23.06.2019 - 10:53 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Retter üben in luftiger Höhe

Die Bergwachten in Bayern leisten im Jahr rund 12 000 Einsätze, die meist in unwegsames Gelände führen. Luftrettung ist oft unverzichtbar und muss regelmäßig trainiert werden – wie am Samstag eindrucksvoll zu beobachten war.

von Werner RoblProfil

Abwechselnd in den Regionen Bayerwald und Fichtelgebirge findet alle Jahre ein Luftrettungslehrgang statt. Verantwortlicher Leiter ist Armin Leuchter von der Bergwacht Viechtach. Der Verantwortliche der Luftrettung Region Bayerwald kennt das Gelände rund um Fuchsmühl gut. Nicht zum ersten Mal betreut er eine dieser Übungen im Steinwald, bei der auch eine Maschine der Polizeihubschrauber-Rettungsstaffel Bayern zum Einsatz kommt.

Ein paar Mal kreist der ankommende Helikopter frühmorgens über den Ort, dann nähert er sich der vereinbarten Lichtung am östlichen Waldrand. Wenige Meter neben dem Hotel Hackelstein und der Brandhütte, wo die Bergwachtkameraden und einige Zaungäste bereits warten, folgt er den Einweisungen und setzt dann zur Landung an.

Mit Polizeipilot

Anders als geplant kommt der erwartete Helikopter aber nicht aus Roth. "Kurzfristig mussten wir auf eine Ersatzmaschine aus München zurückgreifen", deutet Leuchter auf die Maschine mit der Bezeichnung D-HPBA vom Typ Airbus-Helicopters, die von einem jungen Polizeipiloten gesteuert und einem seiner Kollegen begleitet wird.

Für die geplante Rettungsübung, die auch an die Kletterfelsen Hackelstein und Augsburger Felsen führt, hat man rund vier Stunden veranschlagt. Um 14 Uhr soll Schluss sein. "Grund dafür ist der kraftraubende Einsatz, zudem auch eine standesamtliche Trauung, die am Nachmittag an der Felsenbühne des Hackelsteins stattfinden soll", erläutert der Leiter den straffen Trainingszeitplan.

Bei der Übung kommen zwölf Einsatzkräfte der Bergwacht-Mittelgebirgsregionen Bayerwald und Fichtelgebirge und des Münchner Polizei-Flugpersonals zum Einsatz. Was zuvor mit dem Flugsimulator in Bad Tölz geübt wurde, soll jetzt in der Praxis vertieft werden. "Wichtig ist das Training vor Ort", betont Leuchter und verweist auf die bereits arbeitende Außenwinde, die am Hubschrauber angebracht ist. Mit einem Stahlseil wird eine rund 100 Kilogramm schwere Puppe, die sich im stabilen und vom Wind und Wetter geschützten Luftrettungs-Bergesack verbirgt, sorgfältig und langsam hochgezogen und abtransportiert.

Im Rettungssack

Das gleiche Szenario - aber mit "echten Verletzten" - wird wenig später an den Kletterfelsen durchgespielt. Abwechselnd, einmal vom Augsburger Felsen, danach vom Hackelstein-Gipfel oder aus einem geeigneten Waldstück, werden in Not geratene Kletterer oder Wanderer geborgen, in den Rettungssack verpackt und mit dem über den Baumwipfeln kreisenden Helikopter hochgehievt. Begleitet werden die Geborgenen von einem an einem Haken gesicherten Kameraden der Bergwacht, der sorgfältig darauf achtet, dass die menschliche Fracht heil am Flugzeug und am Landeort ankommt. Eine spezielle Vorrichtung verhindert die Drehung in der Luft.

Wenige Sekunden später wird es wieder still im Wald, das Fluggerät ist aus dem Blickfeld verschwunden. Für eine rund 30-minütige Unterbrechung sorgt nämlich der leere Tank. Dessen Inhalt, so der Einsatzleiter, reicht normal für rund zwei Stunden und höchstens 90 Minuten Rettungsflugzeit aus. "Wir sind gestartet", erreicht ein Funkspruch aus Weiden-Latsch später den Hackelstein. Die Betankung ist beendet, das Training kann fortgesetzt werden.

Starts im Minutentakt

Dann wiederholt sich das Ganze. Die Landungen und Starts erfolgen weiter im Minutentakt, der eingerichtete Pendelverkehr läuft wie am Schnürchen. "Wir sind mit dem Ablauf sehr zufrieden", zieht Bereitschaftsleiter Wolfgang Hartung von der ausrichtenden Bergwacht Fuchsmühl eine positive Bilanz der Übung im schwierigen Steinwald-Gelände. Dort kehrt während der verdienten Brotzeit an der Brandhütte wieder Ruhe ein.

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