09.09.2020 - 11:29 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Eröffnung des Grafenwöhrer Waldbads: "Die absolut richtige Entscheidung"

Ganz unumstritten war die Öffnung des Waldbades in Coronazeiten nicht gewesen. Doch Bürgermeister Edgar Knobloch war davon überzeugt. Das Lob der Bevölkerung und die Zahlen geben ihm Recht. Sein Dank gilt seinen Mitarbeitern.

Bürgermeister Edgar Knobloch (links) ist stolz auf sein Badepersonal, das die schwierige Corona-Saison so erfolgreich gemeistert hat. Eine Auswahl, von rechts: Bauhofleiter Alex Waschkewitsch, Waldbad-Betriebsleiter Stephan Potröck, Rettungsschwimmer Daniel Jobst, Fachangestellter für Bäderbetrieb Stefan Danhauser und Rettungsschwimmer René Wächter.
von Stefan NeidlProfil

"Es war die absolut richtige Entscheidung." Bürgermeister Edgar Knobloch ist überzeugt, mit der Öffnung des Waldbades am 8. Juni richtig gehandelt zu haben. Als er den Beschluss im Stadtrat bekannt gab, gab es vereinzelt Zweifel, aber die Mehrheit der Stadträte stand hinter ihm. Voraussetzung war das Einhalten eines selbst aufgestellten Hygienekonzepts, das die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung für die Öffnung von Freibädern erfüllte.

Gemeinsam beschloss der Stadtrat dann auch noch eine Senkung der Eintrittspreise um rund 25 Prozent. Nach dem langen Lockdown, wollte man der Bevölkerung wieder etwas Gutes tun. Und diese nahm das Angebot dankend an: Trotz eines relativ kühlen Sommers mit nur wenig richtig heißen Tagen und einer rund drei Wochen kürzeren Saison besuchten 33.490 Gäste vom 8. Juni bis 6. September das Freibad. Im Vorjahr waren es zwar 46.000, aber "in der normalen Saison 2016 waren es als Beispiel auch nur 38.000", erklärt Knobloch. Drastisch war hingegen der Rückgang der verkauften Jahreskarten: Lagen diese sonst um die 700 Stück, wurden 2020 nur 265 an den Mann gebracht.

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Grafenwöhr

Das eigene Konzept sah vor, dass maximal 650 Menschen gleichzeitig auf dem Gelände sein durften, was die Zahlen natürlich noch einmal drückt. Dieses Limit wurde nur vier Mal erreicht. Möglicherweise auch, da eine Webcam die momentane Besucherzahl ins Internet übertrug und so die Leute sich bei großem Andrang vielleicht gar nicht erst auf den Weg machten, mutmaßt der Bürgermeister. Gemessen wurden die Ein- und Austritte mit einer von Betriebselektriker Markus Keck selbst entwickelten Lichtschranke. Auf die Erfindung ist Knobloch besonders stolz. Ein Manko hatte die Bastellösung aber: Bei heller Lichteinstrahlung erfasste die Schranke am Ausgang verlassende Badegäste manchmal nicht. So zeigte der Zähler vereinzelt mehr Personen an, als eigentlich noch im Waldbad waren. Ein aufgestellter Sonnenschirm sorgte dann für Abhilfe." Eine Firma aus Weiden hat unsere Idee aufgegriffen und wird uns bald ein professionelles Produkt anbieten. Dies könnte dann im Waldbad und in der sanierten Stadthalle zum Einsatz kommen," informiert das Stadtoberhaupt.

Der Betriebsleiter des Waldbades Stephan Potröck war von der Saison und der Kooperation der Menschen positiv überrascht: "Mit der Corona-Situation und den Auflagen war ich anfangs sehr skeptisch, ob dies umsetzbar sei." Die Gäste haben sich aber größtenteils an die Vorgaben gehalten. Sein Badepersonal war sensibilisiert und hat die Leute auf Verstöße hingewiesen. Nur selten gab es Diskussionen.

