürgermeister Gottfried Härtl nach einer Anfrage den günstigeren Abwasser-Kubikmeterpreis bei einer Pflanzenkläranlage und verwies auf die aktuellen Berechnungen.

Hintergrund:

Nachdem keine weiteren Wortmeldungen aus dem Gremium kamen, bat Bürgermeister Gottfried Härtl um die Abstimmung. Bei Gegenstimmen von Edeltraud Kaßeckert (Freie Wähler) sowie Lisa Rauh und Petra Gärtner (Die Grünen/Neue Wege) entschied sich der Gemeinderat mehrheitlich für den Bau einer biologischen Kläranlage. „Nach der gefällten Entscheidung zum umzusetzenden Anlagentyp werden wir die weiteren Planungen zügig vorantreiben“, versicherte Bürgermeister Gottfried Härtl. (bsc)

Bürgermeister Gottfried Härtl: "In China funktionieren Pflanzenkläranlagen auch bei 40 Grad minus."
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.