27.02.2020 - 18:11 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Flatterulme und Elsbeere statt Fichte und Kiefer

Förster testen wegen des Klimawandels neue Baumarten im Steinwald. Eckhard Deutschländer unternimmt mit Interessierten eine Exkursion in die Zukunft.

Eckhard Deutschländer erklärt den Besuchern die Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten von Esskastanie und Douglasie.
von Externer BeitragProfil

Viele Wälder werden künftig ganz anders aussehen. Mögliche Alternativen für Fichte, Kiefer und Eiche sind Bäume wie Esskastanie, Flatterulme und Elsbeere. Was es mit diesen Bäumen auf sich hat, erfuhren Teilnehmer an einer Exkursion im Steinwald-Revier „Augsburger Stadtwald“.

Auf Einladung der ÖDP machte Revierförster Eckhard Deutschländer mit interessierten Teilnehmern eine Exkursion in den Wald. Entlang des Walderlebnispfads zeigte der Förster die Auswirkungen des Klimawandels auf die moderne Waldbewirtschaftung. „Das, was wir vor über 20 Jahren gelernt haben, kann man eigentlich vergessen“, betonte Deutschländer. Der Förster weiter: „Wir hatten damals Jahresdurchschnittstemperaturen von 5,5 Grad, heute sind wir bei 8 Grad angelangt, und wir haben gleichzeitig dramatische Niederschlagsreduktionen um bis zu 50 Prozent.“

Gerade die Basaltvorkommen in den Höhenlagen treiben dem Förster die Sorgenfalten auf die Stirn. „95 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich in diesem steinigen Gelände, das nur mit großem Aufwand zu bewirtschaften ist.“ Nicht nur der Borkenkäfer und die Trockenheit machten Probleme, auch Pilze und aufgeweichte Böden bei den gegenwärtigen Stürmen forderten ihren Tribut. Aufgrund der langen Produktionszeiträume über 100 Jahre könne er jährlich nur etwa ein Prozent der Flächen umbauen. Der Nadelwald, besonders der hohe Fichtenanteil, werde ersetzt durch klimatolerantere Laubbäume. Denn Vielfalt bedeute Betriebssicherheit und die Fichte falle als Hauptbrotbaum des Reviers zunehmend aus.

„Nur ein lebender Wald dient als Kohlenstoffsenke, sobald er aber tot ist beginnt der Zerfall und er emittiert das gespeicherte Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre. Dies geschieht grundsätzlich auch bei der Verbrennung von Holz. Insofern ist die Waldnutzung für dauerhaften Holzprodukte, wie etwa Bauholz, die effizienteste Form des Klimaschutzes.“

Wohin die Reise geht, wurde dann während der Begehung allmählich klar. „Kahlschlagwirtschaft ist in bayerischen Wäldern tabu“, so Deutschländer. Ziel sei, rechtzeitig in die Lücken der Altbestände die Schattenbaumarten Tanne und Buche einzubringen. Am Beginn stand eine kleine Eichenschonung, denn Eichen bevorzugen helle und warme Standorte wie hier am Waldrand. Dann zeigte Deutschländer seinen Besuchern einen Bereich mit Douglasien, eine bei uns bereits voreiszeitlich beheimatete, jetzt nordamerikanische Baumart, die sehr gut höhere Temperaturen verträgt. Auf Nachfrage einer Besucherin, ob es hier erlaubt sei, Exoten anzupflanzen, antwortete der Förster, dass sich in diesem Areal kein Naturschutz- oder FFH-Gebiet befinde, welches dies verbiete. Die Douglasie sei als Tiefwurzler viel besser für den Steinwald geeignet als etwa Fichte und Lärche, aber in vielfältigerer Weise nutzbar.

Gleiches gelte auch für die einheimische Weißtanne, die normalerweise eher zögerlich wachse, aber in seinem Revier hervorragend gedeihe. Anschließend ging er zur in Südfrankreich und Norditalien beheimateten Esskastanie über. Ihr behagten die hohen Temperaturen, allerdings gebe es einen größeren Pflegeaufwand durch die zahlreichen Seitentriebe. Wirklich exotisch wirkte dann die türkische Baumhasel, die keiner der Besucher auf Anhieb erkannte. Deutschländer betonte, er wolle alles daran setzen, das auch in 100 Jahren noch ein Wald bestehe, der diesen Namen auch verdiene. Deswegen experimentiere er auch mit Speierling, Elsbeere, Platane, Eibe, Walnuss, Wildkirsche und Wildbirne. Gerade die Edelhölzer werden auch in Zukunft gefragt sein. Daneben böten auch Sommer- und Winterlinde, Feld-, Berg- und Flatterulme mögliche Alternativen. Es sei schwierig einzuschätzen, welche Baumarten in Zukunft am besten zurechtkämen. Seitens der ÖDP bedankte sich Angela Frank für den Vortrag und auch die anschließende Diskussion.

Die Teilnehmer der Exkursion.
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