(bsc) In der Schlossschänke trafen sich die Storchenfreude aus dem Erholungsort zu einer Saison-Rückschau. Große Freude herrschte bei Robert Mertl: Zu dem Treffen kam neben Christiane Geidel, Mitarbeiterin des Landesbund für Vogelschutz (LBV), auch Dr. Philipp Wagner. Er war früher Bezirksgeschäftsstellenleiter des LBV in Bayreuth und ist jetzt Kurator für Forschung und Artenschutz beim Allwetterzoo Münster. Zusammen mit ihm hatte Mertl im letzten Jahr hinter dem Frauenreuther Weiher drei Jungtiere in die Freiheit entlassen.
Seitdem gehörte Meister Adebar zum Friedenfelser Ortsbild - vor allem seit die Storchenfreunde im Ortsteil Frauenreuth ein zweites Nest errichtet hatten. Eine über 20 Meter lange Fichte wurde aus dem Steinwald zum Frauenreuther Weiher transportiert und auf 17 Meter Höhe ein großer Weidenkorb an der Baumspitze fest verschraubt und zusätzlich mit mehreren Verstrebungen gegen Sturm und Unwetter gesichert. Seitdem bauten Störche an den Nestern in Frauenreuth und auf dem Brauereischlot. Nur mit dem Nachwuchs wollte es in diesem Jahr noch nicht so recht klappen.
Robert Mertl sowie Dr. Philipp Wagner wussten aber bei den Treffen, dass junge Störche sich erst im zweiten Jahr paaren und für Nachwuchs sorgen. Meist waren es auch nur Männchen, die an den Nestern im Erholungsort bauten und mit lauten Geklapper ein Weibchen anlocken wollten. Was Dr. Philipp Wagner besonders freute, war die große Euphorie um die Weißstörche im Erholungsort. „Ich habe schone zahlreiche Freilassungen von Weißstörchen begleitet." Doch eine derartige Begeisterung wie in Friedenfels habe er selten verspürt, meinte der Kurator. Fast täglich gingen bei ihm und Robert Mertl Mitteilungen über Weißstorchsichtungen und über Beobachtungen durch die Storchenfreunde ein. Auch viele Friedenfelser hätten von ihren Beobachtungen berichtet - auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit.
Besonders manche Flugkünste beeindruckten Einheimische und Urlaubsgäste. Dr. Philipp Wagner: „Störche gelten mit ihren zwei Metern Flügelspannweite als wahre Segelflieger. Sie steigen mit warmen Aufwinden in die Höhe, um dann streckenweise im Gleitflug lange Strecken zu fliegen. Auch bei ihren alljährlichen Flug in die Winterquartiere nutzen sie diese Technik." Dies koste sie weniger Energie als die kräftezehrenden Flügelschläge, erklärte der Kurator für Forschung und Artenschutz. Da über den Meeren kaum Aufwinde entstehen, nutzen die Störche zum Überqueren die Meerengen Bosporus im Osten und Gibraltar im Westen.
Unsere Störche sind meist „Westzieher“. Sie überqueren das Mittelmeer über Gibraltar, um dann in den Savannen Westafrikas zwischen dem Senegal und Kamerun zu überwintern. Die „Ostzieher“ fliegen über den Bosporus und den Nahen Osten nach Nordafrika, um von dort entlang des Nils in die ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebiete zu gelangen. Der alljährliche Zug nach Süden ist den Vögeln angeboren, informierte Dr. Philipp Wagner weiter. Die jungen Störche starten meist zwei bis drei Wochen vor den Altvögeln nach Afrika. Es ist nicht die Kälte, sondern die Nahrungsknappheit bei geschlossener Schneedecke im Winter, die die Tiere zum langen Zug in den Süden zwingt, sagt Dr. Philipp Wagner.
Viele Störche die die Westroute nehmen, überwintern mittlerweile auch in Spanien. Bleibt zu hoffen dass im nächsten Frühjahr eine gesunde Rückkehr aus dem Winterquartier erfolgt, so der einhellige Tenor der Versammlung. Denn viele Voraussetzungen für eine dauerhafte Ansiedelung sind mittlerweile im Erholungsort geschaffen. Neben den bereits vorhandenen reichlichen Nahrungsangebot wurden in den letzten Monaten zudem weitere Biotope in günstiger Entfernung zu den Nestern der Störche angelegt. Beibehalten will man im nächsten Jahr auch wieder verschiedene Treffen und Versammlungen der Storchenfreunde. Der Erfahrungsaustausch, die Beobachtungen und Fotos der begeisterten Natur- und Storchenfreunde, haben nämlich manche Erkenntnisse um eine dauerhafte Ansiedelung gebracht, wusste Robert Mertl.
Friedenfels
24.07.2018 - 13:40 Uhr
Storchenfreunde hoffen auf Nachwuchs

Zu einer Saison-Rückschau trafen sich die Friedenfelser Storchenfreunde in der Schlossschänke. Robert Mertl (Zweiter von links) freute sich bei der Zusammenkunft über die Anwesenheit der Mitarbeiterin des Landesbund für Vogelschutz Christiane Geidel (Dritte von rechts) und von Dr. Philipp Wagner (Mitte), Kurator für Forschung und Artenschutz beim Allwetterzoo Münster.
bsc
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