22.08.2019 - 14:10 Uhr
Gmünd bei GrafenwöhrOberpfalz

Pflanzen-Misshandler in Gmünd: Polizei ermittelt weiter

Drei Löcher in einer Kastanie, drei in einer alten Eiche - gebohrt von einem Unbekannten. Dazu vermutlich Gift. In Gmünd rückt jemand zwei Bäumen an der Hammerstraße zu Leibe. Um den Täter zu finden, hat sich die Polizei etwas überlegt.

Ein Unbekannter hat in Gmünd große Löcher in eine Kastanie (Bild) und eine Eiche gebohrt. Um seine Tat zu vertuschen, steckt er Stöckchen in die Löcher, die Äste imitieren sollen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Es gibt zwar noch keine konkreten Hinweise auf einen Täter, bedauert Werner Stopfer. Doch der Eschenbacher Polizei-Dienststellenleiter gibt nicht auf. Er hat eine Untersuchung des Bohrmehls beauftragt. Eine Streife sollte Proben aus den Löchern in den Stämmen kratzen. Die Polizei will so herausfinden, ob den Bäumen, die auf öffentlichem Grund an der Hammerstraße in Gmünd stehen, zusätzlich noch Pestizide oder andere Gifte eingeflößt wurden. Denn klar sei: Durch die circa acht Zentimeter tiefen Löcher allein würden die Bäume - besonders die über Hundert Jahre alte Eiche - nicht derartigen Schaden nehmen. An vielen Ästen der Eiche sind mittlerweile keine Blätter mehr. "Möglicherweise muss der Baum gefällt werden. Der Schaden wäre enorm - allein bei der Eiche 20.000 Euro", sagt Stopfer. Gefahr, dass Äste abbrechen und auf die Straße fallen, gebe es derzeit keine. "Der Baum lebt noch, aber man muss ihn beobachten. Dazu kommt noch die Trockenheit, was zusätzlich belastet." Dass die dürren Äste allein ein Resultat der heißen Temperaturen der vergangenen Wochen sei könnten, ist laut Stopfer zwar nicht "hundertprozentig auszuschließen", allerdings unwahrscheinlich. Dann müssten dort auch andere Bäume so dürr sein, meint er. Außerdem handele es sich bei den gebohrten Löchern nach wie vor um Sachbeschädigung.

Doch wer macht so etwas? "Man hat gewisse Mutmaßungen, aber keine Hinweise. Mehr will ich dazu nicht sagen", berichtet der Polizeichef. Streitigkeiten unter den Gmündern wegen der Bäume oder ihrem Laub sind ihm keine bekannt. Sicher sei allerdings, dass die Löcher durch Menschenhand entstanden sind. "Vermutlich mit einem Zehner-Bohrer", informiert Stopfer. Der Asiatische Laubholzbockkäfer komme - wie zuerst vermutet - nicht mehr in Frage, Spezialisten hätten das ausgeschlossen. Denn die Löcher führen kerzengerade und kreisrund in den Stamm - für ein Tier ungewöhnlich.

Auf die Löcher aufmerksam wurde der Neffe von Eva Repper. Die Gmünderin habe im Frühjahr schon bemerkt, dass die Bäume "merkwürdig" aussehen. Sie verloren Blätter und Äste, sagt sie. Repper kümmert sich regelmäßig um die Pflanzen, gießt sie sogar. Nachdem sich die Eiche bis zum Juli nicht mehr erholt hatte, schaute sich Reppers Neffe den Baum näher an und entdeckte dort und in der Kastanie die Löcher. "In der Kastanie direkt vor unserem Haus war das raffiniert gemacht: Die Löcher waren mit kleinen Stecken verschlossen, so dass sie wie kleine Äste aussahen. Erst nachdem der Bereich herum abstarb, erkannten wir die Verschlüsse", erzählt Repper. Die Gmünderin informierte daraufhin Stadtgärtner Alexander Eismann. Die Stadt Grafenwöhr meldete den Vorfall schließlich Anfang August der Polizei. Der Zeitpunkt der Tat lasse sich nicht mehr konstruieren, sagt Stopfer. "Das kann Monate her sein, es kann im Winter gewesen sein, im Frühling. Eine zeitliche Einschätzung ist schwierig."

Repper ist traurig darüber, was den Bäumen passiert ist. "Die Kastanie gehört der Stadt, aber wir haben sie ausgesucht, haben sie gedüngt und gepflegt. Ich würde mich für eine Prämie aussprechen, sollte jemand Hinweise liefern können", sagt sie.

Auch Bürgermeister Edgar Knobloch verurteilt das Verhalten. "Es ist eine Sauerei", schimpft er. Sollte die Eiche gefällt werden müssen, "könnte natürlich eine neue gepflanzt werden, aber so ein alter Baum bietet schon einen anderen Lebensraum für Tiere." Die großen alten Eichen würden außerdem das Ortsbild prägen. Dem Bürgermeister ist deshalb erst recht wichtig, den Täter zu finden.

Bei der angebohrten Eiche sieht man es deutlich: Die Äste tragen kein Laub mehr. Die daneben stehende Kastanie, die auch beschädigt wurde, steht noch besser da.
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