04.01.2019 - 11:23 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Neubau rechtzeitig winterfest

Viel Arbeit liegt hinter den Mitgliedern des Vereins "Kulturlandschaft südlicher Steinwald". Das Jahr 2018 war eines der bislang arbeitsreichsten in der Vereinsgeschichte. Doch es gibt noch viel tun - nicht nur in der neuen Info-Stelle.

„Winterfest“ präsentiert sich die künftige vierte Infostelle des Naturparks Steinwald bei der Grenzmühle. Bis zur Fertigstellung sind die Mitglieder des Vereins "Kulturlandschaft südlicher Steinwald" jedoch noch kräftig gefordert.
von Bernhard SchultesProfil

Vorsitzender Matthias Schlicht und Schriftführer Robert Mertl informieren im Gespräch mit Oberpfalz-Medien über die umfangreichen Arbeiten und bitten um weitere Unterstützung der einzelnen Projekte durch die Mitglieder des Vereins "Kulturlandschaft südlicher Steinwald". Matthias Schlicht: „Unsere Hauptziele, die Landschaft des südlichen Steinwaldes zu erhalten und zu schützen, seine Tier- und Pflanzenwelt zu pflegen sowie dem Naturpark Steinwald bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu helfen, haben wir breitfächerig erfüllt.“

Der besondere Dank des Vorsitzenden gilt Schriftführer Robert Mertl, der viele der Vereinsprojekte umfassend betreut und stets tatkräftig mit Hand angelegt hat. Eines davon und das bereits zum fünften Mal war die alljährliche Betreuung des Amphibienzaunes am Griesweiher an der Staatsstraße zwischen Friedenfels und Poppenreuth. Matthias Schlicht: „Die kalte Witterung im Frühjahr verzögerte den Start der Amphibienwanderung. So zeigten sich die ersten wanderwilligen Lurche erst am 29. März." Ihren Höhepunkt erreichte die Wandertätigkeit leicht verzögert Mitte April, wo in einer Nacht über 600 Erdkröten sowie Berg- und Teichmolche in Eimern sicher über die Straße ins Laichgewässer gebracht wurden. "Die Zahlen zeigten sich bei den Erdkröten mit 2009 Exemplaren und Teichmolchen mit 182 weitgehend stabil, während beim Grasfrosch mit 24 und dem Bergmolch mit 74 Stück wiederum ein Rückgang zu verzeichnen war." Grünfrösche waren 2018 nicht in den Eimern. "Mit insgesamt 2289 Amphibien war die Aktion letztlich aber wieder sehr erfolgreich.“

Matthias Schlicht dankt in dem Zusammenhang dem Staatlichen Bauamt, das für die Bereitstellung des Zaunes sowie für den Auf- und Abbau sorgte, und den fleißigen Helfern und „Eimerträgern“, Rita und Siegfried Steinkohl, Robert Mertl sowie Diaa und Mohammad Kazzaz. Aber auch die Obstbaumpflanzung entlang des Geh- und Radweges am Ortsausgang von Friedenfels in Richtung Wiesau sowie das Schwalbenschwanz- und Weißstorchprojekt unterstützten die Mitglieder des Vereins "Kulturlandschaft südlicher Steinwald" umfangreich.

„Das nachhaltigste Projekt jedoch war der Bau der vierten Info-Stelle des Naturparks Steinwald auf der Grenzmühle“, erklärt Matthias Schlicht. „Das Projekt Info-Stelle hat sehr viel unserer Arbeitskapazitäten gebunden, da es angesichts steigender Preise und ausgelasteter Handwerker kein Leichtes war, den Bau endlich auf den Weg zu bringen.“ Vor Weihnachten wurden durch Matthias Schlicht und Robert Mertl noch die Fenster eingebaut und das Gebäude winterfest gemacht. 2019 folgen nun der Aufbau einer Solaranlage sowie die Strom- und Telefonanschlüsse. Auch werden die Wasserzuleitung verlegt und die Außenanlagen angelegt, so der Vorsitzende.

