09.02.2020 - 14:44 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Vertrauen durch ehrliche Information

Bei der Jahrestagung des Arbeitskreises Luchs Nordbayern kommen auch unerfreuliche Erfahrungen zur Sprache. Nötig ist ein ehrlicher Umgang ohne Schönreden oder Pauschalverurteilungen.

Das Interesse an der Jahrestagung des Arbeitskreis Luchs Nordbayern war gewaltig. Die bereitgestellten Stühle im großen Saal der „Schlossschänke“ reichten nicht.
von Bernhard SchultesProfil

Von Frankfurt und aus Oberbayern waren die vielen Besucher zur Jahrestagung im großen Saal der Schlossschänke angereist. Dr. Alexander Zimmermann vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft stellte dabei die Wiederansiedelung des Auerhuhns im Naturpark Niederlausitz vor.

Mit aktuellen Informationen zu Bär, Wolf und Luchs in Bayern startete Diplombiologe Manfred Wölfl aus dem Lamer Winkel in den Abend. Er zeigte anhand von Karten auf, in welchen Gebieten die großen Beutegreifer zu Hause sind und wie viele Tiere es derzeit gibt. Das Thema Bär sei für die hiesige Region derzeit kein Thema. Ein Bildnachweis aus einer Fotofalle zeigte lediglich ein Einzeltier im Oktober vergangenen Jahres im Landkreis Garmisch-Patenkirchen.

Bei den Wölfen hingegen wurden seit 2006 insgesamt 24 Tiere in Bayern genetisch individualisiert. Zuletzt machten Fotonachweise im Manteler Forst und im Hessenreuther Wald auf den Wolf in der Region aufmerksam. Dass es dabei in Bayern nur zu einem Übergriff durch den Wolf auf Nutztiere kam, führte Wölfl auf die intensive Erprobung und Entwicklung von Präventions- und Sofortmaßnahmen zurück. "Schulungen, Vorträge, der Verleih von Zaunmaterial sowie Pilotprojekte und Exkursionen mit Herdenschutzhunden, seien hier erfolgreich verlaufen", wusste Wölfl.

Tragischer Rivalenkampf

Ein breites Arbeitsspektrum beim LfU fordere erneut der Luchs, wie der versierte Diplombiologe berichtete. Er und Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg, Vorsitzender des Arbeitskreises Luchs Nordbayern, erinnerten an die beiden freigelassenen Luchse im Steinwald. Tragisch endete ein Rivalenkampf. "Ein im vergangenen Sommer zugewanderter Luchs aus dem Harz, tötete den 2018 im Steinwald freigelassenen Luchs Hotzenplotz", so der Vorsitzende. Mittlerweile seien der zugewanderte Luchs mit den Namen Iwan und die 2016 freigelassene "Fee" ein Paar, wie auf Bildern von Fotofallen ersichtlich wurde.

Neben viel Sympathie in der Bevölkerung für die Luchsansiedelung in den letzten Jahren, musste Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg jedoch erstmals von einer "unangenehmen Eigenschaft" berichten. "Auf abgelegenen Höfen hat Iwan in den letzten Wochen mehre Hauskatzen getötet, ohne sie zu fressen". Um die Akzeptanz gegenüber den Luchsen in der Bevölkerung zu erhalten, bat Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg das LfU hier besonders wachsam zu sein und Maßnahmen einzuleiten, die für Abhilfe sorgen. Auch für Manfred Wölfl und den anwesenden Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern, Eric Imm, vom Bayerischen Jagdverband war klar, dass es irgendwann einmal zu Konflikten kommen kann.

