Grafenwöhr
04.06.2019 - 11:41 Uhr

Nicht Äpfel mit Birnen verwechseln

Anita Stauber strahlt. Nach zähen Verhandlungen bekommt die 2. Bürgermeisterin von der Regierung die Förderzusage für Sonderwünsche zur Sanierung der Eichendorffstraße. Doch nicht jedem Stadtrat schmeckt das Verhandlungsergebnis.

Mit Fördermitteln aus dem Programm "Soziale Stadt" soll die Eichendorffstraße großzügig ausgebaut werden. Geplant sind auch verkehrsgerechte Feuerwehr-Zufahrten in die Innenhöfe der Wohnanlagen (unser Bild), auch wenn die Zufahrtswege schon zum Eigentum der Wohnungsbau-GmbH gehören. Großzügigkeit ist auch bei der Stellplatzbreite der Pkw-Parkplätze angesagt. Die Standartbreite soll 3,10 Meter betragen. Bild: do
Mit Fördermitteln aus dem Programm "Soziale Stadt" soll die Eichendorffstraße großzügig ausgebaut werden. Geplant sind auch verkehrsgerechte Feuerwehr-Zufahrten in die Innenhöfe der Wohnanlagen (unser Bild), auch wenn die Zufahrtswege schon zum Eigentum der Wohnungsbau-GmbH gehören. Großzügigkeit ist auch bei der Stellplatzbreite der Pkw-Parkplätze angesagt. Die Standartbreite soll 3,10 Meter betragen.

Im Detail berichtete Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch aus Amberg vom Gesprächsergebnis mit der Regierung. Der Planer stellte dem Bauausschuss ein leicht verändertes Baukonzept vor, das im Wesentlichen die Änderungswünsche des Rates berücksichtigt und bei den Verhandlungen auch die Zustimmung der Städtebauabteilung bei der Regierung der Oberpfalz fand. Für Fetsch ein gelungener Spagat zwischen der Notwendigkeit ausreichender Parkplätze und den Wünschen des Gremiums nach breiteren Stellflächen sowie geordneter Zufahrten zu den Wohnanlagen und den Innenhöfen.

Deutlich großzügiger fallen nun die Senkrechtstellplätze auf der Südseite der Straße aus, die auf dem Privatgrund der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft errichtet werden sollen. Anstelle der Normbreite von 2,50 Meter soll die Standartbreite 3,10 Meter betragen, erklärte Fetsch. Die Überbreiten erklären sich durch das Einparkverhalten meist älterer Verkehrsteilnehmer und Übergrößen der Fahrzeuge. Er verwies zudem auf die Notwendigkeit behindertengerechter Stellflächen mit 3,70 Meter Breite. Die Überbreiten führen aber zu einem Verlust an Parkplätzen, erinnerte der Planer. Um das bisherige Planungskonzept mit insgesamt 42 Pkw-Stellplätzen zu erhalten, ordnete Fetsch in seinem Planungsentwurf 21 Ersatzplätze mit der notwendigen Zuwegung im hinteren südlichen Bereich der Wohnblöcke an. Eine gute Lösung, fanden die Ratsmitglieder übereinstimmend.

Weitere Vorschläge des Architekten führten zu Irritationen. Fetsch plädierte für eine Durchgängigkeit zwischen Parkplätzen und der Boulevard-Lösung der Gehwege und sprach die Problematik der Müllentsorgung an. Anfreunden konnte sich der Landschaftsarchitekt mit dem Vorschlag der Regierung, für die Mülltonnen Einhausungen in Straßennähe und damit im Anfahrtsbereich der Müllfahrzeuge zu schaffen und formschön zu gestalten. Auch für diese Maßnahme signalisiere die Regierung Unterstützung, teilten 2. Bürgermeisterin Anita Stauber und der Planer mit.

Auf Ablehnung stieß dieser Vorschlag bei Gerald Morgenstern. „Auf der Straße findet Leben statt, da stören die Behälter.“ Stattdessen sprach er sich dafür aus, die Müllhäuschen im rückwärtigen Bereich der Wohngebäude anzuordnen. Auch Thomas Schopf warnte vor Geruchsbelästigungen. Die 2. Bürgermeisterin verwies auf die gegenteilige Meinung der Regierung. „Die Brandlast Müll gehöre in den Bereich der Straße“, zitierte sie die Städtebauabteilung. Nur deshalb befürworte die Behörde die Förderfähigkeit von optisch ansprechenden Einhausungen für Müllgefäße.

Aus dieser unterschiedlichen Betrachtungsweise entwickelte sich eine Debatte über die Vor- und Nachteile der Mülltonnen-Standorte, die zunehmend in eine Diskussion über den Brandschutz der Wohngebäude mündete. Für den Architekten ein Thema für die Brandschutz-Sachverständigen. Der Planer verwies auf Ortstermine mit der Feuerwehr, dem Kreisbrandrat, Vertretern des Landratsamtes und der Wohnungsbau-Gesellschaft und stellte fest: „Der Brandschutz ist Sache des Wohnungseigentümers.“ Aufgabe der Stadt sei es nur, die Zufahrtsmöglichkeiten zu den Grundstücken bedarfsgerecht auszubauen.

Noch einmal verwies der Architekt auf sein Planungskonzept, das auch großzügige Zuwegungen für schwere Feuerwehrfahrzeuge vorsieht. Die Forderung von Morgenstern, die Stadt solle die Rettungswege in den Innenhöfen der Wohnanlagen in das Sanierungskonzept der Eichendorffstraße aufnehmen, stieß auf den Widerspruch des Architekten und Stauber staunte über die Bemerkung von Josef Neubauer: „Wir brauchen ein schlüssiges Konzept für alles.“ „Dann fordern Sie ein Konzept, für das die Kommune gar nicht zuständig ist“, bemerkte der Planer, während Stauber feststellte: „Wir bauen Straße, Parkplätze und Grundstückszufahrten, für den Brandschutz an den Häusern ist die Wohnbau-GmbH zuständig.“

Diese Argumentation setzte sich schließlich nach langer Debatte durch. Thomas Weiß stellte klar: „Die Stadt geht voran. Wir schaffen die verkehrlichen Voraussetzungen. Der Brandschutz an den Häusern ist Angelegenheit der Wohnungsbau-Gesellschaft.“ Timo Schön pflichtete seinem Kollegen bei: „Heute geht es um das Straßenbauprojekt", und auch Thomas Schopf erkannte: „Eigentlich ist das Thema Brandschutz eine Privatsache der Gesellschaft.“

Die Abstimmung führte die Kontrahenten wieder zusammen. „Wir müssen schauen, dass wir endlich das mit hohen Fördermitteln ausgestattete Straßenprojekt Eichendorffstraße voranbringen“, hieß es schiedlich-friedlich. Einstimmig billigte der Bauausschuss die fortgeschrittenen Planungen des Architekten. Aufgeteilt in zwei Bauabschnitte beauftragte das Gremium die Verwaltung, umgehend für den 1. Bauabschnitt einen Förderantrag zu stellen.

 
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