22.05.2020 - 15:19 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

"Literarische Wurzelbehandlung" mit den Grenzlandschreibern

Die Grenzlandschreiber gründeten sich 2015. Zwei Mal im Jahr halten sie Lesungen im "Grünen Kranz" in Friedenfels ab. Das zehnte Treffen war Anlass für ein Buch mit dem Titel, "Wurzeln". Es geht um die eigenen und die von Pflanzen.

Die Grenzlandschreiber, noch vor der Coronakrise eng beieinander, mit Dieter Schraml, Hans Hertel, Dieter Wiese, Hans G. Lauth, Hildegard Lauth, Anna-Elisabeth Gleißner und Walter J. Pilsak (hinten von links) sowie Marianne Stangl, Michele Dusouil und Christa Vogl (vorne von links). Bild: exb
von Norbert Grüner Kontakt Profil
Wurzeln - eine Anthologie der Grenzlandschreiber.

Poetische Ansätze, analytische Annäherungen an das Genre und die Wunderwerke, die Pate für den Titel standen, sowie autobiografische Züge: All das gibt das 111-seitige Werk preis und verrät dabei viel über seine Autoren selbst. Eine Vorstellung der Grenzlandschreiber auf besondere Art und Weise. Anthologisch widmet sich die Schriftstellergruppe dem Begriff Wurzel aus den verschiedensten Blickwinkeln.

Eigene Identität

Schon beim Überfliegen der Seiten wird klar, für die Autoren geht es bei dem Begriff um die eigene Identität, sind Wurzeln Synonyme für Fragen wie "wo komme ich her, was hat mich geprägt, wie waren Kindheit und Jugend und was hat das alles aus dem Einzelnen gemacht?"

Hochdeutsch oder oberpfälzisch, beides kommt im Buch nebeneinander vor. Lustiges, Trauriges, Nachdenkliches ist darin enthalten. Das Vorwort hat der Gründer der Grenzlandschreiber verfasst, Hans Günther Lauth. Fotos dafür stellten er und Walter J. Pilsak zur Verfügung, die Malereien im Buch Hildegard Lauth.

Die Grenzlandschreiber bestehen aktuell aus 19 Autoren, 11 davon haben Beiträge im Buch veröffentlicht. Den Beginn macht Julia Birkner mit zwei Gedichten. Friedrich Brandl hat sich mit acht Gedichten verewigt. Brigitte Flügel erzählt in der "Biografie einer Wurzel" von einer Fichte, von deren Geburt im Zapfen bis zum Fällen durch Menschenhand. Nach diesem aktiven Leben dient ihre Wurzel einem Schnitzer noch als Krippenstall. Nach dem physischen Tod empfindet der einst stattliche Baum noch bewusst Freude darüber. Eine schöne Metapher für ein Leben nach dem Tod.

Stiftländer Tiefwurzler

Anna-Elisabeth Gleißner erinnert in ihrer Geschichte vom Brathering an die harte Zeit nach dem Krieg. Hans Günther Lauth gründete 2015 zusammen mit Dieter Schraml die Grenzlandschreiber. Passend zur Anthologie bezeichnet sich Lauth selbst als Stiftländer Tiefwurzler und nutzt das Buch als Ausdruck eigener Spurensuche und seiner persönlichen Definition von Heimat. Zwei spritzig-lustige Geschichten trägt Florian Mattes bei. "Die Beichte" erinnert vom Schreibstil an Ludwig Thomas "Lausbubengeschichten" und "As pralle Leb'n" an den von Toni Lauerer. Gudrun Müller gewährt Einblick in den physiotherapeutischen Alltag. Meint man zuerst, man liest sich hier in einen Arztroman ein, wird man von einem überraschenden Ausgang des Geschehens positiv überrascht. Walter J. Pilsak hat den Begriff Wurzeln unter dem Aspekt der Familienforschung beleuchtet. Dieter Wiese vermisst in seiner "Literarischen Wurzelbehandlung" die literarische Seite, die früher regelmäßig im "Neuen Tag" zu finden war.

Limerick und Blankvers

Hildegard Lauth erzählt "Ladengeschichten" und ist mit zwei Gedichten im Buch verewigt. Dieter Wiese liebt Gedichte und erklärt Versformen wie Limerick oder Blankvers.

Hintergrund:

Den Grenzlandschreibern gehören aktuell an: Christa Vogl (Waldeck), Florian Mattes, Brigitte Flügel (Thumsenreuth), Hans Hertel (Marktredwitz), Irmtraud Schicker, Gudrun Müller, Julia Birkner, Dieter Wiese, Marianne Stangl (Tirschenreuth), Anna-Elisabeth Gleißner (Bechtsrieth), Hans Spörrer (Pullenreuth), Cordula Winzer-Chamrad (Tegernheim), Dieter Schraml, Sabine Seur (Friedenfels), Walter J. Pilsak (Waldsassen), Hans G. Lauth, Hildegard Lauth (Wiesau), Michele Dusoil (Parkstein), Friedrich Brandl (Amberg).

Im Blickpunkt:

Als Grenzlandschreiber kann man sich nicht bewerben, sondern wird von den Veranstaltern eingeladen. Ziel der lockeren Vereinigung ist es, Lyriker und Geschichtenschreibern im Grenzland der nördlichen Oberpfalz und Oberfranken in ihrer Arbeit zu unterstützen. Jährlich finden zwei Lesungen im „Grünen Kranz“ in Friedenfels statt, eine im April und eine im Oktober. Erschienen ist das Buch „Wurzeln“ mit der ISBN-Nummer 978-3-947247-39-4 im Eckhard Bodner Verlag Pressath. Es kostet 9,90 Euro.

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