17.12.2018 - 17:54 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Geburt Christi am laufenden Band

Bernhard Kraus aus Grafenwöhr baut leidenschaftlich gerne Weihnachtskrippen. Unter anderem Styropor hat sich dabei als idealer Werkstoff erwiesen.

In seiner Werkstatt sägt Kraus zuerst die Bretter für den „Rohbau“ zurecht und setzt diese zusammen. Mit viel Liebe zum Detail werden die verschiedenen gestalterischen Elemente auf- oder angebracht. Zum Teil verwendet er auch Styropor. „Das lässt sich gut verarbeiten und ist leicht", erklärt der Künstler.
von Doris MayerProfil

Die Begeisterung ist ihm bereits von der ersten Sekunde an anzumerken: Bernhard Kraus aus Grafenwöhr baut seit 40 Jahren leidenschaftlich gern Krippen – und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit. „Für die erste Krippe gestaltete ich ein von mir gebautes Vogelhäuschen um“, erzählt der Rentner. Damals baute Kraus die Darstellung der Geburt Christi überwiegend aus Holzresten und mit Dächern aus Baumrinde. Dann fragten Arbeitskollegen nach, die auch eine solche Krippe wollten – und aus dem Hobby entwickelte sich bald eine Leidenschaft, ie Bernhard Kraus bis heute nicht mehr loslässt.

Eine weitere Passion ist für ihn Architektur. „Bei einer Reise nach Indien faszinierte mich besonders die Art des Bauens. Bereits vor 450 Jahren wurden hier herrliche Bauwerke erschaffen“, schwärmt der Grafenwöhrer. Das gibt ihm Inspiration – Einflüsse davon findet man in so mancher Krippe.

Ebenso erfreut sich Kraus an den Burgen im Oberpfälzer Hügelland. „Am Fuße der Burg Wernberg habe ich sieben Jahre gelebt. In dieser Zeit gestaltete ich ein Glanzstück. Ein Modell der Burg Wernberg als Krippe, in dem die Herbergssuche dargestellt ist. Diese ist sogar im Eingangsbereich der Burg ausgestellt“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Ein weiteres Großprojekt verwirklichte Kraus für seine Heimatgemeinde Kohlberg. Die Marktkrippe ist vier mal vier Meter groß und in vier Darstellungen unterteilt. Sie zeigt das Köhlerdorf, das Hammerschloss, die Goldene Straße und das Dreiländereck. Ausgestattet ist sie zudem mit beweglichen Ankleidefiguren. „Die beweglichen Figuren wirken meiner Ansicht nach viel lebendiger als die starren Figuren. Deshalb nehme ich für meine Krippen gerne diese“, erklärt der Künstler.

In der gut eingerichteten Werkstatt im Keller stehen einige „Rohbauten“ aus Spanplatten bereit. Es riecht nach Holz. Sägespäne finden sich auf der Werkbank. Die Häuschen sind mittlerweile nicht mehr nur aus Holzresten, sondern aus Spanplatten gefertigt. Dazu kommen unterschiedlichste Werkstoffe. „Styropor hat sich auch als sehr gut zu verarbeitendes Material erwiesen. Es lässt sich leicht mit einem Messer bearbeiten und hat nur wenig Gewicht.“ Die Wände werden mit normalem Wandputz versehen, der entsprechend angepasst und bemalt wird.

Kraus achtet auf eine sehr detailreiche Bauweise. Dafür wird etwa Spanholz von Obstkisten zu Dachschindeln verarbeitet und sorgsam auf das Dach geklammert oder genagelt. Andere Teile lassen sich besser mit Kleber fixieren. Er fertigt kleine Türen oder Fenster an.

Immer wieder kommen neue Ideen hinzu. Aus schmalen Holzstäbchen konstruiert der Rentner eine Lagerfeuerstelle. Ein kleines elektrisches Flackerlämpchen hinein – und schon wirkt es wie ein echtes Lagerfeuer aus der Ferne. Um den rußigen Charakter des Lagerfeuerholzes hinzubekommen, verwendet Kraus Kienspan. Dieser wird angezündet und in dem Rauch die Stäbchen angerußt. „Wir haben schon versucht, das Holz in Farbe zu tauchen. Das wirkte aber nicht authentisch“, erklärt er. „Wir“, dass sind er und seine Frau, die ihn bei seinem Hobby tatkräftig unterstützt.

Getrockenetes Moos, andere Pflanzen und Äste werden gesammelt. Aus diesen Elementen bildet Kraus die Miniaturlandschaften nach. Getrocknete Wurzeln verwendet er ebenfalls. Aus dem Hobby entwickelte sich auch ein Zusatzeinkommen für den Grafenwöhrer Künstler. Bernhard Kraus‘ Krippen werden „wohnzimmerfertig“ mit Beleuchtung über „deko Projekt, Weiden“ in Katalogen angepriesen und vertrieben. Darüber hinaus baut er selbstverständlich ebenso exklusiv Krippen auf Anfrage. Per Versand werden die Kunstwerke überwiegend deutschlandweit vertrieben. „Einmal aber durfte ich eine Krippe für eine Japanerin bauen. Sie war in der Weihnachtszeit hier zu Besuch und wollte diese unbedingt mit nach Asien nehmen“, schmunzelt der Künstler. Zirka 600 Krippen verlassen im Laufe eines Jahres die Werkstatt. Eine stattliche Zahl, auch wenn sich darunter einige kleinere befinden, die nicht so aufwendig zu bauen sind, gibt sich Bernhard Kraus bescheiden.

Ob als verfallener, offener Stadel mit Rundbögen, oder wie hier als halb geschlossener Stall mit Zaun: Der Ideenreichtum des Hobbykünstlers scheint unerschöpflich. Er baut Krippen in verschiedensten Größen, quasi für jedes Wohnzimmer passend.

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