Friedenfels
08.01.2019 - 10:24 Uhr

Der Luchs fühlt sich im Steinwald wohl

Von Erfolg gekrönt scheinen die Bemühungen zur dauerhaften Ansiedelung von Luchsen im Steinwald. „Ja, sie sind noch immer da und fühlen sich bei uns wohl“, bestätigt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg.

Die Trittsiegel von Luchsen sehen denen der Hauskatzen sehr ähnlich, nur sind sie deutlich größer. Die Kunst des Fährtenlesens beherrscht der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Bild), perfekt. Er ist derzeit viel im Steinwald unterwegs, um nach den scheuen Raubkatzen Ausschau zu halten. Bild: bsc
Die Trittsiegel von Luchsen sehen denen der Hauskatzen sehr ähnlich, nur sind sie deutlich größer. Die Kunst des Fährtenlesens beherrscht der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Bild), perfekt. Er ist derzeit viel im Steinwald unterwegs, um nach den scheuen Raubkatzen Ausschau zu halten.

„Die derzeitige Schneelage hilft uns gewaltig“, meint der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs und des Naturparks Steinwald im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg: „Neben den Fotofallen, die uns im letzten Jahr zahlreiche Bildnachweise von den Luchsen im Steinwald mit den Namen Fee und Hotzenplotz präsentierten, können wir die Streifgebiete der scheuen Raubkatzen noch besser dokumentieren. Anhand der Spuren wissen wir zwar nicht, ob es die 2016 in die Freiheit entlassene Fee oder der im letzten Jahr frei gelassene Hotzenplotz ist, aber es sind Bestätigungen über ihr aktives Leben im Steinwald.“

Obwohl inzwischen viele Jäger und Förster mit Fotofallen ausgerüstet sind, bittet der Arbeitskreis Luchs auch weiterhin um die Unterstützung und Mitarbeit von Interessierten und Naturliebhabern, informiert von Gemmingen-Hornberg weiter. „Sollten bei entsprechender Schneelage mögliche Luchs- oder sogar Wolfsspuren ausfindig gemacht werden, ist eine gute Dokumentation für eine spätere Auswertung und Bewertung von besonderer Bedeutung." Entsprechende Fährtenfunde sollten deshalb per Foto dokumentiert, Länge und Breite des einzelnen Fußabdruckes sowie der Schrittabstand und das gesamte Spurbild festgehalten werden. Um eine weitere Begutachtung und Dokumentation kümmere sich dann ein Mitglied des „Netzwerkes große Beutegreifer Bayern". "Wir sind aber für jeden guten Hinweis dankbar, selbstverständlich auch in der schneefreien Zeit“, meint Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg.

Er weiß, dass das Streifgebiet von Hotzenplotz im vergangenen Jahr sehr groß war. „Der ausgesetzte Luchskuder ist mit einem Sender-Halsband bestückt, das später einmal von alleine abfallen wird. Detailliert ist deshalb bekannt, wo er sich herumgetrieben hat. Durch die radiotelemetrische Überwachung mittels Antenne konnten alle Aktivitäten nachgewiesen werden, ohne das scheue Raubtier zu stören." Auch die Tageslager wurden dadurch ausfindig gemacht und sogar fotografiert. Einzigartige Aufnahmen aus sicherem Versteck oder mit den zahlreichen Fotofallen zeigten die abendlichen und nächtlichen Aktivitäten. "Dazu gehörten auch das erste erbeutete Reh und das Zerlegen der Beute.“

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg erklärt: „Der große Rehbestand im Steinwald ist mit ein Grund, warum sich die scheuen Raubkatzen so wohl im Naturpark fühlen.“ Rehe sind die Hauptnahrung der Luchse, weiß der Vorsitzende des Naturparks und verweist wegen des großen Bestands auch auf das unkomplizierte Zusammenleben von Mensch und Tier. „Kein einziges Nutztier kam seit der Freilassung der Luchse rund um den Steinwald zu Schaden.“

Für eine mögliche dauerhafte Ansiedelung im Steinwald sprechen die vorhandenen störungsarmen Rückzugsgebiete mit Felsformationen und die guten Versteckmöglichkeiten in Fichtendickungen, argumentiert von Gemmingen-Hornberg weiter. Als großer Förderer des ehrgeizigen Luchsprojekts hofft er deshalb, dass irgendwann eine Paarung klappen wird und eine Luchs-Population im Steinwald heranwachsen wird.

Zahlreiche Brutkästen für den Habichtskauz haben Mitglieder vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz jüngst im Steinwald installiert. Vorsitzender Johannes Bradtka wird bei der Luchstagung über das 2017 gestartete Projekt zur Wiederansiedelung der geschützten Eulenvögel umfassend informieren. Bild: bsc
Zahlreiche Brutkästen für den Habichtskauz haben Mitglieder vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz jüngst im Steinwald installiert. Vorsitzender Johannes Bradtka wird bei der Luchstagung über das 2017 gestartete Projekt zur Wiederansiedelung der geschützten Eulenvögel umfassend informieren.
Den Luchsen gefällt es im Steinwald. Auch weil das Nahrungsangebot passt. Bild: Bayerisches Landesamt für Umwelt/exb
Den Luchsen gefällt es im Steinwald. Auch weil das Nahrungsangebot passt.
Im Blickpunkt:

Luchs-Tagung

Prall gefüllt ist jedes Jahr der Saal der "Schlossschänke" in Friedenfels, wenn die Luchsberater aus Nordbayern und benachbarten Gebieten zu ihrem Treffen einladen. Am Freitag, 11. Januar, ist es wieder so weit. Namhafte Referenten informieren in diesem Jahr interessierte Jäger, Fischer, Landwirte und Naturfreunde umfangreich zu „Pinselohr und Co“. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, zugleich Vorsitzender des Naturparks Steinwald und seit vielen Jahren Förderer und Befürworter der Wiederansiedlung von Luchsen und fast ausgestorbenen Tierarten im Steinwald, freut sich über das breitgefächerte Programm der Tagesordnung in diesem Jahr.

Erstmals mit dabei ist Johannes Bradtka vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Der Vereinsvorsitzende wird über das 2017 gestartete Projekt zur Wiederansiedlung von Habichtskäuzen im Steinwald informieren. Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt berichtet zur aktuellen Lage des Wolfs in Bayern. Wichtige Informationen und Vergleiche erhofft sich von Gemmingen-Hornberg auch von Jochen Krebühl von der Stiftung Natur und Umwelt, der zur Luchssituation in Rheinlandpfalz referiert.

Die Veranstaltung des Arbeitskreises Luchs Nordbayern beginnt am Freitag, 11. Januar, um 19 Uhr im Saal der "Schlossschänke". Die Begrüßung übernehmen Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg und Eric Imm vom Bayerischen Jagdverband. Er ist Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern. (bsc)

 
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