Grafenwöhr
08.10.2018 - 12:36 Uhr

125 Vorschläge für eine gemeinsame Zukunft

Gemeinsam sind wir stärker, heißt es bei der Vorstellung eines Entwicklungskonzeptes für den Kooperationsraum (ILEK) Vierstädtedreieck. Das Konzept formuliert Ziele, Handlungsfelder und Projektansätze für eine Zukunft der zehn Kommunen.

Entwicklung entsteht aus Visionen, denen oft Ideen folgen. Niemand mäkelte über das neue Zeugs, das in Grafenwöhr in einer Konferenz zur Zukunft des ländlichen Raumes vorgeschlagen wurde. Im Gegenteil: Mehr denn je sind mit Blick auf Schrumpfungsprozesse ein gesunder Optimismus und ein Wandlungsprozess in den Köpfen gefragt. Den verbreitete neben der Referentin des Planungsbüros "STADTSTRATEGIEN" (wir berichteten) zu allererst die Bürgermeisterriege.

Ihnen oblag bei der Vorstellung des Konzepts zur sogenannten Integrierten Ländlichen Entwicklung die Mutmacherrolle. Klug in die Präsentation eingebunden war deshalb die Erläuterung von Leitprojekten aus den vom Büro "STADTSTRATEGIEN" entworfenen Handlungsfeldern mit insgesamt 125 Einzelmaßnahmen. Eschenbachs Bürgermeister Peter Lehr übernahm die Aufgabe, das Thema "Neue Nutzer im Bestand" zu beleuchten. Das Problemfeld der Leerstände in den Innenortsbereichen verband Lehr mit der Möglichkeit, durch das Programm ILEK an Fördermittel zu gelangen. Als Beispiele für wirksame Modelle nannte er eine Marketingkampagne zum Wohnen im Bestand, Anreizmodelle für Eigentumswohnungen, die Umnutzung von Bestandsimmobilien, den Bau von Mehrgenerationshäusern und ein Brachflächenkataster für den Kooperationsraum. Eine Qualitätsoffensive für Radwege einschließlich Zertifizierung schlug Gemeindechef Thorsten Hallmann (Schwarzenbach) vor. Sein Maßnahmenkatalog beinhaltet den Ausbau des Haidenaab- und Creußenradweges. "Dazu gehören auch gediegene Gastronomieangebote", betonte Hallmann und verwies auf das Modell des Bocklradweges im Osten des Landkreises. Nachholbedarf bestehe auch für die E-Bike-Infrastruktur.

Wolfgang Haberberger (Neustadt am Kulm) widmete sich dem Thema "Wanderspaß" und verkündete als aktuelle Meldung die Genehmigung zum Bau eines Geh- und Radweges von der Kulmstadt nach Kemnath. Den Fokus legte der Bürgermeister der Kulmstadt auf Attraktionen an den Wanderwegen und auf die Entwicklung eines App-Guides "Natur und Kulturerlebnis Vierstädtedreieck". "Was gibt es zu erleben?" Diese Frage stellte sich Kirchenthumbachs Bürgermeister Jürgen Kürzinger zum Thema "10 Orte - ein Kulturraum". Er plädierte für eine ganzheitliche Werbestrategie zur Vermarktung kultureller Highlights, für die Vernetzung der Kulturangebote und verwies auf die zahlreichen Zielorte des Kulturraumes Vierstädtedreieck.

"Kultur für alle mit allen" hieß in der Konsequenz der Ausführungen von Kürzinger das Plädoyer von Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch. Er schlug ein gegenseitiges Kulturhandling vor, empfahl beispielhaft die Einbindung des Landestheaters Oberpfalz in die Theateraktivitäten der Region und wünschte sich bei optimaler Nutzung aller Medien ein Programm für alle Altersgruppen. "Bei unseren schönen Spielstätten dürfen die Phantasien blühen", bemerkte Knobloch und sprach sich bei den Werbemaßnahmen für eine spezielle Klientel aus. "Vergesst die Amerikaner nicht. Das Publikum stellt sich alle zwei bis drei Jahre neu auf."

