06.02.2019 - 22:05 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Luxus-Problem mit Luchsen

Der Funkkontakt zu Luchs "Hotzenplotz" ist abgerissen. Es ist zu vermuten, dass er sich nicht mehr im Steinwald aufhält. Trotzdem ist Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg zuversichtlich, dass Luchs-Dame "Fee" für Nachwuchs sorgen kann.

Die Luchsdame "Fee" vor einem Felsen im Steinwald.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Der Baron informierte den Naturschutzbeirat bei einer Sitzung im Landratsamt über die aktuelle Luchs-Situation im Steinwald. Dabei gab der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes bekannt, dass zeitweise drei Luchse durch den Steinwald pirschten. Neben der 2016 ausgewilderten Jungluchsin "Fee" und dem 2018 ausgesetzten "Hotzenplotz" tauchte plötzlich ein drittes Tier auf, ein weiteres Männchen.

Der neue Kuder tappte in eine Fotofalle. Das Bild zeigte zweifelsfrei weder "Fee" noch "Hotzenplotz". "Die Aufnahme ist zu Luchsexperten in halb Europa gemailt worden", verriet von Gemmingen-Hornberg. Die Experten sind sich sicher, dass dieser Luchs nichts mit der Population aus dem Bayerischen Wald zu tun hat. "Das ist eher ein russischer Typ", so der Baron. Deshalb habe man ihm auch den Arbeitsnamen "Iwan" gegeben. Völlig offen sei, ob es sich bei diesem Luchs um eine illegale Freilassung oder einen zufälligen Zuwanderer handle.

Der neue Kuder, der laut von Gemmingen-Hornberg schon zwei Mal von Autofahrern auf der alten Rennstrecke von Friedenfels nach Poppenreuth gesichtet worden ist, hat für einige Unruhe gesorgt, denn nach dem Auftauchen von "Iwan" ist der Funkkontakt zu "Hotzenplotz", der mit einem Senderhalsband ausgestattet ist, abgerissen. "Wir wissen nicht, wo er sich momentan aufhält", so der Baron. Es sei durchaus möglich, dass er ins Fichtelgebirge abgewandert sei. Auf jeden Fall stehe die Ranzzeit der Luchse kurz bevor und man könne weiter hoffen, dass sich im Steinwald bei den Pinselohren Nachwuchs einstelle.

Luchsfaktor gefordert

Die oft unter Jägern verbreitete Angst, dass Luchse den Rehbestand in einem Revier massiv verringern könnten, teilt der Baron ganz und gar nicht. Ein erwachsener Luchs brauche pro Woche ein Reh. Das seien im Jahr etwa 50 Rehe. Angesichts der großen Reviere ergebe dies rechnerisch gerade mal ein halbes Reh pro Jahr und Quadratkilometer. "Das ist so wenig, dass es für die Jagd eigentlich keinerlei Rolle spielt." Von Gemmingen-Hornberg: "Kein Jäger weiß doch genau, wie viele Rehe er im Revier hat, also merkt er auch nicht, wenn eines fehlt." Trotzdem sei es wichtig, dass diese Beutetiere bei der Erstellung der Abschusspläne berücksichtigt würden. "Wir brauchen einen Luchsfaktor im Abschussplan. Das würde die Akzeptanz der Jäger wahrscheinlich ungemein erhöhen." Eine ganz andere Dimension als der Luchs habe der Wolf, meinte der Baron angesichts der Vorkommen auf dem nahen Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Es sei noch gar nicht absehbar, wie sich das dann entwickle. Die Tatsache, dass der Wolf auch Rotwild jage, werde sicher dazu führen, dass Rotwild die Reviere wechsle.

Von Gemmingen-Hornberg hat übrigens festgestellt, dass sich die Bevölkerung im Steinwald mittlerweile mit dem Luchs identifiziert. "Auch wenn man weiß, dass man ihn wohl nie zu Gesicht bekommen wird, macht die Tatsache, dass er da ist, für viele einen Waldspaziergang noch spannender."

Bilder aus Fotofallen

Der Baron hatte auch Bilder aus den Fotofallen vom Luchsmonitoring mitgebracht. Neben Luchsen waren auf den Aufnahmen unter anderem auch eine Wildkatze und ein Waschbär (die ersten fotografischen Nachweise dieser Art), Rotwild, Rehe und Muffelwild zu sehen. Auch das Sika-Wild hat mittlerweile die Autobahn A 93 überwunden und kommt im Steinwald vor.

Landrat Wolfgang Lipperts Fazit: "Ich kann den Ausführungen entnehmen, dass der Luchs eine Bereicherung für die Natur und den Steinwald darstellt und dass der Steinwald jederzeit zwei Luchse verträgt." Es gebe also derzeit auch keinen Handlungsbedarf.

Die Fotofalle liefert auch ein Bild von "Iwan".
"Hotzenplotz" trägt ein Senderhalsband. Der Funkkontakt zu ihm ist abgerissen.
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