30.06.2019 - 16:27 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Teichwirte im Landkreis Tirschenreuth wollen Zuschüsse und höhere Preise

Die Sorgen und Nöte der hiesigen Berufsfischer sind hinlänglich bekannt. Tierische Feinde und zu geringe Preise für ihre Erzeugnisse treiben viele Betriebe in Richtung Aufgabe. Jetzt soll es Umweltminister Thorsten Glauber richten.

Umweltminister Thorsten Glauber (Siebter von links) war der Einladung der Landtagsabgeordneten Tobias Gotthardt (Freie Wähler), im Bild rechts und Tobias Reiß (CSU), Zweiter von links gefolgt und diskutierte mit den Betroffenen über die Zukunft der Teichwirte im Landkreis.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Mittlerweile ging es nicht mehr nur um die eigene Existenz, sondern vor allem auch um die einer Nachfolgegeneration. Ziel sei es jetzt die Betriebe auf eine vererbbare Basis zu stellen, formulierte Hans Klupp, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberpfalz. Er und weitere Sprecher forderten vor allem eine völlig neue Zuschusskultur für Firschwirtschaftsbetriebe. Man müsse hin zu neuen Förderstrukturen, sollen die Fischerei und damit die in Jahrhunderten gewachsene artenreiche Kulturlandschaft erhalten bleiben. Eine Grundförderung ähnlich wie bei der Landwirtschaft, die Fischer sprachen von 1000 Euro pro Hektar, wären nicht zu viel für die geleisteten Dienste.

Schon immer biologisch

Die Oberpfälzer Karpfenbetriebe produzierten schon seit jeher biologisch und ökologisch. Genau das, was im Artenschutzprogramm des Volksbegehrens gefordert werde, sei in der hiesigen Teichwirtschaft Usus. Deshalb sei das Zeitfenster jetzt günstig, um eine neue Förderbasis zu etablieren. Es sei zu wenig, wenn die Förderung sich nur auf zwei Jahre beschränke, so wie sie ein Landwirt bei der Umstellung von konventionell auf Bio erhalte. "Unsere Betriebe sind seit jeher Biohöfe", argumentierte die Runde. Förderung alleine reiche aber nicht aus. Auch das Bioprodukt Karpfen müsse endlich angemessen bezahlt werden. Hans Klupp meinte: "Ich bin seit 40 Jahren Fischer und in dieser Zeit ist der Preis für Karpfen immer gleich geblieben.

Deshalb werde derzeit auch versucht in der Produktion etwas zu verändern und die Bioware in den Ballungszentren vermehrt auf den Tisch zu bringen. Ein Verarbeiter der sich zertifizieren lassen wolle, stehe bereit und mit der Friedenfelser Naturlogistik habe man einen Betrieb an der Hand, der den Vertrieb organisiert. Dazu erklärte deren Geschäftsführer Thomas Schultes, dass sich die Firma seit einem Jahr damit beschäftige hiesige Bio-Lebensmittel in anderen Regionen zu verkaufen. Der Sprecher sei selbst lange durch Deutschland und habe nach Möglichkeiten gesucht, Großkunden zu generieren. Dabei habe er auch immer den Karpfen im Gepäck gehabt. Alle Händler die er ansprach sagten, dass er zu verkaufen wäre. Dabei spielten aber auch Dinge wie Verpackung, Fracht und Kühlketten eine Rolle. Sei das gewährleistet, könne derzeit auf etwa 600 Kunden zugegriffen werden, wo man versuchen könnte den Oberpfälzer Karpfen mit zu etablieren.

Die Zeit ist reif

Der Präsident von Naturland Deutschland, Hubert Heigl sagte, dass nach dem Volksbegehren die Zeit reif dafür wäre, diese Kulturlandschaft zu erhalten. Die Bewirtschaftung in dieser traditionellen Weise müsse sich in der Förderung positiv niederschlagen. Überhaupt ginge es um die Förderung ökologischer und regionaler Erzeugnisse. Als Kernforderung stellt er sich vor, dass mindestens 30 Prozent des Angebots in öffentlichen und staatlichen Kantinen aus ökologischer Produktion stammen müssten. Da passe ein Öko-Karpfen aus der Oberpfalz hervorragend dazu. Förderung sei ein Baustein, ein anderer der gewinnbringende Verkauf der Produktion.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Ely Eibisch bezifferte die Zahl der Landwirte mit 1500. Davon seien die Hälfte auch Teichwirte. Schon deshalb habe der BBV großes Interesse daran, wie sich mehr Geld in der Region bei den Teichwirten generieren lasse. Er sehe da auch Gestaltungsmöglichkeiten seitens des Freistaats. Nur mit Flächenförderung sei zu gewährleisten, dass diese Art der Teichwirtschaft nachhaltig betrieben werden könne. "Darauf muss der Fokus liegen."

Der Vizepräsident des Landesfischereiverbands, Alfred Stier bezeichnete das Volksbegehren "Rettet die Bienen" als super Marketingaktion, die zum Staatsauftrag wurde und mittlerweile Chefsache im Maximilianeum sei. "Es wir sich was ändern in Bayern", zitierte er Ministerpräsiden Markus Söder. Deshalb müsse man die biologische Produktion hierzulande noch deutlicher herausstellen. Hinter allen Forderung dürfe nicht vergessen werden, dass die Karpfenteichwirtschaft auch Hochwasserschutz bedeute und damit einen Staatsauftrag erfülle.

Karpfen ist Markenzeichen

Landrat Wolfgang Lippert bezeichnete den Karpfen als ein Markenzeichen des Landkreises. "Wir müssen unsere Fische pflegen und hegen, denn die ganze Teichwirtschaft steht wirklich vorm Kippen." Er sehe aber keine Chancen auf Lösungen von heute auf morgen. Doch müsse man den Teichwirten schnell eine solche anbieten. "Je mehr Besatz, umso mehr Förderung, damit sich die Arbeit rentiert", war sein Vorschlag. Bürgermeister Toni Dutz schlug in eine altbekannte Kerbe und sagte: Wenn es nicht gelingt die tierischen Fischfeinde zu besiegen, wird es diese Landschaft künftig nicht mehr geben. Bei den Teichwirten ist es fünf nach 12, was das Überleben betrifft.“ Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) erklärte, dass er vertraut sei mit der hiesigen Fischerei und um die Probleme wisse. Er bewertete Kormoran- und Bibermanagment als erfolgreich. Mit dem Fischottermanagement beginne man bewusst im Landkreis Tirschenreuth. Immer strengere Rahmenbedingungen machten die Situation aber auch immer komplizierter.

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