Friedenfels
05.02.2019 - 11:17 Uhr

Vom Vorharz in den Steinwald

Ihr gemeinsamer Traum von einer kleinen Pension schlummerte seit Jahren. Bei einer Kur ist bei Sabine Friebus der Entschluss gereift, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Ihr Mann Stefan war sofort dabei.

Im Flur der Pension grüßt ein Gemälde, das den Weißenstein im Steinwald zeigt, die ankommenden Gäste. Sabine (links) und Stefan Friebus wissen mittlerweile viel über das herrliche Wandergebiet und beraten ihre Gäste auch bei ihren Ausflügen. Bild: bsc
Im Flur der Pension grüßt ein Gemälde, das den Weißenstein im Steinwald zeigt, die ankommenden Gäste. Sabine (links) und Stefan Friebus wissen mittlerweile viel über das herrliche Wandergebiet und beraten ihre Gäste auch bei ihren Ausflügen.

Sie haben sich in den Steinwald verliebt. „Wir haben unseren Entschluss noch keine Minute bereut“, sagen Sabine und Stefan Friebus, gemütlich im Aufenthaltsraum der Pension „Steinwaldblick“ in Friedenfels sitzend, übereinstimmend im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Dabei hätten sie es - beide sind mittlerweile über 60 - im Unruhestand auch leichter haben können. Sie wohnten in einem extra nach ihren Wünschen im Jahr 2002 erbauten Einfamilienhaus in Heteborn, in Sachsen-Anhalt. „Bei der Anfahrt nach Heteborn hat man einen besonders schönen Ausblick auf die Höhenzüge des Harzvorlandes, die Talaue der Selke und den Harzrand. Auch der Brocken ist nicht weit“, erzählt Stefan Friebus.

"Dennoch, ein Neuanfang war immer in unseren Köpfen." Der Auslöser kam bei einer Kur. Sabine Friebus: „Ich habe die Kur bekommen, weil ich total überarbeitet war.“ Sie war hauptberuflich Erzieherin in einer Kindertagesstätte und „nebenbei“ ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Selke-Aue, eine über 1500 Einwohner zählende Kommune im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Sie entstand im Jahr 2010 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Wedderstedt, Heteborn und Hausneindorf, die nordöstlich von Quedlinburg liegen.

Nachdem Sabine Friebus das Bürgermeisteramt zuvor schon für Heteborn innehatte, wurde sie nach der Gebietsreform und der Gründung der Gemeinde Selke-Aue von den Bürgern der drei Ortsteile zum neuen Gemeindeoberhaupt gewählt. „Ein Job, der unendlich viel Arbeit mit sich brachte und sehr komplex durch die drei einstigen Ortsteile war. Ich war Tag und Nacht gefordert und habe nur noch wenig geschlafen,“ berichtet die sympathische Neu-Bayerin. "Bei der Kur hatte ich nach Jahren erstmals wieder Zeit für mich", sagt Sabine Friebus schmunzelnd. "Ich erinnerte mich an unseren gemeinsamen Traum, irgendwann einmal ein kleines Hotel oder eine kleine Pension zu betreiben. Vor lauter Arbeit sind wir aber nie dazu gekommen. Und ich wusste, wenn wir es jetzt kurz vor dem 60. Geburtstag nicht anpacken, dann schaffen wir das nie." Sabine Friebus scherzt: "Andere suchen sich bei einer Kur einen Kurschatten oder einen neuen Partner. Ich wollte, dass unser Traum Wirklichkeit wird.“

Gleich nach dem Ende der Kur suchte Stefan Friebus deshalb im Internet und in Zeitungen nach Pensionen und kleinen Hotels, die zum Verkauf standen. „Wenn ich von der Arbeit heim kam, zeigte er mir die Objekte und hatte für die freien Wochenenden schon die Touren für die Besichtigungsfahrten zusammengestellt. Über den Harz, das Weserbergland und Thüringen reichten dabei unsere Ausflüge und Erkundungen. Insgesamt waren es 43 Objekte, die wir besichtigt haben." Jedoch habe keines zu einhundert Prozent den Vorstellungen entsprochen. „Entweder waren sie zu groß, zu renovierungsbedürftig oder mit einer Gaststätte. Das wollten wir aber nicht", meint Sabine Friebus. "Eines Abends präsentierte er mir fünf Objekte in Bayern. Wieso nicht, dachte ich mir, obwohl wir Bayern vorher nicht auf unserem Schirm hatten.“

An einem Wochenende ging es deshalb auf nach Bayern, über Bad Berneck, Friedenfels bis nach Bayerisch-Eisenstein. "Bei unserem Stopp in Friedenfels und vor der Weiterfahrt in den Bayerischen Wald hat uns die Pension der Familie Schön in Friedenfels eigentlich gleich entsprochen und auch sehr gut gefallen", so Sabine Friebus. „Aus der könnte man was machen“, war sich Stefan Friebus sofort sicher. "Doch da bereits ein anderer Käufer im Spiel war, unternahmen wir nichts und fuhren weiter in den Bayerischen Wald."