Dabei handelte es sich größtenteils um aus dem Corona-Alltag bekannte Fehlgriffe: fehlender Abstand oder Masken. Im Wasser war nur eine begrenzte Anzahl an Schwimmern erlaubt - mit ausgegebenen Bändern wurde die Zahl kontrolliert, beim Verlassen des Wassers sollte das Band wieder beim Personal abgegeben werden. Hin und wieder kam es vor, dass ein Gast dies nicht tat. Die Aufsichten hielten die Augen offen und sammelten die Bänder dann schon mal außerhalb des Beckens ein.

Da Grafenwöhr eines der wenigen geöffneten Freibäder der Region war, gab es einen großen Badetourismus: "Von Weiden über Kemnath, Immenreuth bis hin zu Schwandorf war alles dabei." So änderte Potröck seine Meinung und befindet: "Die Öffnung war absolut richtig. Trotz Corona hatten wir eine gute Saison, und die vielen auswärtigen Gäste brachten einen Imagegewinn für Grafenwöhr."

Diesen Gewinn hat auch Knobloch schon mehrfach erfahren, wie er erzählt. Immer wieder sprechen ihn Einheimische und Auswärtige auf das Bad an und danken ihm für die Öffnung. Es kamen viele Briefe an und lobten die Öffnung und das Personal. Kürzlich traf er auf einem Geburtstag eine Familie aus Weiden. Sie lobte das schöne Bad und hatte sich erstmals eine Jahreskarte geholt. "Aber nächstes Jahr wollen sie sich gleich wieder eine holen, egal, ob die Weidener Bäder wieder öffnen", freute sich der Bürgermeister. Das viele Lob und seinen Dank gibt er an seine Rettungsschwimmer, Kassiere, Aufsichtspersonal, Bauhof- und Verwaltungsmitarbeiter gerne weiter. Die erfolgreiche Öffnung war eine Leistung der gesamten Stadt gewesen, die es zu würdigen gilt.

Der Trubel ist vorbei und das Becken liegt wieder ruhig da. Im Sommer wurde es dankbar und ausgiebig genutzt.
Dank an Badepersonal:

„Wir möchten uns bei Euch ganz herzlich bedanken. Ihr habt uns in diesem Coronasommer ein Stück weit Lebensqualität und Normalität gegeben“. So lautete der schriftliche Dank eines Parksteiner Ehepaars an das „freundliche und zuvorkommende Team“ des Grafenwöhrer Waldbades. Und ein Dankeschön bekam das Team um Stephan Potröck, Stefan Danhauser und Rene Wächter häufiger. Respekt wurde auch den Helfern Daniel Jobst, Christian Schmittner, Rey Cleyland, den Kassierern sowie den Reinigungskräften gezollt, die mit den Auflagen durch die Corona-Pandemie besonders gefordert waren.

Stets konnten sich die Badegäste – darunter die treuen Dauerschwimmer, Aquajogger und auch Sportschwimmer, die zum Trainieren kamen – auf wohlige Wassertemperaturen freuen. Im Schwimmerbecken herrschten mindestens 24 Grad und bei guter Sonneneinstrahlung mit Betrieb der Absorberanlage 28 Grad Wassertemperatur, das Kinderplanschbecken wurde auf 30 Grad aufgeheizt. Im Großen und Ganzen zufrieden äußerte sich auch Kiosk-Pächter Michael Brumbach, obwohl der „Corona-Sommer“ nicht mit den üblichen Badesaisons zu vergleichen ist. Wie alle Jahre nahm die Besucherzahl ab Mitte August stetig ab. Am letzten Tag gehörte der 50 Meter Pool zeitweise nur einer Schwimmerin. Die mittlerweile in der Nacht einstelligen Temperaturen erfordern ein zu starkes Heizen des Beckens mit der Gastherme, so dass sich die Stadt entschloss, das Bad mit dem Ferienende zu schließen. Gäste und auch das Personal waren zufrieden mit dem Schwimmen im „Corona-Sommer“. (mor)

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