24.07.2020 - 14:05 Uhr
Fuchsberg bei TeunzOberpfalz

Kleine Auszeit bei St. Jakob in Fuchsberg

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Pilger auf dem Jakobsweg atmen auf: Nach vier Monaten Corona-Schließung hat die Kathedrale von Santiago de Compostela am 1. Juli ihre Pforten wieder geöffnet. Neues gibt es zum Namenstag des Heiligen auch von der Jakobikirche Fuchsberg.

Die Jakobskirche bei Fuchsberg, umrahmt von Blumen am Jakobsweg und Goldsteig gelegen, ist das Ziel vieler Pilger und Wanderer. Im Jahr 2016 kam Weihbischof Reinhard Pappenberger vorbei, um das Jubiläum „250 Jahre Jakobikirche“ und den Abschluss der Innensanierung mitzufeiern.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Das Ziel ist Santiago de Compostela. Am Pilgerweg, der von Prag über den Grenzübergang Tillyschanz und Nürnberg nach Spanien führt, liegt die wunderschön sanierte Jakobskirche bei Fuchsberg. "Beim Jakowe drauß" finden Pilger eine Anlaufstation am Ende der ersten Etappe des Oberpfälzer Jakobsweges. Auch der Goldsteig, Prädikatswanderweg zwischen Marktredwitz und Passau, führt vorbei.

Generalsanierung 2016: Jakobikirche im neuen Glanz

Pfarrer Herbert Rösl wird am Sonntag, 26. Juli, den Patroziniumsgottesdienst feiern; der Namenstag des heiligen Jakobus steht am 25. Juli im Kalender. "Es ist ein Platz, wo man die Harmonie des Lebens finden kann", sagte der Geistliche bei seiner Predigt im Jahr 2019. Heuer wird er auf die aktuelle Pandemie eingehen, wie er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien verrät: "Der Jakobsweg ist ähnlich wie die Coronakrise: Er führt auf das Wesentliche zurück."

Neue Info-Tafeln

Wer auf dem Jakobsweg wandert, ist im Zeichen der Muschel unterwegs. "Auch unsere Informationsstelle hat diese Form", sagt Kirchenpfleger Ulrich Wohlgemuth. Er steht vor dem Pavillon mit den neun Informationstafeln in deutscher und tschechischer Sprache. Der Holzbau wurde anlässlich der Kirchenrenovierung und der neuen Zuwegung im Jahr 2013 mit Leader-Zuschüssen errichtet. Mittlerweile waren die Tafeln ausgebleicht und wurden deshalb rechtzeitig zum Patrozinium 2020 neu angebracht. Der Text stammt von Ulrich Wohlgemuth (Übersetzung: Hana Bubenícková) und das Layout von Franz Baumer.

Der Jakobsweg ist ähnlich wie die Coronakrise: Er führt auf das Wesentliche zurück.

Pfarrer Herbert Rösl

"Wir informieren in erster Linie über den Jakobsweg von Tillyschanz bis nach Fuchsberg. Damit wird die erste Etappe auf deutschem Boden erfasst", erklärt Wohlgemuth. Auf den jetzt größeren Tafeln ist die 2016 abgeschlossene Generalsanierung der Kirche in Text und Bild bereits dokumentiert, und auch die 2019 angelegte Blumenwiese. Die überdachte Sitzgruppe wird gerne angenommen.

"Zusammen mit der 2019 vom Tourismusverband Ostbayern errichteten Informations-Stele zum Prädikatswanderweg Goldsteig erfahren Pilger und Wanderer Wichtiges und Sehenswertes auf ihrer Tour", betont der Kirchenpfleger. Und schon kommt auch ein junges Paar aus Berlin mit großen Rucksäcken den Berg herunter und genießt die herrliche Aussicht. "Dürfen wir hier im Zelt übernachten?", fragen sie den Kirchenpfleger. Die Freude ist groß, als dieser ihnen später Wasser und zwei Flaschen Fuchsberger Bier vorbeibringt. Zehn Euro Spende für die Jakobikirche sind der Lohn für diese nette Geste.

Mesnerin mit Herz

Aber auch Mesnerin Rita Köppl ist für ihre Gastfreundschaft bekannt. Sie sperrt jeden Abend die Kirchentüre zu und ist dann oft ein "rettender Engel", wenn Müdigkeit und Hunger drücken. In der Kirchenbank erzählt sie von vielen Begegnungen und davon, dass sie nach Jahren noch Briefe und Kartengrüße erhält. "Die Dankbarkeit der Leute freut mich", meint die Pfarrhaushälterin. Hin und wieder fährt sie Pilger spätabends ins Teunzer Pfarrhaus, nicht ohne vorher ihren Kühlschrank für eine Brotzeit zu leeren. In der Übernachtung ist natürlich auch ein Frühstück enthalten.

Ester aus Tschechien blieb 2011 gleich zwei Nächte da, bevor sie nach Nabburg weitermarschierte. Manchmal gibt sie die Adresse ihrer Tochter Susanne in Guteneck preis, die auf der zweiten Etappe gerne mit Essen oder Adressen für eine Übernachtung weiterhilft. Rita Köppl weiß aus eigener Erfahrung: "Du bis froh, wenn Dich jemand aufnimmt und Dir etwas gibt, oder Dir deine nassen Schuhe trocknet." Denn auch sie ist auf dem Jakobsweg unterwegs und hat es bereits bis zum Bodensee geschafft.

Unter der Empore der Jakobikirche steht ein Pult mit Pilgerbuch und Pilgerstempel. Die Mesnerin, die dieses Amt von der Mutter und Oma übernommen hat, blättert einige Seiten zurück. Ein anonymer Eintrag am 11. März 2020 lautet: "Beschütze meine Familie in Zeiten von Corona und allem. Beschütze auch mich und hilf mir auf meinem weiteren Lebensweg. Danke."

Und Dorothea Gränzdörfter aus Siegen in Nordrhein-Westfalen schreibt am 4. Juli 2020: "Auf dem Rückweg von Fuchsberg nach Teunz und wieder bergauf fand ich diese schöne Kapelle. Allein - ich musste gleich ein Lied anstimmen. Dieser Raum lichtdurchflutet und freundlich. Es war eine wunderschöne Rast für mich auf Schusters Rappen unterwegs." Es ist bereits das siebte Pilgerbuch, welches seit 2005 auf Initiative des früheren Teunzer Pfarrers Leo Heinrich aufliegt. Auch Pfarrer Herbert Rösl ist ein Fan des Jakobswegs. Im August 2021 will er sich ab León (Frankreich) auf die letzten 300 Kilometer des "Camino de Santiago" aufmachen.

Patrozinium 2020:

Jakobifest im Stodl fällt aus

Wegen Corona fällt das weltliche Jakobifest der Feuerwehr Fuchsberg heuer aus. Das gilt auch für den Kirchenzug mit Blasmusik. Stattfinden wird dagegen die Feier des Patroziniums. Pfarrer Herbert Rösl zelebriert den Pfarrgottesdienst am Sonntag, 26. Juli, um 9 Uhr, vor der Jakobi-Kirche. Bei Regen wird in die Pfarrkirche nach Teunz ausgewichen.

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