„Unser Verein, der im Auftrag des Naturparks Steinwald die Baumaßnahme abwickelt, wird nach der Fertigstellung auch der Betreiber der Info-Stelle sein", erläutert Matthias Schlicht. Inzwischen ist der Naturpark Steinwald schon intensiv mit der Planung der Innenausstattung beschäftigt, so die Verantwortlichen. Sie freuen sich, "dass die vierte Info-Stelle im Naturpark Steinwald ein echter Hingucker wird".

Das Herzstück der neuen Anlage wird dabei eine Zuchtstation mit einem großen Schaubecken für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel sein. Auch zum Flussperlmuschel-Projekt gibt es Neuigkeiten. Robert Mertl: „Seit Herbst 2018 werden in der Muschelzuchtstation bei Regnitzlosau junge Flussperlmuscheln für den Grenzbach nachgezogen. Mitte 2019 wird unser Verein dann die Jungmuscheln übernehmen und auf der Grenzmühle weiter großziehen, bis wir sie dann mit einer Größe von zwei bis drei Zentimetern in den Grenzbach entlassen können." Mertl fährt fort: "Das sind angesichts der ansonsten nicht rosigen Aussichten im Naturschutz kleine Lichtblicke, die uns ermutigen, in Zeiten von Klimawandel und Insektensterben in unseren Bemühungen um die Erhaltung der Natur und Kultur im Steinwald nicht nachzulassen.“ Der Schriftführer bringt dabei in Erinnerung, dass neben der vielen Arbeit auch für einige Stunden der Geselligkeit im Verein Zeit war. Mertl verweist auf die Wanderung zur Glasschleif und die mittlerweile traditionelle Kirchweihveranstaltung auf der Grenzmühle.

Robert Mertl wartet auch mit einer guten Nachricht in Sachen Amphibienschutz auf. „Auf Initiative unseres Vereins ,Kulturlandschaft südlicher Steinwald‘ und mit Unterstützung durch die Untere Naturschutzbehörde werden bei der bevorstehenden Erneuerung der Staatsstraße von Wiesau nach Friedenfels beim Voitenthaner Weiher durch das Staatliche Bauamt Amphibiendurchlässe eingebaut.“ Diese Ankündigung freut die Mitglieder, da dann das tägliche Prüfen und Übersetzen der Amphibien in Eimern wie an der Staatsstraße zwischen Friedenfels und Poppenreuth entfällt.

Viel Arbeit investiert Robert Mertl seit Jahren in das Flussperlmuschel-Projekt des Naturparks Steinwald. Nach Fertigstellung der Zuchtstation in der vierten Info-Stelle hofft der Naturliebhaber, dass künftig reichlich Prachtexemplare (wie in seiner Hand) in den Grenzbach entlassen werden können.
Hintergrund:

Großes Schaubecken

Herzstück der künftigen neuen vierten Info-Stelle des Naturparks Steinwald soll eine Zuchtstation mit großem Schaubecken sein, um die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel ins rechte Licht zu rücken. Ein mit großen, dicken Scheiben verglaster Flusslauf gewährt nach der Fertigstellung den Besuchern in dem neuen Gebäude einen umfassenden Einblick in den Lebensraum von Flussperlmuschel und weiteren Wassertieren. Für die in weiten Teilen Europas überalterten Bestände der Flussperlmuschel, die vor allem unter verschlechterter Wasserqualität leidet, wird eine gezielte Nachzucht auf der Grenzmühle forciert. Angedacht sind in der neuen Info-Stelle des Naturparks Steinwald zudem umfangreiche Hinweise über heimische Gewässer mit wichtigen Tipps zum Trinkwasserschutz. Ergänzt werden sie durch Informationen über Regionalvermarktung und extensive Landwirtschaft. (bsc)

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