02.09.2019 - 14:05 Uhr
GebenbachOberpfalz

Der Mausberg und Gebenbachs himmlische Hagelversicherung

Albert Rösch, der Gebenbacher Heimatpfleger, führte im Auftrag der AOVE durch die Kirche auf dem Mausberg.

Gebenbachs Heimatpfleger Albert Rösch.
von Autor MMAProfil

Als der Pfarrer stürzte

Die erste Marienverehrung habe man dem Gebenbacher Pfarrer Sebastian Grün zu verdanken, berichtete Rösch. Der Geistliche habe nach einem glücklich überstandenen Sturz vom Pferd ein kleines Marien-Holzbild in einer Felsenhöhle am Mausberg aufgestellt. Mit der Zeit wich die kleine Holzkapelle einer immer größer werdenden Kirche. Nach manchen Bau-Schwierigkeiten beherbergte 1752/53 wahrscheinlich die erste festere Kirche schon das jetzige Gnadenbild.

Der Hauptaltar kam aus Köblitz und der Amberger Schreiner Bacher fertigte dazu die beiden Seitenaltäre. Während der eine den heiligen Wendelin, den Patron der Viehhirten und Bauern, zeigt, verweist der gegenüberliegende auf den heiligen Benedikt. Dies sei sicher eine Reminiszenz an die Benediktiner, die bis zur Säkularisierung 1803 über Jahrzehnte hinweg die Pfarrer vom Benediktiner-Kloster Prüfening aus stellten. 1870 kam der Kirchturm dazu, der auf Eichenpfählen im Wasser mit einem Kontrollschacht gründet. Wiederholte Restaurierungen 1836, um 1900 und zuletzt 1991 waren an dem Sandsteinbau dringend nötig. Derzeit ruhen die Außenmauern "wie ein Schiff" auf Beton und bewegen sich nur minimal, sagte Rösch. Man hoffe auf einen längeren ruhigen Zeitraum ohne größere Schäden.

Die Mausbergkirche ist derzeit wieder das Ziel ungezählter Wallfahrer.
Info:

Woher der Mausberg seinen Namen hat

Woher hat der Mausberg seinen Namen? Albert Rösch, der Gebenbacher Heimatpfleger, kann das erklären: Das Wort „Maus“ gehe in diesem Fall, „in diesem Mischgebiet zwischen Slaven und Franken“, auf die Besiedelung um 800/900 durch einen slawischen Adeligen namens Malisa zurück. Verkürzt zu „Malis“, wurde daraus ein „Maus“. Mausdorf und der Mausberg künden noch heute davon.

Eine Besonderheit ist laut Rösch das Gnadenbild, einem Gemälde von Lucas Cranach nachempfunden, da es in ungewöhnlicher Weise mehrere lateinische Inschriften zeigt. Das "Contra Zollas" über der Gottesmutter verweist auf den Arianer Zolla, der jede Marienverehrung fanatisch ablehnte. Eine weitere Inschrift lautet: "Kein Schmerz ist so bitter, weil kein Kind so teuer." Eine Vase im Hintergrund zeigt die Rose der Gottheit, die Lilie der Reinheit und das Veilchen der Demut. Bei der Überführung des Bildes von Gebenbach aus habe allerdings ein Brand im Dorf die Feierlichkeiten unterbrochen, die man erst nach dem Löschen fortgesetzt habe.

Rösch erklärte auch die Decken-, Wand- und gerahmten Gemälde in verschiedenen Techniken und Materialien. Viele Statuen sind als Spenden in die Kirche gekommen. Die "Goldmantel-Madonna" in der Apsis ist das Geschenk von glücklich aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zurückgekehrten Soldaten. Ein Kreuz und M aus Anstecknadeln auf einem roten Samt haben österreichische Soldaten aus ihren Rangabzeichen im Siebenjährigen Krieg gefertigt. Neben dem Eingang zur Sakristei ist dieses zu bewundern.

Ursprung der Wallfahrt

Konnte man auch keine Wunder zur Begründung einer Wallfahrt vorweisen, so wurden doch 49 Guttaten Mariens gesammelt, für die die Mutter Gottes vom Mausberg verehrt wurde. Sogar eine "himmlische Hagelversicherung" gibt es nach Röschs Worten für das Umland. Als nämlich am 4. Juli 1929 schlimmer Hagel Ernte und Dächer Gebenbachs verwüstete, gelobten die Einwohner schriftlich eine alljährliche Prozession.

War das Mausbergfest früher nur an einem Sonntag kaum rentabel, regte Pater Alfred Lindner zu seiner Primiz 1981 ein Zelt an. Bald darauf habe sich der Pfarrgemeinderat für eine ganze Wallfahrtswoche ausgesprochen. Dies habe sich als "wahrer Segen" für die kleine Gemeinde erwiesen, sagte der ehemalige Kirchenpfleger: "In einem ungeheuren Zusammenhalt" werde auf dem Berg alles ehrenamtlich gemacht, worauf man zu Recht stolz sein dürfe.

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