Im Leitprojekt "Unternehmen in der Region für die Region" brach Bürgermeister Albert Nickl aus Speinshart eine Lanze für einen starken Mittelstand. "Unsere Betriebe und Handwerker sind Garanten für die gute Arbeitsmarktlage im Kooperationsraum", betonte Nickl und empfahl verstärkte Werbemaßnahmen für innovative Unternehmen. Der Bürgermeister warnte vor einer Neidmentalität innerhalb des Verbundes und stellte fest: "Entscheidend ist, dass sich Betriebe im ILE-Bereich ansiedeln." Mit der Errichtung des Gründerzentrums in Grafenwöhr habe das Städtedreieck und der Landkreis weitblickend gehandelt. Nickl gab zudem Hinweise auf Fördermöglichkeiten aus dem "Invest in Bavaria".

Aus der Praxis einer Unternehmerin warb Bürgermeisterin Carmen Pepiuk aus Trabitz zum Thema "Digitale Sichtbarkeit" für eine regionale Online-Plattform, die besonders der Geschäftswelt und Handwerksbetrieben eine Chance biete, Produkte zu präsentieren und Angebote darzustellen. Damit könne viel Geld in der Region bleiben, argumentierte die sie. Pepik empfahl zudem die Unterstützung von Regionalvermarktern und schlug vor, die Dorfladenstruktur weiterzuentwickeln. "Flexibel unterwegs" zeigte sich Gerhard Löckler, Bürgermeister aus Schlammersdorf.

Er gab zu: Sein Leitprojekt lasse sich auf der Ebene des ILE-Programmes nicht lösen. Doch Anstöße zu geben, zum Beispiel für die probeweise Einführung eines Baxi-Projekts, ähnlich der Versuchsphase im Nachbarlandkreis Tirschenreuth, waren dem ihm wichtig. Zudem hielt Löckler Taxifahrten zum halben Preis in den nahverkehrsarmen Gebieten für empfehlenswert. Bei allen Überlegungen sollte man besonders an Senioren denken. Wichtig sei auch die Erreichbarkeit der Freizeitangebote speziell für die Jugend.

Werner Walberer, Bürgermeister der Stadt Pressath, hatte die schwierige Aufgabe, unter dem Leitgedanken "Der Nächste bitte" die medizinische Versorgung im Kooperationsraum unter die Lupe zu nehmen und Lösungsansätze für eine qualitativ hochwertige Behandlung in akzeptabler Entfernung zu Patienten vorzutragen. Sein Credo: "Lebensqualität durch dezentrale medizinische Versorgungsleistungen." Darin enthalten waren Wünsche zu kürzeren Wartezeiten in medizinischen Praxen und ein Fahrdienst-Angebot, das vor allem die Versorgungssituation älterer Menschen verbessern helfe.

Am Vorbacher Bürgermeister Werner Roder blieb das Leitprojekt des ländlichen Kernwegenetzes "hängen". Roder unterstrich: "Auch ländliche öffentliche Feld- und Waldwege gehören zur Naherholung." Bei den Überlegungen zu Wegebaumaßnahmen und Ausbauten nach heutigem Standard empfahl er zum Thema die Einbindung der Landwirtschaft. Das Potential für ein funktionierendes Wegenetz sei groß. Als nächsten Schritt schlug er einen Konzept-Auftrag vor. Ein durchdachtes Konzept habe größere Chancen auf Förderung. Aus Erfahrung wusste Roder: "Der Wegebau wird für Gemeinden und Teilnehmergemeinschaften eine Daueraufgabe bleiben."

Die Projektideen untermauerten die Bürgermeister mit Finanzierungsschätzungen. Einige differenzierte Betrachtungen und Ratschläge kamen auch aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer. Auf das Konzept wartet nun das Votum in den zehn Ratsversammlungen.

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