Missstände erörtern

"Nur ein offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema Luchs kann aber die Grundlage für ein sinnvolles Miteinander schaffen." Ziel sei es deshalb, durch ehrliche Information Vertrauen aufzubauen. Weder Schönreden noch Pauschalverurteilungen seien angebracht. "Missstände im Umgang mit dem Luchs müssen erörtert und konstruktive Lösungsvorschläge angeboten werden", betonten die Beteiligten. Besonders wichtig sei wie der Arbeitskreis Luchs Nordbayern hervorhob, weiterhin Hinweise auf Luchs und Wolf. Dazu zählen die Bereitstellung und Übermittlung von Aufnahmen durch die Fotofallen der privaten Jägerschaft sowie bei entsprechender Schneelage auf mögliche Luchs- oder Wolfsspuren zu achten. Bei möglichen Hinweisen ist eine gute Dokumentation von besonderer Bedeutung für die spätere Auswertung und Bewertung. Verdächtige Fährtenfunde sind per Foto zu dokumentieren.

Bei der Jahrestagung des Arbeitskreis Luchs Nordbayern freute sich (von rechts) Vorsitzender Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg über die Anwesenheit der Experten, Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern, Eric Imm vom Bayerischen Jagdverband und Dr. Alexander Zimmermann vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.
Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg (links) dankte Dr. Alexander Zimmermann vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft (rechts) für seinen Vortrag zur Wiederansiedelung des Auerhuhns.
Im Blickpunkt:

Wiederansiedelung des Auerhuhns

Dr. Alexander Zimmermann vom Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft präsentierte bei der Jahrestagung des Arbeitskreis Luchs Nordbayern die erfolgreiche Wiederansiedelung des Auerhuhns. „Etwa ab 1970 nahmen die Bestände des Auerwilds in der Lausitz dramatisch ab. Trotz verschiedener Schutzbemühungen ließ sich das Aussterben aber nicht aufhalten. Die letzten Nachweise stammen aus den 1990er Jahren. Die Hauptursachen für das Aussterben waren die Lebensraumveränderungen, die durch eine holzorientierte Forstwirtschaft, den Braunkohletagebau sowie den Betrieb von Truppenübungsplätzen und die Umweltverschmutzung verursacht wurden“, informierte der Referent. Eine Rolle spielten aber auch die Tierverluste durch Verkehrswege, Zäune und Stromleitungen. Erhöhte Wildschwein- und Raubwildbestände trugen vermutlich ebenso zum Aussterben bei, da Auerhühner Bodenbrüter sind und ihre Jungen in der Beerkrautvegetation großziehen. Zu hohe Schalenwildbestände waren weiterhin ein Problem, weil dadurch die Beerkräuter zu stark beäst wurden, die für die Auerhühner als Nahrung und Deckung gleichermaßen lebenswichtig sind. Weiterhin trug ebenso eine zu starke jagdliche Nutzung des Bestandes zum Verschwinden des Vogels in der Lausitz bei. Dr. Alexander Zimmermann: „Viele der Lebensraumveränderungen, die zum lokalen Aussterben der Art beitrugen, sind heute nicht mehr wirksam. Der militärische Übungsbetrieb und der Bergbau wurden eingestellt. Die Umweltverschmutzung ging deutlich zurück, was die Beerkrautentwicklung begünstigte. Zusätzlich wurden Maßnahmen zum naturnahen Waldumbau und zur Wiedervernässung von Mooren eingeleitet. All dies trug zur Verbesserung der Auerhuhnlebensräume bei“.

Gleichzeitig wurde aber auch die naturnahe Waldentwicklung gefördert, die vielen anderen Tier- und Pflanzenarten nützt, informierte der Referent weiter. Ziel dabei sei der Aufbau einer sich selbst erhaltenden Auerhuhn-Population. Da Wiederansiedlungen mit Gehegetieren in der Vergangenheit weitgehend erfolglos waren, werden in der Niederlausitz schwedische Wildfänge freigesetzt. Die Tiere stammen aus einer gesunden Population in Mittelschweden, berichtete Dr. Alexander Zimmermann. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet. Zur Aufenthaltsbestimmung der Auerhühner in ihrem neuen Lebensraum werden auch neueste Techniken zur Überwachung eingesetzt.

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