26.03.2019 - 10:15 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Kritischer Pfarrer spricht Klartext

Die Wiedersehensfreude ist groß. Für wenige Stunden ist Pfarrer Klaus Haußmann an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt, um einer Einladung des Frauen- und Müttervereins zu folgen. Wie gewohnt spart der Seelsorger nicht mit Kritik.

Der Heilige Geist stand im Mittelpunkt von Pfarrer Klaus Haußmanns Vortrag. Kritische Anmerkungen blieben nicht aus.
von Werner RoblProfil

„Ich bin gerne nach Fuchsmühl gekommen“, versicherte Pfarrer Klaus Haußmann, während er mit einem betonten „Grüß Gott“ reihum die Hände schüttelte. Anlass für den Kurzbesuch war der Einkehrtag mit Vortrag, zu dem der Frauen- und Mütterverein bei Kaffee und Kuchen ins Jugendheim eingeladen hatte. Haußmann hatte versprochen, über den Heiligen Geist zu referieren. Er empfahl: „Lassen wir ihn auf uns wirken.“

Dass er sich dabei kritisch zu Dingen äußerte, die ihm auf den Nägeln brannten, war zwar nicht wirklich überraschend. Erwartet hatte man die folgenden harschen Anmerkungen wohl kaum. „Der Himmel ist nicht das Megatreffen aller Heiligen und Engel“, verwies er auf Bilder und Phantasie-Zeichnungen mit pausbackigen Engeln und bekannten Heiligen - der Heilige Geist als Taube dargestellt. „Gibt es sie wirklich?“ Haußmann meinte damit Dreifaltigkeit und Himmel zugleich. „Und wenn es sie gibt, sind Himmel und Gott so wie man es sich vorstellt?“ Er sprach von einem „Träumegott“, der in den Köpfen lebe. „Beschäftigen wir uns mit ihm“, erinnerte er auch an Adolph Kolpings Mahnung vor einer „Schlafmützigkeit“. Schnell gerate man in eine ausweglose Glaubens-Sackgasse, schloss der Geistliche daraus.

Der Ammerthaler Pfarrer ließ zudem deutliche Worte an die Adresse der Amtskirche folgen. Den inhalts- und wortschweren Vorträgen und „Stempeln auf Prediger-Papieren“ erteilte er eine deutliche Abfuhr. Mehr Begeisterung und weniger „tonnenschwere Worte“ forderte er vom „bischöflichen Hirtenstab“. Freilich dürfe man sich an Kirchenereignisse, wie die Vollendung der Regensburger Domtürme vor 150 Jahren erinnern. „Aber ist das wirklich so bedeutend?“ Papst Franziskus‘ Ideen seien in Ordnung, so Haußmann, der ein bedauerndes „Aber“ folgen ließ: Leider sehe sich der Papst derzeit von Fußfallen ausgebremst. Das sei schade, merkte der Pfarrer an und erkannte dabei wohl, dass er das eigentliche Thema bereits verlassen hatte.

Haußmann widmete sich dann erneut seiner handschriftlich verfassten Rede und damit dem Heiligen Geist, der doch der Glaubenslenker sei. „Katechismus-Worthülsen reichen nicht“, meinte der Seelsorger und fügte hinzu, dass es an der Zeit sei, das Himmelsbild zurecht zu rücken. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag“, fuhr er fort: „Ehren wir den Glauben, führen wir ein christliches Leben, wie es Jesus empfohlen hat.“

Pfarrer Klaus Haußmann ergänzte: „Machen wir es uns auf der Erde schön. Freuen wir uns auf den versprochenen Himmel.“ Das Reich Gottes beginne hier. Wieder kam er auf den Heiligen Geist zu sprechen. „Manchmal muss man um Gottes Beistand ringen“, warb der Referent um einen Dialog mit dem Schöpfer. „Oft meint man, Don Quijote zu sein, der mit Sancho Panza gegen Windmühlen kämpft.“ Mit einem Augenzwinkern fügte der Pfarrer hinzu: „Ich wünsche Ihnen eine zukunftsfähige Theologie mit Reformen." Er mahnte: "Vielleicht oder möglicherweise später" seien der falsche Lösungsansatz. Mit Blick auf die Kirchengesetze ergänzte der Sprecher: „In den Evangelien werden Sie die Zehn Gebote finden, die Kirchen-Paragrafen werden sie dort aber vergeblich suchen.“ Haußmann war mit der Abrechnung noch nicht zu Ende: „Bitten Sie den Heiligen Geist um seinen guten Rat“, lautete seine letzte mahnende Empfehlung, die wohl auch den Kirchen-Oberen galt.

Pfarrer Klaus Haußmann (links) folgte einer Einladung des Frauen- und Müttervereins um Vorsitzende Anni Koller (rechts).
Wort- und gestenreich, so kennt man Pfarrer Klaus Haußmann, der vor einigen Jahren auch die Pfarrei „Maria Hilf“ in Fuchsmühl betreute.
Viele freuten sich auf das Wiedersehen mit dem ehemaligen Pfarrei-Seelsorger. Im Jugendheim blieb kein Platz frei.
Dankeschön für Pfarrer Klaus Haußmanns Kommen sagte Pfarrer Joseph (links). Für die Organisation des Vortrags dankte er Anni Koller (rechts), der Vorsitzenden des Frauen- und Müttervereins.
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