05.07.2021 - 09:54 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Ranger sehen das Ausbreiten der Lupine im Naturpark Steinwald sehr kritisch

An Arbeit mangelt es den Rangern im Naturpark Steinwald nicht. Zu ihrem breiten Aufgabengebiet zählt neuerdings auch die Kontrolle und Überwachung von Pflanzen, die nicht heimischen Ursprungs sind. Dazu gehören Lupinen.

Mittlerweile hat sich die Vielblättrige Lupine auch im Naturpark Steinwald weit verbreitet. Naturschutzverbände und Naturpark-Ranger sehen das kritisch.
von Bernhard SchultesProfil

Die Vielblättrige Lupine, auch Stauden-Lupine genannt, ist im Naturpark Steinwald immer häufiger anzutreffen - vor allem an Straßenrändern und Böschungen sowie in lichten Wäldern. Naturpark-Ranger Jonas Ständer beklagt: „Mittlerweile hat sie sich aber auch angrenzende extensiv und spät genutzte Wiesen als Lebensraum erobert." Die Pflanze wird meist zwischen 60 Zentimeter und einem Meter hoch. "Sie hat lanzettliche, gefingerte Blätter. Die Blüte ist eine meist blaue Traube, die schön anzusehen ist.“

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien weisen die Naturpark-Ranger Jonas Ständer und Marie Wittmann jedoch darauf hin, dass diese Pflanzen auch Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt bergen. Weiter berichten sie, dass die Vielblättrige Lupine aus Nordamerika stammt, wo sie sich mittlerweile wie bei uns weit verbreitet habe. Sie kann Wurzelausläufer bilden und besitzt eine lange Pfahlwurzel. Ihre Samen bleiben im Boden länger als 50 Jahre keimfähig, wissen die Fachleute. Die Lupine ist bei Bienen und Hummeln als Weide sehr beliebt. Nach der Bestäubung bilden sich Samenkapseln, die mit Erreichen der vollen Reife aufplatzen und die Samen in der näheren Umgebung verteilen.

Sehr anspruchslos

Jonas Ständer hebt hervor: „Die Lupine ist eine invasive, nicht einheimische Pflanzenart, ein sogenannter Neophyt." Sie breite sich sehr schnell aus und verdränge konkurrenzschwache einheimische Arten. "Sie ist sehr anspruchslos, was ihre Umgebung und den Boden angeht." Was nicht passe, werde passend gemacht: Mit Hilfe von Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln sei sie in der Lage, Luftstickstoff im Boden anzureichern. "Diese Wirkung, die den Boden fruchtbarer macht, ist nicht überall erwünscht. Das ist vor allem auf mageren Standorten ein Problem."

Die sogenannte „Aufdüngung“ führe dem mageren Untergrund Stickstoff und durch die Wurzeln Nährstoffe zu. "Somit verschlechtert sich die Lebensgrundlage gerade für speziell an Magerstandorte angepasste Pflanzen, wie zum Beispiel Arnika, Borstgras oder Knabenkräuter." Auch in landwirtschaftlich genutzten Wiesen sei die Vielblättrige Lupine unbeliebt, da sie zum einen Bitterstoffe enthalte und zum anderen giftig für den Menschen und einige Weidetiere sei.

Genehmigungspflichtig

Wie die Verantwortlichen im Naturpark Steinwald weiter berichten, wird die Vielblättrige Lupine von Fachleuten und Naturschutzverbänden kritisch betrachtet, da sie einheimische Pflanzen, die zum Teil bereits selten geworden sind, von Magerstandorten verdränge. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei das Ausbringen der Lupine daher in der freien Natur auch genehmigungspflichtig. Wegen der negativen Auswirkungen sollte eine Ausbreitung der Lupine unbedingt eingedämmt werden, meinen die Naturpark-Verantwortlichen.

„Einzelpflanzen können mit der Sense oder Sichel schnell vor dem Ausreifen der Samen abgeschnitten werden. Anfangs aufwendig, aber erfolgreicher lassen sie sich mit einem Ampferstecher entfernen. Zur Bekämpfung von Massenbeständen kommen Mahd und Beweidung zum richtigen Zeitpunkt infrage“, informiert Jonas Ständer.

Das Artenhilfsprogramm Flussperlmuschel stand im Mittelpunkt einer Exkursion im Steinwald

Friedenfels
Mittlerweile hat sich die Vielblättrige Lupine auch im Naturpark Steinwald weit verbreitet. Vor allem an Straßenrändern und Böschungen (Bild) sowie in lichten Wäldern ist sie häufig anzutreffen.
Wenn Lupinen überhandnehmen, kommen Mahd oder Beweidung zum richtigen Zeitpunkt infrage.

„Einzelpflanzen können mit der Sense oder Sichel schnell vor dem Ausreifen der Samen abgeschnitten werden."

Naturpark-Ranger Jonas Ständer

Naturpark-Ranger Jonas Ständer

 

 

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