Bei der Rückfahrt jedoch steuerten sie nochmals den Erholungsort im Steinwald an. „Wir erkundeten bei einem Spaziergang den Ort und schauten uns mit dem Auto die nähere Umgebung an. Dabei hat es irgendwie Klick gemacht“, berichten beide. Sie setzten ab diesem Zeitpunkt alles daran, die Pension zu kaufen. Mit dem Besitzer, der Familie Schön, war man sich schnell einig. Ein Makler jedoch hatte noch den weiteren Interessenten am Haken. „Letztendlich jedoch bekamen wir, als wir schon wieder zu Hause in Heteborn waren, die Nachricht, dass wir die Pension haben können.“ Die Freude beim Ehepaar Friebus war riesig. Die Vorbereitungen für den Umzug nach Bayern konnten beginnen. „Da auch meine Amtszeit als Bürgermeisterin zu Ende ging und ich mich für eine weitere Kandidatur nicht mehr zur Verfügung stellte, war der Abschied leichter“, erzählt Sabine Friebus.

Mittlerweile sind zwei Jahre seit dem Umzug vergangen und das Ehepaar Friebus hat die Pension nach seinen Wünschen und Vorstellungen eingerichtet. „Sechs total sanierte Zimmer, ein großer Aufenthaltsraum und ein großer Garten, was will man mehr,“ lacht Sabine Friebus. „Rausholen werden wir das investierte Geld nicht mehr, obwohl die Pension seit dem Kauf fast immer ausgelastet ist. Da müssten wir beide nochmal 30 sein“, fügt Stefan Friebus an und ist sich trotzdem sicher, dass es der richtige Weg war. Ob ihre Kinder einmal Interesse an der Pension im Steinwald haben, wissen sie nicht. Mal schauen, was die Zukunft bringt, ist deshalb ihr Motto.

„Wir haben uns sehr gut eingelebt“, sagen sie und danken ihren Nachbarn. „Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit ist seit unserer Ankunft enorm.“ Während sich Sabine Friebus im Fremdenverkehrsverein engagiert, hat Ehemann Stefan seine Heimat beim Kleintierzuchtverein gefunden. Viele Titel und Erfolge hatte er schon in seiner alten Heimat mit seinem Hobby gesammelt. Er züchtete auf einem eigens gepachteten 2000 Quadratmeter großen Grundstück Hühner, Kaninchen und Schafe. "In meiner Drangzeit hatte ich sogar Minikühe und Nandus.“ Viele herrliche Pokale und Trophäen in seinem neuen Heim zeugen von seinem großen Hobby. Seine Erfahrung sowie die Tipps und Ratschläge sind deshalb im hiesigen Verein willkommen.

Sabine Friebus ist die „Chefin“ der Pension „Steinwaldblick“. Beim Zimmerservice hilft Ehemann Stefan gerne. Bild: bsc
Sabine Friebus ist die „Chefin“ der Pension „Steinwaldblick“. Beim Zimmerservice hilft Ehemann Stefan gerne.
Das Ehepaar Friebus hat die Pension nach seinen Wünschen und Vorstellungen eingerichtet. Bild: bsc
Das Ehepaar Friebus hat die Pension nach seinen Wünschen und Vorstellungen eingerichtet.
Erinnerungen an die alte Heimat: Tierliebhaber Stefan Friebus hat viele Pokale und Trophäen als Kleintierzüchter errungen. Bild: bsc
Erinnerungen an die alte Heimat: Tierliebhaber Stefan Friebus hat viele Pokale und Trophäen als Kleintierzüchter errungen.
Auch im Aufenthaltsraum legt Stefan Friebus Hand an. Kleine Reparaturen und Wünsche seiner Frau erledigt er gerne. Bild: bsc
Auch im Aufenthaltsraum legt Stefan Friebus Hand an. Kleine Reparaturen und Wünsche seiner Frau erledigt er gerne.
 
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