21.08.2019 - 17:36 Uhr
GleiritschOberpfalz

Café-Betrieb statt Leerstand?

Das Gebäude der ehemalige Raiffeisenbank samt Garten ist von der Gemeinde erworben worden. Verschiedene Umbaukonzepte könnten nun zum Tragen kommen. Die Meinungen sind allerdings geteilt.

Die Gemeinde Gleiritsch hat das ehemalige Bankgebäude mit Garten in der Ortsmitte erworben. Im Rahmen einer einfachen Dorferneuerung soll es in ein Café umgenutzt werden.
von Alois KöpplProfil

Bei der Bürgerversammlung in Gleiritsch stand der Tagesordnungspunkt "Einfache Dorferneuerung Gleiritsch - Bürgerbeteiligung im Rahmen der Umnutzung des ehemaligen Bankanwesens in der Ortsmitte" auf der Tagesordnung. Bürgermeister Hubert Zwack freute sich deshalb, auch Lukas Wiesner vom Amt für "Ländliche Entwicklung Oberpfalz" und Architekt Christian Schönberger begrüßen zu können.

Nach der Einstellung der Bankgeschäfte durch die Raiffeisenbank und dem Abbau des Geldautomaten übernahm nach kurzer Anlaufzeit der Dorfladen Gleiritsch die Bargeldversorgung der Bevölkerung. Die rückwärtige Grundstücksfläche des nun entstandenen Leerstandes, zentral in der Ortsmitte gelegen, wurde bisher vom Schützenverein für den Adventsmarkt und dem Schützenfest mit Sommerbiathlon genutzt. Bei einem Privatverkauf wären diese Flächen wegfallen.

Zwölf Jahre gebunden

Bürgermeister Hubert Zwack und Geschäftsstellenleiter Anton Brand von der VG Oberviechtach setzten sich mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz in Verbindung, um auszuloten, inwieweit ein solches Projekt gefördert werden könnte. Nach positiven Signalen entwickelte man ein Nutzungskonzept für den Leerstand, das Anton Brand vorstellte. "Angestrebt ist die Erweiterung des Dorfladens um den Betrieb eines Cafés in der Ortsmitte", wobei verschiedene Konzepte greifen würden, je nach Umbaumaßnahme. Angedacht ist ein Café-Betrieb an verschiedenen Werktagen, Sonntags-Café, Brunchen, Frühstückstage, Fortbildungen, Tagungen, Seminare, Schulungen bis hin zu Yoga. Die Fördersätze liegen bei 80 Prozent, wobei das Gebäude einer Nutzung zugeführt werden muss, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist. "Die Zweckbindung beträgt zwölf Jahre", so Brand weiter, "dann ist die Gemeinde frei von Nutzungsverpflichtungen." Der rückwärtige Garten stünde dann in Zukunft allen gemeindlichen Vereinen zur Verfügung. Der Bau von öffentlichen Toiletten macht mit Blick auf Veranstaltungen und Radfahrer Sinn.

Am 1. April erwarb die Gemeinde Gleiritsch das Anwesen. Kurze Zeit später erteilte man dem Architekturbüro Schönberger in Oberviechtach einen Planungsauftrag, den Christian Schönberger in der Bürgerversammlung vorstellte. Aufgrund von drei verschiedenen Planungsvarianten mit unterschiedlichen baulichen Änderungen erläuterte er die Umbaumaßnahme. Bei der Lösung "Café erdgeschossig" würden bei Umbaukosten von etwa 340 000 Euro etwa 88 000 Euro auf die Gemeinde Gleiritsch zukommen. Beim Konzept "Café erdgeschossig mit rückwärtiger Erschließung und Garten" steigen die Gesamtbaukosten auf 420 000 Euro, und der Eigenanteil läge bei knapp über 100 000 Euro.

Die "fliegenden Bauten"

Da das Dachgeschoß über keine vernünftige Treppe verfügt, sondern nur über eine in der Decke eingebaute Ausziehleiter zu erreichen ist, schlägt die Variante "Café erd- und dachgeschossig mit rückwärtiger Erschließung und Garten" mit über 700 000 Euro zu Buche, von denen die Kommune rund 165 000 Euro zu stemmen hätte, falls die Kalkulation eingehalten werden kann. Da bei einer öffentlichen Förderung ein barrierefreier Zugang rechtlich vorgeschrieben ist, käme man um den Einbau einer Treppe und eines Aufzuges nicht herum. Dadurch wäre diese Fläche aber auch nutzbar. Der Planer erläuterte weiter, dass die derzeit bestehenden Holzbuden, baurechtlich gesehen "fliegende Bauten" sind, die keine baurechtlichen Voraussetzungen erfüllen müssen, da sie wieder abgebaut werden. Er regte eine Umgestaltung mit festen Ständen an.

Geteilte Meinungen

In der Diskussion gingen die Meinungen weit auseinander. Ein nicht vom Tisch zu wischendes Argument war der Redebeitrag von Maria Scheuerer, die meinte, dass bei der von Schönberger vorgeschlagenen Umgestaltung des Meisterbauerngartens "der eigentliche Charme des Gartens verloren geht, der die Veranstaltungen in ihm so einzigartig macht." Anderen gingen die Konzepte zu weit. "Was gibt es sonst noch für Alternativen, wenn das Ganze nicht funktioniert?", so die Fragen mehrerer Zuhörer. Die Frage, ob die Anlieger bereits in die Planungen eingebunden seien, verneinte Schönberger. Da es sich bei dem Tagesordnungspunkt um eine reine Info zur Meinungsbildung handelte, kam es auch zu keiner Abstimmung. Der Gemeinderat hat nun die Konzepte auf dem Tisch und muss sich in nächster Zeit damit auseinandersetzen.

Eine Umgestaltung des Meisterbauerngartens wurde bei der Bürgerversammlung ebenfalls vorgestellt.
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