21.04.2020 - 14:21 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

98-jähriger Opa nach Corona-Erkrankung voller Lebenslust: "Die 100 mach ich noch voll"

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Alfred Kappauf hat es geschafft: Nach zwei Wochen im Krankenhaus hat er das Coronavirus überlebt. Er ist einer von etwa 670 Genesenen im Landkreis Tirschenreuth. Das Besondere: Der Fuchsmühler ist fast 100 Jahre alt.

Alfred Kappauf aus Fuchsmühl hat das Coronavirus überlebt. Der 98-Jährige ist wieder genesen und wieder in seinem Zimmer im Senioren-Servicehaus. Das Bild zeigt ihn, als er vergangenes Jahr sein Haus mit seinem Enkel David Kappauf besuchte.
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Enkel David Kappauf und der Rest der Familie freuen sich: Opa Alfred ist zwar noch schwach, aber wieder gut im Senioren-Servicehaus in Fuchsmühl angekommen. Nach 14 Tagen im Krankenhaus hat er sein Zimmer, das er sich mit seiner Ehefrau Monika in der Einrichtung teilt, wieder bezogen.

"Mein Opa hat schon viel mitgemacht", sagt David Kappauf. "Das zieht sich irgendwie durch sein ganzes Leben." Unter anderem war er während des Zweiten Weltkriegs in Afrika in Gefangenschaft, sein Boot wurde dort versenkt. "Er war einer von 500 Überlebenden", erzählt der Enkelsohn. Außerdem war er auch an Malaria erkrankt. Bis zum 95. Lebensjahr habe sich der Großvater noch selber versorgt, dann sei er ins Senioren-Servicehaus gezogen.

Zufallsfund

Der Enkel weiß viel über seinen Opa zu berichten. Der 98-Jährige hört nicht mehr so gut, deshalb erzählt der 30-Jährige, wie es seinem Großvater während seiner Corona-Infektion ergangen ist.

Immer wieder lacht der Enkelsohn, wenn er seinen Opa beschreibt: Er ist lebenslustig und vor allem lebensfroh. Das sei ja in dem Alter nicht immer selbstverständlich, ist sich David Kappauf über den guten gesundheitlichen Zustand des Opas bewusst. Dass bei dem 98-Jährigen Covid-19 festgestellt wurde, "war ein Zufallsfund", berichtet der Enkel.

Am 1. April stürzt Alfred Kappauf, weil er sich schwach fühlt, außerdem klagt er über Bauchschmerzen. Er kommt ins Krankenhaus nach Marktredwitz. "Es war Zufall, dass dabei auch die Lunge untersucht wurde", sagt David Kappauf. Dabei zeigen sich typische Corona-Merkmale. Alfred Kappaufs Sohn und Davids Vater Helmut arbeitet als Pfleger in der Marktredwitzer Klinik und veranlasst laut dem 30-Jährigen die Verlegung des 98-Jährigen ins Krankenhaus nach Selb.

Dass sich der Patient mit dem Coronavirus infiziert hat, teilt ihm Sohn Helmut mit. "Darauf hat mein Opa gefragt: 'Das war's jetzt, oder?'", erzählt David Kappauf. Sein Vater wiederum habe darauf erwidert, dass er das schon schaffe - wohl in dem Bewusstsein, dass das ob des hohen Alters nicht sehr wahrscheinlich sein könne. "Aber das konnte mein Vater meinem Opa ja so nicht sagen", meint David Kappauf. Weil ja schon einige Zeit keine Besuche in Altenheimen und Krankenhäusern erlaubt waren, "war es schon Zufall, dass sich die beiden da noch gesehen haben", sagt der Enkel und meint damit das Zusammentreffen von Vater und Sohn im Marktredwitzer Krankenhaus.

Nach der Verlegung nach Selb bekommt Alfred Kappauf leichtes Fieber, auf die Intensivstation muss er nicht. "Er hat nur Sauerstoff bekommen", berichtet der Enkelsohn. "Er wollte auch schon wieder heim", sagt er weiter und lacht ob des Optimismus' seines Großvaters. "Wir haben alle schon auf einen schlimmen Verlauf gewartet", sagt er weiter. Denn der trete ja oft erst nach ein paar Tagen auf. "Aber der ist nicht gekommen."

Super, dass er überlebt hat

Alfred Kappauf aus Fuchsmühl hat das Coronavirus überlebt. Der 98-Jährige ist wieder genesen und wieder in seinem Zimmer im Senioren-Servicehaus. Das Bild zeigt ihn, als er vergangenes Jahr sein Haus mit seinem Enkel David Kappauf besuchte.

Nachdem der letzte Test negativ ausgefallen ist, kann der 98-Jährige vergangenen Donnerstag (16. April) nach zwei Wochen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. "Er ist zwar jetzt immun, besuchen dürfen wir ihn aber dennoch nicht", bedauert David Kappauf. Alfreds Ehefrau Monika hat sich übrigens nicht bei ihrem Ehemann mit dem Virus angesteckt.

David Kappauf beschreibt seinen Opa als lustigen Menschen: "Den Brief von Bundespräsident Walter Steinmeier zum 100. Geburtstag will er sich auf jeden Fall noch holen, sagt er immer." Und: "Er ist lebensfroh und will weiterleben." Was der Großvater auch immer wieder betone: "Ach, die 100 mach ich noch voll." Abgesehen vom schlechten Gehör sei der Opa noch fit.

Auch eine Krebserkrankung im hohen Alter habe er "weggesteckt". Damals habe auch ein Onkel Davids, der Onkologe ist, gesagt: "Der Krebs wächst so langsam, das tötet ihn nicht mehr." "Mein Opa ist einfach eine Frohnatur", sagt der Enkel. "Er findet's auch super, dass er das überlebt hat."

Info:

Notfalldienstpläne bisher noch nicht gebraucht

Zu den Schritten in Zeiten der Corona-Pandemie sagt Andreas Neugirg, Fachbereichsleiter des Sozialteams: "Wir haben bereits vor dem Shutdown entsprechende Schutzmaßnahmen umgesetzt." Dies seien zum Beispiel Absagen von Veranstaltungen, Anpassung der Hygienevorschriften oder auch die Schutzmaßnahmen nach oben zu fahren. Nach Verordnung des Betretungsverbots seien die Konzepte auch nochmal angepasst worden. "Wir haben für eine eventuelle Krisensituation unter anderem auch Notfalldienstpläne eingerichtet", sagt Neugirg weiter. Die hätten bisher aber in den Senioreneinrichtungen des Sozialteams noch nicht umgesetzt werden müssen.

Dass das Risiko einer Virusverbreitung in allen Einrichtungen, in denen mehrere Menschen auf engerem Raum leben, sehr dynamisch sein kann, das weiß auch der Fachbereichsleiter. "Das Virus ist extrem präsent." Es sei wichtig, generell die Lage täglich neu zu bewerten. Damit dies gelingt, habe man Steuerungs- und Monitoring Systeme implementiert. Das Sozialteam betreibt neben Fuchsmühl auch Senioren-Servicehäuser in Neusorg und Waldershof sowie in Hainsacker.

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