18.09.2019 - 13:55 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Unmut über den Sendemast wächst

Die Bürgerinitiative „Gesundes Fuchsmühl“ untermauert mit einer erneuten Aktion die Forderung: Der ihrer Ansicht nach gesundheitsschädliche Mobilfunkmast muss weg.

Die Diskussion um den Sendemast reißt nicht ab. Beim jüngsten Treffen im Hotel Hackelstein wurde erneut der Rückbau der Anlage gefordert.
von Werner RoblProfil

Zu einer Filmvorführung gekommen war auch Bürgermeister Wolfgang Braun, der sich der anschließenden Diskussion aber nicht stellte und das Treffen verließ. Bürgermeisterkandidatin Nicole Fürst, die der Aussprache bis zum Ende beiwohnte, empfahl im Laufe der aufgeheizten Debatte einen sachlichen und fairen Dialog. Zur Vorgeschichte: Der Betreiber "Telefonica" hatte angekündigt, den Masten um eine LTE-Sendeanlage zu erweitern. Der Bürgermeister hatte im Marktrat mit Blick auf die Beibehaltung des Standortes festgestellt, dass eine Zustimmung der Gemeinde nicht erforderlich sei und er von keiner wesentlichen Erhöhung der Feldstärke ausgehe.

Der Mast am Westrand Fuchsmühls befindet sich auf einer Anhöhe in der Nähe des Fuchsmühler "Tannenhofs" entfernt. Dort leben Stefanie und Alfons Höcht, die wie ihre Mitstreiter davon überzeugt sind: Vielen Fuchsmühlern könnte es gesundheitlich besser gehen, wenn es die Strahlungen der Sendeanlage nicht geben würde. Vor einigen Wochen startete Höcht eine Unterschriftenaktion. Beim BI-Treffen im Hotel "Hackelstein" vor wenigen Tagen verwies er darauf, dass sich daran 369 Bürger beteiligt haben: "Eine deutliche Ansage." Im Juli habe er die Unterschriften an den Bürgermeister übergeben.

Höcht sprach von 64 Krebserkrankten, die das Papier unterzeichnet hätten. Für 30 Todesfälle machte er die Sendeanlage verantwortlich. Dass sein Engagement nicht von allen Seiten gewürdigt werde, sei nachzuvollziehen: "Schließlich haben einige auch einen finanziellen Nutzen von der Sache. Mobil telefonieren wollen alle." Darunter leiden aber müsse seine Familie.

Der BI-Sprecher zitierte aus einem Schreiben, das er im Juli im Briefkasten gefunden habe. Der Unterzeichner, der sich als Inhaber des Grundstücks zu erkennen gab, schreibt von einer "Hetzkampagne gegen die Mobilfunkstation". Die Überschreitung der vom Gesetz zulässigen Masthöhe von 10 Metern habe der Absender reklamiert, doch er sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Alfons Höcht verwies besonders auf einen Satz, wonach auch die Marktgemeinde seit 2003 finanziell von der Anlage profitiere. Das sei so festgelegt worden, fasste der BI-Sprecher das Schreiben inhaltlich zusammen.

Die Geldzuwendungen an den Markt ließ Höcht weiter unkommentiert. Den Bürgermeister konnte er dazu nicht befragen. Vor der Diskussion hatte Braun das Treffen, dem eine 90 Minuten dauernde Filmdokumentation "Faktencheck - Gefahren beim Mobilfunk" vorangegangen war, wieder verlassen.

"Die Krankheiten sind keine Erfindung, sondern Tatsache!" Das betonte Siegfried Zwerenz nach der Filmvorführung. Der Vorsitzende des Vereins "Bürgerwelle - Schutz von Mensch und Umwelt" betonte, dass die Anlage auch Auswirkungen auf den Fremdenverkehr habe. "Wir müssen ihn wiederbeleben." Mit dem Sendemast vor der Ferienwohnung sei das aber unmöglich. "Wir müssen umdenken", mahnte der Tirschenreuther und bezog sich auf den gezeigten Dokumentarbericht.

Siegfried Zwerenz bezeichnete den Plan, weitere Sendemasten aufzustellen, als "bescheuert". BI-Initiator Höcht forderte: "Der Bürgermeister und seine Markträte stehen in der deutlichen Pflicht, dass die gesundheitsschädliche Anlage entfernt wird." Bislang aber warte man vergeblich darauf.

Das Schild nahe der Funkanlage warnt vor Gefahren, die von den Antennen ausgehen sollen.
Alfons Höcht ist direkter Nachbar der Anlage. Auf einer Karte hat er vermerkt, wohin sich die Strahlungen ausbreiten. Die davon betroffenen Haushalte hat er persönlich besucht.
Alfons Höcht ist fest entschlossen: „Ich kämpfe gegen die Anlage. Sie muss weg.“
Die Diskussion leitete Siegfried Zwerenz aus Tirschenreuth.
Siegfried Zwerenz und Alfons Höcht (von links) habe ein gemeinsames Ziel: Der Sendemast muss ersatzlos verschwinden.
Die Sendeanlage soll in absehbarer Zeit modernisiert werden. Dass die zulässige Höhe von 10 Meter dabei überschritten wird, ist ein weiterer Kritikpunkt, den die BI auf die Palme bringt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Joachim Schmidt

"Das Schild nahe der Funkanlage warnt vor Gefahren, die von den Antennen ausgehen sollen."

Mich wundert, dass im Artikel zwar "sollen" verwendet wird, das Thema, bzw. die besprochenen wissenschaftlichen Tatsachen (Glioblastom-Studien) etc. nicht dargelegt werden.
Auch werden im Artikel die anderen beiden Kernpunkte leider nicht thmatisiert:
Grenzwerte: Anders als die Bevölkerung annimmt, beziehen sich die Grenzwerte auf Erwärmung im Gewebe, wobei jedoch wissenschaftlich feststeht, dass bereits vorher Zellveränderungen stattfinden. Kritiker weißen daraufhin, dass die gesetzlich festgelegten Grenzwerte (welche zahlreich geändert wurden, aktuell auch betreffs 5G (mehrere Keulen) eher die Mobilfunkunternehmen vor Klagen schützen "sollen".

Der zweite Punkt, der m.E. nicht angesprochen wird ist das Vorsorgeprinzip, dass bei Medikamenten gilt, d.h. die Unbedenklichkeit muss nachgewiesen sein.
Bei 5G z.B. aber auch schon LTE gilt dies nicht. Es gibt keine Langzeitstudien, welche die Unbedenklichkeit für die Bevölkerung (als auch Elektrosensible Menschen) nachweißt. Dies ist FAkt und gehört zu einer sachlichen Berichterstattung m.E. dazu.

28.09.2019