Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg freute sich bei der Begrüßung über den ausgezeichneten Besuch im großen Saal der Schlossschänke, besonders über den breiten Expertenkreis. Während der Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern, Eric Imm vom Bayerischen Jagdverband, den Schneemassen in Oberbayern Tribut zollen musste und nicht anreisen konnte, referierten Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt zu Luchs und Wolf und der Geschäftsführer der Stiftung Natur- und Umwelt Rheinland-Pfalz, Jochen Krebühl, zur Luchsansiedelung in Rheinlandpfalz. Erstmals mit dabei waren Johannes Bradtka und Michaela Domeyer vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Sie berichteten von der Wiederansiedelung von Habichtskäuzen im Steinwald.
Vorerst bis 2020 wird das Luchsprojekt innerhalb eines transnationalen Kooperationsprojekts zum Schutz und Erhalt des Luchses in der zentraleuropäischen Region weitergeführt, wusste Diplombiologe Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Deutscher Projektpartner im Projekt 3Lynx ist das LfU. Fotofallen, die vom LfU finanziert und mit betreut werden, lieferten in jüngster Zeit einzigartige Fotos, die das Leben der Pinselohren in der Region ausführlich dokumentierten. Manfred Wölfl hatte diese bei der Jahrestagung im Gepäck und zeigte dabei auch ein Foto eines weiteren und dritten Luchses, der erst jüngst im Steinwald ins „Bild“ tappte.
Manfred Wölfl, dem die Luchsvorkommen im Bayerischen und Oberpfälzer Wald sowie im Steinwald besonders am Herzen liegen, bezeichnete den Großraum Steinwald als Vorbildregion. Der Steinwald stehe für ein ausgewogenes und austariertes Miteinander der Interessen von Naturschutz, Jagd, Forst und Wildtieren, so Wölfl. Nichtsdestotrotz arbeite er intensiv an der Umsetzung einer grenzüberschreitenden Luchsstrategie zum Schutz, Erhalt und Management der böhmisch-bayerisch-österreichischen Population. Auch die Weiterentwicklung des bayerischen Luchsmanagementplans mit Verhinderung/Verfolgung illegaler Aktionen und der Erweiterung um Möglichkeiten von aktiven Maßnahmen gehören zu seinem breiten Arbeitsspektrum. Besonders erfreulich für den Referenten war jedoch der Zuwachs an Jungtieren. Waren es im Jahr 2016/17 noch 15 nachgewiesene Jungtiere in Bayern, so konnte das LfU im Luchsjahr 2017/18 bereits 20 junge Luchse registrieren.
Auch über den aktuellen Sachstand zum „Wolf in Bayern“ berichtete Manfred Wölfl. Dabei zeigte der Referent den Besuchern auf einer Deutschlandkarte die im zurückliegenden Wolfsjahr erfassten Nachweise von Isegrim. „Der Wolf ist mittlerweile in allen Bundesländern, mit Ausnahme des Saarlandes, ein Thema." Für 73 Rudel, 31 Paare und drei territoriale Einzeltiere hatte der Diplom-Biologe Beweise und fuhr fort: „Im Vergleich zum Luchs zeigt sich jedoch beim Wolf eine zügigere Populationsentwicklung.“
Wichtige Informationen und Vergleiche lieferte im Anschluss Jochen Krebühl, von der Stiftung Natur und Umwelt. Der Geschäftsführer der Stiftung gab dabei einen Einblick zur Luchssituation in Rheinlandpfalz nach der Wiederansiedelung. „Nach umfangreichen Vorbereitungen wurden die ersten drei Luchse im Juli 2016 im Pfälzerwald freigelassen. Zehn weitere folgten bisher und mindestens sieben Jungtiere wurden 2017 und 2018 in der neuen Heimat geboren." Insgesamt sei jedoch geplant, 20 Luchse in der Schweiz und der Slowakei zu fangen und umzusiedeln. "Sechs Luchse erhielten bis jetzt ein GPS-Sendehalsband“, informierte Krebühl. Eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit und ein kontinuierlicher Austausch mit den Interessensgruppen in Deutschland und Frankreich begleiten das Projekt.
„Die heutige Akzeptanz für den Luchs und die Erholung seiner Lebensräume erlauben inzwischen eine weitere Rückkehr. Der Luchs steht repräsentativ für große, unzerschnittene, naturnahe Waldlebensräume. Er genießt in der Bevölkerung große Sympathie.“ Durch Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildungsmaßnahmen und die Nutzung des positiven Images des Luchses für touristische Konzepte werde langfristig für den Schutz der biologischen Vielfalt und die Bedeutung der Vernetzung von Lebensräumen geworben.
Nicht unerwähnt lassen wollte Jochen Krebühl jedoch, dass es seit der Wiederansiedelung drei Übergriffe auf Nutztiere gab. „Eine Ziegenherde im Schwarzbachtal war dabei der letzte Vorfall.“ Nach dem Managementplan Luchs in Rheinland-Pfalz werden den Tierhaltern sowohl durch den Luchs gerissene oder getötete Nutztiere, bei denen der Luchs als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann, als auch Folgeschäden wie Tierarztkosten ersetzt. Ergänzend wird Unterstützung bei der Prävention vor weiteren Übergriffen aus einem Fonds des Landes Rheinland-Pfalz gewährt. Zuständiger Ansprechpartner ist die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.














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