Als 1971 das vier Hektar große Wildgehege beim Waldhaus gebaut wurde, ahnten die Gründungsväter Forstdirektor Wolfram Geuß und der Hauptkassier des Naturparks Steinwald, Otto Purucker, nicht, welch großen Zuspruch und Interesse das Rotwildgehege einst erfahren würde. Vor allem im Sommer kommen viele Wanderer und Familien mit Kindern sowie Schulklassen zum Gehege und verfolgen das Leben von Hirsch Xaver, Hirschkuh Sissi und dem weiteren Kahlwild hautnah.
„Für uns war es damals ein finanzieller Kraftakt“, erinnert sich Otto Purucker aus Erbendorf. Zusammen mit Wolfram Geuß, Heinrich Freiherr von Podewils und Hermann Koetzle hatte er eineinhalb Jahre vorher den Naturpark Steinwald gegründet. Durch die Unterstützung von Ämtern und Forstbehörden sowie durch den breiten Einsatz der Bundeswehr beim Bau des Geheges sahen sich die Verantwortlichen jedoch bald auf dem richtigen Weg. Noch heute loben Mitglieder des Naturparks das damalige Engagement der 1992 aufgelösten Panzerpionierkompanie 100 aus Weiden. Mit ihren schweren Fahrzeugen und Soldaten ebneten sie die Fläche für die spätere Einzäunung und verhalfen somit dem Naturpark Steinwald zu einem ersten Ziel.
Schon bald nach der Fertigstellung wurde das Wildgehege auch mit Tieren besetzt. Förster Norbert Reger erinnert sich dabei noch ganz genau an die Nacht, als der erste Hirsch ins Gehege gebracht wurde. Zusammen mit Forstdirektor Wolfram Geuß und dem Besitzer des Berggasthofs Zrenner in Pfaben, Gottlieb Zrenner, mussten sie aufgrund des damaligen Ereignisses eine Nachtwache am Gehege absolvieren. „Es versteht sich dabei von selbst, dass diese künftige Attraktion für den Naturpark Steinwald auch gebührend gefeiert werden musste. Es wurde deshalb ein wenig feucht-fröhlich in der Nacht“, lacht Norbert Reger.
Da bei der Haltung von Wildtieren in Gehegen auch damals schon die relevanten Gesetze beachtet werden mussten, brauchte man für die Betreuung des Geheges eine Aufsichtsperson. 1973 übernahm dies der Waldfacharbeiter Otto König aus Haselbrunn bei Pullenreuth. Bis zu seinem Tod 1989 verrichtete Otto König dieses Amt und hatte stets Gefallen an dem nicht alltäglichen Hobby, weiß Schwiegersohn Volker Pöhlmann.
Nach dem Tod seines Schwiegervaters musste rasch ein Nachfolger diese Aufgaben übernehmen. „Da diese Arbeit bis dahin unsere Familie verrichtet hatte, sprang ich halt kurzer Hand ein. Daraus sind mittlerweile 30 Jahre geworden“, lacht Volker Pöhlmann. Dass ihm die Arbeit immer noch sichtlich Spaß macht, obwohl die Vorschriften und Aufgaben gegenüber früher viel umfassender geworden sind, sieht man dem agilen Rentner an. Täglich fährt der einstige Postbote mit seinem Auto vom Wohnort Haselbrunn zum Gehege und kümmert sich um die derzeit sieben Tiere. „Wir müssen auch im Sommer füttern, das Gras auf den Freiflächen im Gehege reicht nämlich auch im Sommer für die Tiere nicht aus“, erzählt Volker Pöhlmann.
Jetzt im Winter ist der Tisch reichlich gedeckt. In zwei Vorratshütten bewahrt Volker Pöhlmann das benötigte Futter auf. Neben Heu hat er Grascobs, gequetschten Hafer, altes Brot und Semmeln, Kraftfutter und 160 Zentner Futterrüben vorrätig. Dass er den Job so gerne macht, liegt auch an dem guten Verhältnis zu den Verantwortlichen des Naturparks Steinwald, den Forstbehörden und dem Tierarzt, der hin und wieder mal gebraucht wird und auch stets nach dem Rechten schaut, berichtet Volker Pöhlmann.
Zu seinen Aufgaben am Gehege begleitet ihn mittlerweile ab und zu sein zweieinhalbjähriger Enkel Simon, der vor allem jetzt im Winter die Tiere unter der Aufsicht seines Opas gerne füttert. „Das wird einmal mein Nachfolger“, scherzt Volker Pöhlmann, als ihn Oberpfalz-Medien bei einer Fütterung begleiten. Während Hirsch Xaver und das weitere Kahlwild auf das Futter in geringem Abstand warten, zeigt Hirschkuh Sissi überhaupt keine Scheu und lässt sich sogar von Simon streicheln. Dies hat eine besondere Bewandtnis, meint Pöhlmanns Tochter Christina Pscherer und erzählt: „Als ich 2006 eines Tages nach Hause kam, war im Wohnzimmer von meinen Eltern mein einstiger Kinderlaufstall aufgebaut. Ich glaubte meinen Augen nicht, darin war ein einwöchiges junges Hirschkind.“
Ihr Vater hatte es im Gehege gefunden, völlig entkräftet und ausgemergelt. "In Absprache mit dem herbeigerufenen Tierarzt wurde es bei uns zu Hause mit einer Pipette aufgepäppelt und erhielt den Namen Sissi." Nachdem es der Gesundheitszustand zuließ und Sissi bei vollen Kräften war, wurde sie wieder ins Gehege zurückgesetzt. „Seitdem hat sie ein besonderes Verhältnis zu uns und auch zu vorbeikommenden Wanderern und Skilangläufern. Als einziges Tier kommt sie oft direkt an den Zaun und erfreut manche Besucher“, erklärt Volker Pöhlmann.
Dass die Arbeit von Volker Pöhlmann nicht nur auf das tägliche Füttern beschränkt ist, wissen auch die Verantwortlichen des Naturparks Steinwald. Sichtkontrollen an der Zaunanlage, freie Wasserläufe, Besorgungsfahrten und das Führen eines Gehegebuches gehören auch zu den Aufgaben. Täglich trägt Volker Pöhlmann seine erledigten Arbeiten ein. Neben Futterkauf, Tierarztbehandlungen, Reparaturen, Geburten und den Zu- und Abgängen stehen darin auch der Geweihabwurf und der Stangenfund. Ganz nebenbei hat Volker Pöhlmann in all den Jahren auch viele Fotos von seinen Lieblingen geschossen. Diese bereichern sein Fotoarchiv und sind Beweis eines nicht alltäglichen Hobbys und großen Engagements um Landschaft, Tier und Natur.























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