02.08.2019 - 10:10 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Erinnerungen werden wach

Neulosimthal ist längst Geschichte.Von dem Ort ist heute nichts mehr übrig, nachdem ihn die Tschechen vor fast 53 Jahren dem Erdboden gleichgemacht haben. Beim "Annafest" am Wochenende gedenken die Neulosimthaler ihrer alten Heimat.

Neulosimthal in seiner Blüte: Heute ist von dem Ort nichts mehr übrig.
von Josef PilfusekProfil

Am Nachmittag des 11. November 1966 versetzte eine heftige Detonation hinter dem damaligen „Eisernen Vorhang“ die Menschen in Angst und Schrecken und ließ sogar in den benachbarten Ortschaften diesseits der Landesgrenze die Fensterscheiben erzittern. Im einst stattlichen Pfarrdorf, das inzwischen „Jédlina“ heißt, sank das Gotteshaus nach 150-jährigem Bestehen in Schutt und Asche.

Nach der vom ehemaligen Ortsbetreuer Hans Schwab, auch bekannt als „Posterer-Hans“, verfassten kurzen Entstehungsgeschichte, die in der vom Oberpfälzer Waldverein Georgenberg herausgegebenen Chronik enthalten ist, erteilte am 20. April 1626 der Gutsherr Husmann aus Tachau sieben Männern die Erlaubnis, mit ihren Familien bei Waldheim die Wälder zu roden und Häuser zu errichten. Diese neue Siedlung erhielt dann den Namen „Donhausen“.

Durch die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs mussten die Neusiedler jedoch bald in die Wälder fliehen. Erst 1637 wurde Donhausen wieder besiedelt. 1664 gelangte die Siedlung in das Eigentum des Grafen Losy von Losymthal. Die unter seiner Herrschaft weiter erbauten Häuser mit den bereits vorhandenen wurden nach ihm „Neulosimthal“ benannt. Im Volksmund hieß der Ort bis zur Vertreibung seiner Bewohner durch die Tschechen nach dem Zweiten Weltkrieg „Rousntol“.

Laut Georgenbergs Altbürgermeister Albert Kick wurde die Pfarrei Neulosimthal am 7. März 1786 vom österreichischen Kaiser Joseph II. gegründet. „Sie wurde zusammengeführt aus Neulosimthal, bis dahin Bestandteil der Pfarrei Schönwald, und den böhmischen Ortschaften der Pfarrei Waldthurn, Expositur Neukirchen zu St. Christoph, einschließlich der Ortschaft Paulusbrunn“, weiß der Heimatpfleger der Gemeinde.

Im Zuge des Josefinischen Pfarreieinrichtungen wurde Neulosimthal nach einer kaiserlichen Entschließung vom Februar 1787 einer der neuen Religionspfarreien des Kreises, wobei man ihr nun auch die Dörfer des Guts Waldheim zuteilte. Mit der Genehmigung der österreichischen kaiserlichen Regierung übte aber in diesen Orten die bayerische Nachbarpfarrei Neukirchen zu St. Christoph noch bis 1807 die Seelsorge aus.

In den Jahren 1814 bis 1816 entstand die Pfarrkirche in Neulosimthal mit Turm. Kirchenpatronin war die heilige Mutter Anna, deren Fest stets am „Annatag“, 26. Juli, gefeiert wird. Der Bau des Kirchturms erfolgte schließlich 1854. Den Friedhof für die gesamte Pfarrei war bereits 1787 angelegt worden. Seine Mauern sind von Neukirchen zu St. Christoph / Neudorf oder Hinterbrünst / Leßlohe aus ganz deutlich zu erkennen.

Am 7. März 1948 hat der letzte Pfarrer, Karl Antusch, die Pfarrei verlassen. Er wirkte dann noch als sogenannter „Hilfsseelsorger“ in Neukirchen zu St. Christoph. „In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Kirche als Hauslagerstätte und Pferdestallung missbraucht“, bedauert Kick.

Vorausgegangen war die Vertreibung der Sudetendeutschen von etwa März 1946 bis März 1948. „Sie war aber nicht unbedingt Folge des Zweiten Weltkriegs“, weist Georgenbergs Altbürgermeister hin. „Die Aussiedlung der Deutschen war nämlich bereits nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Betracht gezogen worden.“ Die Brutalität der Vertreibung führt er jedoch auf das Nazi-Regime zurück.

Durch Kicks Initiative, auch in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Georgenberg und der tschechischen Gemeinde und Pfarrei Lesná, wurden die Friedhofsmauer vor einigen Jahren saniert und der Gottesacker neu hergerichtet. In guter Erinnerung ist noch das große „Annafest“ mit dem Gedenkgottesdienst im Jahr 1990, als der inzwischen als Wanderübergang bestehende Grenzübergang in Waldheim für kurze Zeit geöffnet war.

Festprogramm:

Die Feierlichkeiten beginnen am Samstag mit einem Treffen sowie Unterhaltungsabend ab 19 Uhr im Landhotel „Kastanienhof“ in Hinterbrünst.

Höhepunkt des Festwochenendes ist am Sonntag, wenn Monsignore Andreas Uschold aus Weiden um 10 Uhr am Gedenkstein in Leßlohe die Eucharistie feiert, bei schlechtem Wetter in der Pfarrkirche. Dazu singt der Chor des Männergesangvereins „Sangeslust“ Georgenberg unter der Leitung von Andreas Haider.

Dem Wiedersehen mit alten Bekannten fiebert auch Georgenbergs Altbürgermeister Albert Kick entgegen. Bei dem Heimatbetreuer für den Bereich Neulosimthal laufen als Organisator die Fäden zusammen. Besonders freut sich Kick, „dass Fürstin Elisabeth von Lobkowicz und Fürst Jaroslav von Lobkowicz als Ehrengäste zugesagt haben“. Außerdem kommen zweiter Bürgermeister Josef Woppmann und der Bürgermeister des tschechischen Nachbargemeinde Lesná, Stanislav Kolda.

Der Friedhof wird von der tschechischen Nachbargemeinde Lesná bestens gepflegt.
Der Friedhof wird von der tschechischen Nachbargemeinde Lesná bestens gepflegt.

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