11.04.2021 - 15:03 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Neues Zuhause für verletzte Störche

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Mit dem Bau einer Auffangstation für verletzte Störche und verwaister Jungtiere hoffen Unterstützer auf eine dauerhafte Ansiedlung des Vogels in Friedenfels. Dafür engagieren sich Tierliebhaber seit über 20 Jahren.

Regelmäßig besuchten in den vergangenenJahren Störche die angebotenen Niststellen und Horste auf dem Brauereischlot (Bild) oder beim Frauenreuther Weiher. Die Männchen warteten jedoch vergeblich auf eine Storchendame.
von Bernhard SchultesProfil

Der fehlende Bruterfolg durch Weißstörche in Friedenfels - trotz aller bisherigen intensiven Bemühungen - brachte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg im vergangenen Jahr auf die Idee, eine Auffangstation für verletzte und pflegebedürftige Störchen zu bauen. Dieses Vorhaben ist mittlerweile weit gereift und der Tierliebhaber stellte sein geplantes Projekt kürzlich am Ortsrand von Friedenfels vor.

"Sie kennen alle meinen Ehrgeiz, dass irgendwann in Friedenfels ein Weißstorchenpaar brüten sollte. Ich unterstützte die Arbeit von Storchenfreunden und versuche seit 20 Jahren selbst, hierfür Voraussetzungen zu schaffen. Bis jetzt ist es aber leider noch nicht gelungen", meinte der Freiherr bei der Begrüßung. Er freute sich über die stattliche Anzahl von interessierten Tierliebhabern sowie über Mitglieder der Storchenfreunde des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald.

Nesttreue nach Aufnahme nutzen

Weiter informierte von Gemmingen-Hornberg, dass es "mit der steigenden Zahl an Störchen in Bayern alljährlich auch eine größere Anzahl an verletzten Jungstörchen" gebe. Sein Ziel wäre deshalb, die Aufnahme von einigen pflege- bzw. hilfsbedürftigen Störchen in der künftigen Storchenpflegestation aufzubauen, um weitere Voraussetzungen für einen Bruterfolg nach Erreichen der Geschlechtsreife zu erlangen. Anschließend müsste die Freisetzung und Auswilderung der geschlüpften Jungtiere aus der Auffangstation erfolgen. "Da Störche sehr nesttreu sind, kehren sie in den darauffolgenden Jahren vermutlich an ihren Geburtsort zurück und beziehen die Horste in Friedenfels - auf dem Brauereischlot oder am Frauenreuther Weiher", hofft von Gemmingen-Hornberg.

"Mit der steigenden Zahl an Störchen in Bayern gibt es alljährlich auch eine größere Anzahl an verletzten Jungstörchen."

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg

Fütterung durch freiwillige Helfer

Viele Informationen hatte er dafür schon eingeholt. Seine guten Kontakte zum Zoo in Nürnberg waren hierbei von Vorteil, betonte der Freiherr. Auch den künftigen Standort für eine Auffangstation hatte er durch den Landesbund für Vogelschutz bereits prüfen lassen. Zudem würde er den Bau der Anlage und des Geheges übernehmen, betonte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. "Was bleibt, wäre die tägliche Versorgung der Tiere." Das Futter würde gestellt, jedoch bräuchte man Freiwillige, die das Füttern übernehmen und nach dem Rechten schauen.

Sachkundenachweis nötig

Um diesbezüglich auch die rechtlichen Voraussetzungen einhalten zu können, hatte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Amtstierärztin Mirjam Kühne vom Veterinäramt am Landratsamt Tirschenreuth zum Treffen eingeladen. Sie konnte dem Freiherr und den Storchenfreunden zahlreiche Auskünfte, aber auch unbedingt notwendige Voraussetzungen zum Bau und der Genehmigung einer Auffangstation für Störche liefern.

Eine Auffang- und Pflegestation gilt als Tierheim-ähnliche Einrichtung und bedarf deswegen einer tierschutzrechtliche Erlaubnis der zuständigen Behörde. Sinn der Erlaubnispflicht ist die Gewährleistung der erforderlichen Haltungsbedingungen, der Sachkunde und der Zuverlässigkeit der verantwortlichen Person sowie des Vorhandenseins geeigneter Räume und Einrichtungen. Die Einrichtung werde zudem routinemäßig vom Veterinäramt kontrolliert, während andere Tierhaltungen nur anlassbezogen überprüft werden. Für die Häufigkeit der Routinekontrollen existieren keine Vorgaben, erklärte die Amtstierärztin.

Wasser- und Schlickfläche

Mirjam Kühne stellte dabei klar, dass das Veterinäramt eine Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz erteilen kann, wenn folgende Rahmenbedingungen eingehalten werden. In der Auffangstation müsse es etwa die Möglichkeit der tierseuchenrechtlichen Quarantänisierung von Neuzugängen geben. Ebenso müssen bei Bedarf einzelne Tiere, die aufgrund von Verletzungen oder Erkrankungen separiert werden, in extra Räumen isoliert werden können. "Es gibt in Deutschland keine Flächenvorgaben zur Haltung von Weißstörchen", wusste Mirjam Kühne weiter, empfahl allerdings sich an den Werten, die aus Österreich und der Schweiz bekannt sind, zu orientieren: "Hier liest man von mindestens 100 Quadratmetern Außenanlage pro Storchenpaar sowie 10 Quadratmeter Fläche im Unterstand. Feste Stallungen braucht der Weißstorch nicht."

In der Außenanlage für die Störche sollten eine Wasser- und eine Schlickfläche integriert sein. Es empfehle sich laut Amtstierärztin eine Haltung in Gruppen von zwei bis vier verträglichen Tieren. Wenn der Fokus auf einer Auswilderung von gesund gepflegten Tieren liegt, müsse den Tieren ermöglicht werden, ihre Flugmuskulatur zu trainieren, um eine reelle Chance zu haben, in freier Wildbahn zu überleben. Mirjam Kühne: "Weiterhin müssen mindestens zwei Personen als verantwortliche Person benannt werden, die einen Sachkundenachweis erlangt haben." Dieser könnte etwa im Zoo Nürnberg mit einer abschließenden Prüfung absolviert werden. Es reiche nicht aus, zu wissen, wie man füttert und mistet. Vielmehr müsse erkannt werden, ob von einem Neuzugang eventuelle zoonotische Gefahren ausgehen, ob ein Tier im Hinblick auf seine Chancen auf Genesung und Auswilderung aufgenommen werden kann und wann ein Tierarzt hinzugezogen werden muss.

Sieben Freiwillige machen mit

Abschließend betonte die Amtstierärztin, dass noch die Zuverlässigkeit von Antragsteller und verantwortlicher Person durch ein Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister nachzuweisen seien. Dafür sei die untere Naturschutzbehörde zuständig. Trotz dieser umfangreichen Vorgaben und Anforderungen zum Bau und dem Betrieb einer Auffangstation, erklärten sich am Ende der Erläuterungen, sieben Personen bereit, den geforderten Sachkundenachweis zu erlangen - sehr zur Freude des Freiherrn von Gemmingen-Hornberg.

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Friedenfels

 

 

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